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Bettelt weiter

Erst bettelte ich um ein Zuckerle. Seither hat mich das Betteln nicht mehr los gelassen. Ich bettelte in der Schule um einen Fleißzettel. Dann musste ich mit der Büchse betteln, für einen guten Zweck, weil der herzige Anblick des kleinen Buben den harten Hatler weich macht. Aber das ist natürlich nicht dieses „böse g‘sellschaftszarstörarische Beattla“, sondern dem sagt man hier „sammeln“.

„Di Ghörigo sammland, die Nüntigo beattland. Beattla darf ma, bloß nid för se sealb. Dear Ghörig varreckt liobor, as dass ar beattlat. Odr ar goht in a frönde Gegond ga beattla, wo ma‘n nid kennt. Wenn scho, seit dar Ghörig, dänn no liobor klauo offom Kloosomaart oder im Großo wio‘s Konzern tuond.

Dann bettelte ich um Inserate für die Schülerzeitung, um Sachspenden für die Tombola, für das Schirennen um Pokale. Später wurde ich angebettelt. Frau Weißensteiner kam mit Rad & Bettelausweis: „Grüß Gott, Herr Baron, I komm für di Bliondo. Wohnat eigentle im oboro Stock ou eappar?“ Das ist das gute Betteln. Die gute Bettelbeute geht an den guten Verein, der die gute Beute an die guten heimischen Bedürftigen verteilt. Däs goht. Bis vor kurzem, als die Welt durcheinanderkam, gab es im schwarzen Gelobtseijesuschristusdorf keine Bösbettler, außer vielleicht einem Edelsandler wie Meiers Bruno. Es gab nur Gutbettler wie wir.

Einstags hab ich im Theater die Bettleroper gesehen, da trat ein Mr. Peachum auf, der Bettlerkönig war und Bettellizenzen an die Bettler vergab und daran gut verdiente. Wenn einer murrte, belehrte er ihn christlich: “Geben ist seliger denn nehmen!“ Dann nahm er ihm den Bettel ab. Gab er nicht, wurde er mit Gewalt vertrieben. Peachum verdiente gut an den Ärmsten der Armen.

„Sit se in üsor subers Ländlä Roma aus Romanien inarghockat händ“, tun es unsere Gelobtseijesuschristusplotikeri Mr. Peachum gleich und vertreiben die Roma aus Romanien, vor der Kirche und nach der Kirche, wenn sie selber den Leib Christi geschluckt haben, damit sie erfolgreich sind, wenn sie am Montag vor der großen Firma in die Knie gehen. Das aber sei nicht betteln sondern dealen. Dealen sei ghörig, denn die Gelobtseijesuschristusplotikeri wie zum Beispiel die sauberen Dorner Stadtbirnen, die ganzjährig unterm Rock von der Kaufmann herumhocken, tun ja auch großzügig geben, selbstgerecht. Sie geben selig unser Geld aus. Wer ist besser? Der Roma, der bittend die Hand aufhält oder der Gelobtseijesuschristusplotikeri, der mit der Hand Volkes Geld sich greift; und obendrein den Roma durch den Stadtpolizist vertreiben lässt.

Bettelt weiter! Peachum regiert. Die Welt MUSS betteln! Einfältig, die das Betteln verbieten. Wollen sie den Kapitalismus abschaffen? Noch einfältiger.

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