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"Betroffen, dass Arbeit vorzeitiges Ende findet"

VN Interview. ORF-Landesdirektor Wolfgang Burtscher über seine überraschende Ablöse durch Radiomoderator Markus Klement. Landesdirektor Burtscher ist enttäuscht. Über Klement will er sich nicht äußern.
Herr Dr. Burtscher, die Entscheidung ist gefallen, Sie werden als Landesdirektor ausscheiden, Markus Klement soll Ihnen nachfolgen. Was sagen Sie dazu?

Wolfgang Burtscher: Ich bin natürlich betroffen, dass meine 14-jährige, sehr erfolgreiche Arbeit als Landesintendant und dann Landesdirektor ein vorzeitiges Ende findet. Und zwar deshalb, weil das Landesstudio hervorragend dasteht – mit Top-Quoten bei „Vorarlberg heute“, mit einer überlegenen Marktführerposition im Radio, mit ausgezeichneten Budgetzahlen und einer Aufrechterhaltung des umfangreichen öffentlich-rechtlichen Angebots auf bemerkenswertem Niveau – trotz aller Sparvorgaben.

 

Wie erklären Sie sich dann den Umstand, dass Ihr Vertrag nicht verlängert wird?

Burtscher: Der Generaldirektor (Wrabetz) hat mir mitgeteilt, dass er jetzt eine Zäsur, einen Generationswechsel durchführen möchte. Das habe ich zu akzeptieren.

 

Von einem Generationswechsel hat zuletzt auch der Vorarlberger Stiftungsrat Edelbert Meusburger gesprochen. Hat er eine maßgebliche Rolle gespielt?

Burtscher: Ich gehe davon aus, dass der Herr Dr. Meusburger den Herrn Klement gefördert hat.

 

Wie schätzen Sie die Fähigkeiten von Klement ein?

Burtscher: Dazu möchte ich keinen Kommentar abgeben.

 

Wie ist die Stimmung im Landesstudio Dornbirn?

Burtscher: Das muss man die Betroffenen selbst fragen. Im Kreise der Führungsebene herrscht Betroffenheit. Aber ich selbst sage, das Leben geht weiter. Um mich muss man sich keine Sorgen machen.

 

Gehen Sie in Pension oder werden sie wie ursprünglich vorgesehen noch zwei Jahre bleiben, jetzt allerdings in anderer Funktion?

Burtscher: Das hängt von Gesprächen mit dem Geschäftsführer ab, welche Verwendung das Haus für mich hat und welche anderen Möglichkeiten es gibt. Aber es ist noch zu früh, darüber zu reden.

 

Sie meinen, eine Verwendung in Dornbirn wäre möglich?

Burtscher: Mein Dienstort ist an sich Dornbirn. Aber ich bitte um Verständnis, dass diese Frage für mich etwas zu früh kommt.

 

Zuletzt ist alles sehr, sehr schnell gegangen. Noch im August hat Meusburger gesagt, wenn Sie sich bewerben, werden Sie Landesdirektor bleiben. Daher noch einmal die Frage: Was ist Ihre Erklärung dafür, dass es plötzlich zu einer solchen Überraschung gekommen ist?

Burtscher: Dafür habe ich im Moment keine Erklärung.

 

In anderen Ländern gibt es Kritik daran, dass es politischen Einfluss auf die Direktorenbestellung gibt. Glauben Sie, dass das auch in Vorarlberg der Fall gewesen ist?

Burtscher: Ich glaube nicht, dass etwa der Landeshauptmann diese Entscheidung beeinflusst hat. Ich habe null Indizien dafür, dass sich das Land aktiv an dieser Lösung beteiligt hat.

 

Landeshauptmann Sausgruber sagt, er hätte es bevorzugt, wenn sie noch zwei Jahre geblieben wären.

Burtscher: Das war meine Lebensplanung. Ich hätte die zwei Jahre genutzt, um einen geordneten Übergang auf die nächste Generation in die Wege zu leiten. Das ist mir nun leider verwehrt.

Zur Person

Dr. Wolfgang Burtscher wurde am 19. September 1948 in Feldkirch geboren und studierte später Jus an der Universität Wien.

Seit 1968 arbeitet Burtscher beim ORF. 1972/73 wechselte er vorübergehend zur „Neuen Vorarlberger Tageszeitung“ und war an deren Aufbau beteiligt. Beim ORF war er zunächst als freier Mitarbeiter beim Landesstudio Dornbirn und als Redakteur bei Ö3 tätig. Von 1971 bis 1972 und dann wieder von 1973 bis 1985 war er Redakteur im Aktuellen Dienst. Von 1985 bis 1995 war er Chefredakteur des Aktuellen Dienstes. 1997 wurde er zum Landesintendanten bestellt, 2002 zum Landesdirektor. 2006 wurde er wiederbestellt.

Dr. Wolfgang Burtscher ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern.

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