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Berührendes Schicksal der Schwabenkinder

Kuratorin Anneliese Nigsch, Bgm. Armin Berchtold, LTP Bernadette Mennel.
Kuratorin Anneliese Nigsch, Bgm. Armin Berchtold, LTP Bernadette Mennel. ©Harald Pfarrmaier
Schwabenkinder Schwarzenberg

Schwarzenberg. (hapf) Es ist eine berührende Geschichte, die Anneliese Nigsch als Kuratorin der Ausstellung „dahoam und foat“ im Angelika-Kauffmann-Museum aufbereitet hat. Sie erzählt abseits jeder Sozialromantik die Geschichte der Schwabenkinder, die sich als als billige Arbeitskräfte im Schwabenland verdingen mussten. Zu groß war die Armut, um sie in der eigenen Familie „durchfüttern“ zu können.

Mit Liedern über die Armut und das „Schwabengehen“ stimmte der Volksschulchor Schwarzenberg unter Leitung von Direktor Hans Moosbrugger auf die Ausstellung ein, die von Landtagspräsidentin Bernadette Mennel am Sonntag, 25. März eröffnet wurde. Die Ausstellung erlaube Einblicke in die Lebenswelt der Schwabenkinder und zeige eindrücklich eine düstere Episode unserer Alpenregion, als Armut die Familien dazu zwang, ihre Kinder in die Fremde zu schicken, um ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. In ihrer Eröffnungsrede appellierte LTP Mennel: „Das unsägliche Leid dieser halbwüchsigen ArbeitsmigrantInnen muss für die heutige Gesellschaft zur Verpflichtung werden, Kindern – auch im Kontext bitterer Armut – solches niemals wieder anzutun.“

Über vier Jahrhunderte hinweg erstreckte sich das sogenannte „Schwabengehen“. Aus den verarmten Alpenregionen aus Vorarlberg, Tirol, und Graubünden zogen alljährlich Kinder und Jugendliche nach Oberschwaben und ins Allgäu, um dort als Hütebuben, Mägde und Knechte auf Bauernhöfen zur arbeiten. Es wird geschätzt, dass damals jährlich fünf- bis sechstausend Kinder auf Höfen in der Fremde arbeiteten. Auf Kindermärkten wurden sie vermittelt, wurden die Preise für die billigen Arbeitskräfte ausgehandelt. Wie auf Viehmärkten wurden die Kinder zum Kauf vorgeführt, wurde um sie gefeilscht. Erst 1915 wurden diese Kindermärkte abgeschafft. Das „Schwabengehen“ nahm erst ab 1921 ab, als in Württemberg die Schulpflicht auch für ausländische Kinder eingeführt wurde.

Kuratorin Anneliese Nigsch und der Historiker Thomas Rüscher griffen in der Ausstellung Themenbereiche wie Arbeit und Freizeit, Kirche und Schule, Bekleidung und Nahrung, Armut und Alltag auf und veranschaulichen durch Gegenstände und Tondokumente die Geschichte der Schwarzenberger Schwabenkinder. Ausstellungsbesucher haben zudem die Möglichkeit, selbst in der Schwabenkinder-Datenbank Nachforschungen über Alter, Familie und Dienstorte von über 6.000 Schwabenkindern nachzuforschen.

Die Ausstellung „dahoam und foat“ im Angelika-Kaufmann-Museum in Schwarzenberg ist bis einschließlich 28. Oktober 2012 zu sehen. Öffnungszeiten: bis 11. Mai 2012: Sonntag 13 bis 17 Ihr, Mittwoch bis Samstag 14 bis 17 Ihr, 12. Mao bis 28. Oktober: Dienstag bis Sonntag, jeweils 10 bis 17 Uhr. Weitere Informationen: www.angelika-kauffmann.com und www.schwabenkinder.eu.

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