Berlin-Airport: Der Irgendwann-Vielleicht-Flughafen

Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg: Immer wieder muss Mehdorn eigene Vorhersagen kassieren
Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg: Immer wieder muss Mehdorn eigene Vorhersagen kassieren ©dpa (Themenbild)
2016, 2017, vielleicht sogar 2018? Im Rätselraten um den Start des Berliner Hauptstadtflughafens scheint nichts undenkbar. Vieles ist Spekulation. Kein Wunder: Mehdorn kann es selbst nicht genau sagen.

Hartmut Mehdorns Radiergummi muss längst abgewetzt sein. Wenn es stimmt, dass der Manager im Geheimen einen präzisen Zeitplan für den Bau des neuen Hauptstadtflughafens führt, dann muss er ihn in den vergangenen Monaten laufend korrigiert haben. Noch im März träumte Mehdorn davon, die Baustelle zum Jahresende abzuschließen. Inzwischen ist klar, dass die “Sanierung im Bestand” noch lange dauert. Eine Eröffnung des Flughafens vor 2017 wird unwahrscheinlicher. Das einstige Vorzeigeprojekt hätte dann mindestens fünf Jahre Verspätung.

“Das Jahr 2017 scheint mir nach dem jetzigen Stand nicht unrealistisch”, sagte Brandenburgs Finanzminister und Flughafen-Aufsichtsrat Christian Görke (Linke) kürzlich. Mehdorn hatte den Behörden in Brandenburg vor Monaten noch einen Start des Willy-Brandt-Flughafens 2016 in Aussicht gestellt, in drei Wochen wollte er den Termin öffentlich machen. Doch inzwischen will er dem Aufsichtsrat am 12. Dezember nur noch ein “Terminband” nennen, einen Zeitraum von mehreren Monaten, in denen der Flughafen eröffnen könnte.

Warum ist es so schwer, Klarheit zu schaffen?

Seit mehr als zwei Jahren durchforstet ein Untersuchungsausschuss im Abgeordnetenhaus den Fall. Nach den Zeugenaussagen waren dies vor Mehdorns Zeit die Zutaten für den Misserfolg: Nimmersatte politische Bauherren, die das Projekt mit immer neuen Änderungswünschen torpedierten, mutlose Geschäftsführer und Projektsteurer, die der Aufgabe nicht gewachsen waren und bittere Wahrheiten verschleierten, Baufirmen, die sehenden Auges Murks einbauten. Alles garniert mit einer Prise Traumtänzerei.

Hat sich daran Wesentliches geändert, seit Mehdorn vor eineinhalb Jahren übernahm? Von außen ist das nicht immer leicht zu beurteilen. Klar ist, dass der 72-Jährige, der weder das Geschäftsführergehalt noch den ständigen Ärger nötig hat, sich immer wieder müht, Dampf zu machen. Doch sein Strampeln bringt den Schönefelder Treibsand kaum in Wallungen.

Immer wieder muss Mehdorn eigene Vorhersagen kassieren: Eine Landebahnsanierung scheiterte zunächst am mangelnden Schallschutz für die Anwohner, den Testbetrieb in einem Seitenflügel des Terminals bremste der Aufsichtsrat, beim Brandschutzumbau klagt der Flughafenchef über das Dickicht von Ausschreibungen und Genehmigungen. Der Umbau im Terminal geht nur schleppend voran.

Verunsicherung, Behäbigkeit, Planlosigkeit…

…dieses Bild spricht aus internen Verlautbarungen, zumindest für Teile des Projekts. “In Teilbereichen fehlt es nach meiner Einschätzung (…) an einer klaren Ordnung, an einem kontinuierlichen Durchhaltevermögen, und dem Vertrauen, dass der eingeschlagene Weg auch funktioniert”, stellte Technikchef Jörg Marks fest, nachdem Mehdorn ihn im Sommer holte – den Vorgänger hatte er in einer Korruptionsaffäre rauswerfen müssen.

Marks soll die Zügel anziehen. Denn noch immer wähnt Mehdorn Firmen auf der Baustelle, die gar nicht fertig werden wollen, weil sie daran verdienen, dass der Flughafen nicht fertig wird. “ALLE Firmen und Partner möchten fertig werden – und dieses möglichst schnell!” Dass Marks dieses den Beteiligten regelrecht einbläuen muss, spricht Bände. Zur Erinnerung: Eigentlich sollten in dem Terminal seit drei Jahren Passagiere einchecken.

Hauptproblem Brandschutzanlage

Das Hauptproblem bleibt die Brandschutzanlage, die bei den ständigen Erweiterungen des Baus immer wieder wachsen musste – bis nichts mehr funktionierte. In Teilen des Terminals wird sie nahezu neu gebaut, in beherrschbare Teile zerlegt. “Sanierung im Bestand”, nennt der Technikchef das. Der erfahrene Manager Mehdorn hat längst zugeben müssen, dass er die Probleme unterschätzt hat.

Eine Inbetriebnahme 2016 sei akut gefährdet, schrieb ein Mitarbeiter Mehdorns schon im März. Weil Baugenehmigungen dann auslaufen, was neue Genehmigungsverfahren und wohl auch neue Umbauten nötig mache, werde es auch mit 2017 schwierig. Den Bereichsleiter, der dies schrieb, warf Mehdorn raus – weil der Kollege den Brief auch an den Aufsichtsrat schickte. Das Kontrollgremium darf gespannt sein, ob Mehdorns Vortrag am 12. Dezember optimistischer klingt. (dpa)

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