Berliner zeigt seine entsorgten Denkmäler

Der dreieinhalb Tonnen schwere Lenin-Kopf wurde im Vorjahr geborgen
Der dreieinhalb Tonnen schwere Lenin-Kopf wurde im Vorjahr geborgen
Abgebrochene Nasen, gerissener Marmor, fehlende Arme - in Berlin präsentiert eine neue Ausstellung entsorgte Denkmäler vom 18. Jahrhundert bis zur Wiedervereinigung. Zu den rund 100 Originalen gehört auch ein tonnenschwerer Lenin-Kopf aus Granit. Nach jahrelangem Ringen wird die Dauer-Schau "Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler" in der Spandauer Zitadelle am Freitag (29.4.) für Besucher geöffnet.


Für Museumsleiterin Andrea Theissen sagt der Umgang mit Denkmälern viel über deutsche Geschichte. Beschädigungen an den Exponaten seien deshalb bewusst nicht geglättet worden, teilte das Museum mit. Auch bei dem Granitschädel des russischen Revolutionärs treten die Spuren der Vergangenheit hervor. Lenin fehlt ein Stück des linken Ohres, ebenso sind kleine Teile des Schnurrbarts weg. Keines der Denkmäler sieht laut Theissen so aus wie zu seiner ursprünglichen Enthüllung.

Um den Lenin-Kopf hatte es ein langes Hickhack gegeben. Er ist Teil eines monumentalen DDR-Denkmals aus Ost-Berlin, das nach dem Mauerfall abgebaut, in mehr als 100 Teile zerlegt und am südöstlichen Stadtrand der Hauptstadt vergraben worden war. Dort hatten sich auf Lenins-Haupt Zauneidechsen angesiedelt. Die geschützten Tiere bekamen ein neues Zuhause. Erst dann wurde in einer spektakulären Aktion der dreieinhalb Tonnen schwere Granitschädel im Vorjahr geborgen und zur Zitadelle gebracht.

Besucher sollen alle Stücke der Dauerschau angreifen können. “Wir wollen im wahrsten Sinne des Wortes deutsche Geschichte begreifbar machen”, hatte die Museumsleiterin der Deutschen Presse-Agentur zu Jahresbeginn gesagt. Für die Ausstellung wurde das frühere Proviantmagazin der einstigen Festung aufwendig umgebaut. Insgesamt kamen rund 14 Millionen Euro von der EU und aus Lotto-Mitteln.

In den großen Hallen werden laut Museum Figuren der einstigen Siegesallee im Berliner Tiergarten gezeigt, sie stehen für die Denkmalkultur des Kaiserreiches. Nach Abbau und mehreren Umzügen waren die Standbilder jahrelang provisorisch in Kreuzberg gelagert worden. Die 750 Meter lange Allee hatte Kaiser Wilhelm II. zwischen 1898 und 1901 anlegen lassen – mit 32 Standbildern brandenburgisch-preußischer Herrscher von Markgraf Albrecht dem Bären (um 1100 bis 1170) bis Kaiser Wilhelm I. (1797 bis 1888). Die Prachtallee wurde in der Bevölkerung wenig respektvoll “Puppenallee” genannt, woraus sich die Redewendung “bis in die Puppen” ableitete. Gemeint war ein nächtlicher Ausflug in den Tiergarten nach einem Lokalbesuch.

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