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"Bibel-Anschlag" in der Türkei

Nach dem brutalen Überfall auf ein christliches Verlagshaus in der Türkei haben die Behörden am Donnerstag fünf weitere Verdächtige festgenommen. 

Damit waren nach der Bluttat bereits zehn Personen in Polizeigewahrsam. Vier der am Mittwoch Festgenommenen erklärten laut einem Bericht der Zeitung „Hürriyet“, sie hätten ihre Opfer ermordet, um den Islam zu schützen. Bei dem Überfall wurden ein Deutscher und zwei türkische Mitarbeiter des Zirve-Verlags getötet.

„Wir haben das nicht für uns selbst getan, sondern für unsere Religion“, zitierte „Hürriyet“ die Verdächtigen. Der Überfall sei „eine Lektion für die Feinde unserer Religion“. Laut der Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi hatte jeder der vier Männer einen Brief bei sich, in dem sie sich als „Brüder“ bezeichnen, die in den Tod gehen. Medienberichten zufolge handelt es sich um Studenten, die in einem Gebäude einer islamischen Stiftung wohnten. Die am Donnerstag Festgenommenen seien ebenfalls etwa 20 Jahre alt, sagte der Gouverneur von Malatya, Halil Ibrahim Dasöz.

Der scheidende türkische Präsident Ahmet Necdet Sezer verurteilte die Bluttat scharf. Nichts könne einen solchen Angriff in einer Zeit, in der „Frieden, Brüderlichkeit und Toleranz“ gebraucht würden, rechtfertigen, sagte Sezer. Außenminister Abdullah Gül erklärte, der brutale Überfall habe das Ansehen der Türkei im Ausland beschädigt. Er habe sich gegen den Frieden, die Tradition der Toleranz und die Stabilität des Landes gerichtet, sagte Gül am Donnerstag.

Die EU-Kommission erklärte mit Blick auf die Verhandlungen mit Ankara, jeder Beitrittskandidat müsse „die Menschenrechte respektieren, darunter die Religionsfreiheit“. Die Frage, ob sich das Verbrechen auf die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei auswirken werden, verneinte die Sprecherin von EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn, Krisztina Nagy, allerdings indirekt: Der Überfall sei von türkischen Regierungsvertretern scharf verurteilt worden. Nagy erinnerte aber auch daran, dass die Kommission von Ankara unter anderem eine Verbesserung der Rechtsstellung nicht-muslimischer Gemeinden und Stiftungen erwarte.

Der gewaltsame Tod dreier Mitarbeiter eines christlichen Verlages steht nach Ansicht des Vatikan im Zusammenhang mit der laizistischen Großdemonstration in der Türkei vom Wochenende. „Ich denke, das könnte eine Antwort auf diese Demonstration sein, bei der hunderttausende einen weltlichen Staat gefordert haben“, sagte der päpstliche Nuntius in der Türkei, Antonio Lucibello, der italienischen Zeitung „La Stampa“ (Donnerstagausgabe). In Ankara hatten am Samstag 500.000 Menschen gegen eine Kandidatur von Regierungschef Recep Tayyip Erdogan demonstriert. Sie befürchten eine Islamisierung der Türkei.

Die Angreifer hatten ihre Opfer am Mittwoch an Händen und Füßen gefesselt und ihnen die Kehlen durchgeschnitten. Nach Angaben von Gouverneur Dasöz lebte der getötete Deutsche seit 2003 in Malatya. Laut Anadolu handelt es sich um den 46 Jahre alten, dreifachen Familienvater Tilman G. Er hatte für ein Übersetzungsbüro gearbeitet. Seine Familie wolle ihn in Malatya bestatten.

In Istanbul protestierten rund 150 Menschen gegen das Verbrechen und zeigten sich solidarisch mit der christlichen Minderheit in der Türkei. Sie entzündeten Kerzen und entfalteten ein Plakat mit der Aufschrift „Wir sind alle Christen“.

Gegen den christlichen Zirve-Verlag hat es schon mehrfach Proteste gegeben. Die Mitarbeiter seien kürzlich bedroht worden, sagte Geschäftsführer Hamza Özant dem Sender CNN-Türk. Malatya gilt als Hochburg der Nationalisten. Aus der Stadt stammt auch der im Jänner ermordete armenisch-türkische Journalist Hrant Dink sowie Mehmet Ali Agca, der 1981 das Attentat auf Papst Johannes Paul II. verübte.

Dem Überfall vom Mittwoch waren mehrere Angriffe auf die christliche Minderheit in der Türkei vorangegangen. Unter anderem wurde im Februar vergangenen Jahres der italienische katholische Priester Andrea Santoro in der Stadt Trabzon am Schwarzen Meer von einem Jugendlichen erschossen.

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