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Berührender Lichtklang für Pariser Oper

Als vor einiger Zeit im Grand Palais eine Ausstellung mit Titel „Melancholie“ die schönsten Bilder –vor allem nordischer Maler – vereinte, standen die Pariser stundenlang Schlange.

Dem Künstler Lars Hertervig (1830–1902) dürfte man damals kaum begegnet sein. Er kommt nun zu seinem Recht. Durch den aus Vorarlberg stammenden Komponisten Georg Friedrich Haas, dessen neue Oper „Melancholia“ schon bei der öffentlichen Generalprobe am Samstagabend in der von Gerard Mortier geleiteten Pariser Oper großen Jubel hervorrief. Man wollte ihn unbedingt möglichst lange auf der Bühne haben und mit ihm den Dirigenten Emilio Pomarico sowie das Ausstatterteam Emmanuel Clolus und Raoul Fernandez.

Ästhetisches Erlebnis

Melancholie – der Begriff umfasst ein Gefühl der Ausgeschlossenheit, das uns allen innewohnt, das ein kreatives Potenzial wecken, das sich aber auch krankhaft auswachsen kann. In einem Roman des bekannten norwegischen Autors Jon Fosse hat Georg Friedrich Haas jenes Thema gefunden, das ihn musikalisch beschäftigt. Die Polyphonie als akustisch-ästhetisches Erlebnis macht eine Palette an Gefühlen unmittelbar erfahrbar – und zwar losgelöst von Moden und Erwartungshaltungen. Immer schon hat der Komponist es verstanden, Lichtstimmungen per Klang zu provozieren, nicht im banalen Sinn – da schafft das beinahe jeder – sondern hochartifiziell, ob er sich nun der Mikrotonalität behilft oder nicht. Bei der Geschichte von Lars, dem verkannten und unglücklich verliebten Künstler, die die Handlung der Oper bestimmt, kann das Regieteam ganz auf die Erzählfähigkeit von Haas setzen. Seine Verschmelzung von Klang und Farbe, bei der er auf die Einbildungskraft der Hörenden zählt, ermöglicht es dem Ausstatter, auf den Kontrast von Schwarz und Weiß zu vertrauen, ohne ins Plakative abzudriften.

Durchsetzungskraft

Das Klangforum Wien sowie die Solisten Otto Katzameier (Lars), Melanie Walz (Helene), Annette Elster (Kellnerin), Johannes Schmidt und Ruth Weber (Herr und Frau Winkelmann) sowie ein fulminantes Vokalensemble Nova lassen mit einfachen Mitteln auf Anhieb eine ungemein spannende Geschichte von einem Menschen in seiner unfreundlichen Umwelt, aber auch von einem Gefühl entstehen, das uns wohl allen irgendwie vertraut ist. „Melancholia“ ist ein Gegenpol in unserer zur Show neigenden Musiktheaterlandschaft. Die Oper hat aber jede Menge Durchsetzungskraft.

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