AA

Beslan: Putin verspricht Untersuchung

Ein Jahr nach dem blutigen Geiseldrama in Beslan hat der russische Präsident Wladimir Putin den Müttern getöteter Kinder eine eingehende Untersuchung des Massakers zugesagt.

Putin traf am Freitag in Moskau mit vier Frauen zusammen, deren Kinder bei der Geiselnahme in einer Schule im nordossetischen Beslan getötet wurden. Sollten Behördenvertreter in Beslan versagt haben, gebe es dafür keine Rechtfertigung, sagte Putin nach dem Treffen nach Angaben des russischen Fernsehens. Er kündigte an, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Frauen äußerten sich zunächst nicht zum Verlauf des Treffens.

Die Anführerin der Mütter, Susanna Dudijewa, hatte in der Tageszeitung „Iswestija“ angekündigt, das Treffen werde für Putin nicht leicht werden. „Wir werden ihm in die Augen schauen müssen und ihm sagen, dass er für den Tod unserer Kinder verantwortlich ist.“ Die vier Frauen gehören zu einem Komitee aus 200 Müttern, die sich nach dem Geiseldrama in einer Schule zusammengeschlossen hatten. Das Komitee wirft den russischen Behörden schwere Fehler bei der Befreiung der Geiseln vor. Bei der dreitägigen Geiselnahme wurden im vergangenen September mindestens 331 Geiseln getötet, darunter 186 Kinder. Zusätzlich kamen 31 Geiselnehmer ums Leben.

Das Treffen fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, lediglich das staatliche Fernsehen sendete einen geschnittenen Bericht. Darin verglich Putin in seinen Begrüßungsworten an die Frauen das Massaker von Beslan mit den den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001. Kein Staat sei in der Lage, seinen Bürgern absolute Sicherheit zu garantieren, sagte Putin demnach. Die Frauen wollten nach ihrer Rückkehr aus Moskau am Abend in Beslan vor die Presse treten.

Nach Angaben des Mütter-Komitees wollten die Frauen von Putin unter anderem Auskunft darüber, wie die 32 tschetschenischen Geiselnehmer mit Bomben und Waffen nach Beslan gelangen konnten und warum die Behörden jegliche Verhandlungen mit den Geiselnehmern ablehnten. Putin hatte erst nach dreimaligem schriftlichen Ersuchen am Montag einem Treffen mit den Frauen zugestimmt.

Der Termin für das Treffen am Jahrestag des zweiten Tages der Geiselnahme war auch innerhalb des Mütter-Komitees umstritten, da er sich mit den Gedenkfeierlichkeiten in Beslan überschnitt. Von zunächst zwanzig eingeladenen Frauen reisten am Ende nur vier nach Moskau.

In Beslan beteiligten sich rund 30 Mütter an einer dreitägigen Fastenaktion, mit der sie die Trauer um ihre Kinder zum Ausdruck bringen wollten. Die Mehrheit der ganz in schwarz gekleideten Frauen verbrachte die Nacht auf Freitag in der bei der Erstürmung zerstörten Turnhalle der Schule. Der Höhepunkt der Trauerfeiern sollte am Samstag stattfinden. An jenem Tag vor einem Jahr wurde die Schule in Beslan gestürmt.

In der russischen Kaukasusrepublik Inguschetien tötete der russische Geheimdienst am Freitag den tschetschenischen Kriegsherrn Alichan Merschojew, der nach Angaben der russischen Staatsanwaltschaft zu den Komplizen der Geiselnehmer von Beslan gehören soll. Merschojew soll zudem im Juni 2004 an Angriffen mehrerer hundert tschetschenischer Kämpfer auf öffentliche Gebäude in der Stadt Nasran in Inguschetien beteiligt gewesen sein, bei denen 88 Menschen starben.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Welt
  • Beslan: Putin verspricht Untersuchung
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen