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Belgien: Eklat im Dutroux-Prozess

Der Mordprozess gegen den belgischen Kinderschänder Marc Dutroux hat sich am Donnerstag dramatisch zugespitzt. Opfer und Angehörige verließen aus Protest den Gerichtsaal.

Sie kritisierten die wiederholten Wortmeldungen des Hauptangeklagten  und auch die Zeugenaussagen der Fahnder. Die Richter des mutmaßlichen Mädchenmörders wollen der Wahrheit nun mit zusätzlichen Zeugen und der Besichtigung verschiedener Tatorte auf die Spur kommen.

Nerviger Dutroux

Marc Dutroux muss sich zusammen mit drei Komplizen wegen der Entführung von insgesamt sechs Mädchen verantworten, von denen vier während ihrer Gefangenschaft qualvoll starben. Der vorbestrafte Vergewaltiger meldete sich auch am Donnerstag mehrfach im Gerichtssaal zu Wort. „Fragen sind in Ordnung, aber seine Kommentare nerven mich”, sagte Paul Marchal, dessen Tochter An Mitte der neunziger Jahre entführt und später tot aufgefunden wurde.

Protest

Gemeinsam mit den anderen Betroffenen verließ Marchal vorzeitig den Saal.

Der Vater eines anderen getöteten Mädchens, Jean-Denis Lejeune, kritisierte ein „Pingpong-Spiel” zwischen den Fahndern der Polizei und dem Untersuchungsrichter Jacques Langlois. Bei ihrer getrennten Vernehmung als Zeugen hätten sie sich gegenseitig die Beantwortung der Fragen zugeschoben. „Wenn alle diese Haltung einnehmen, kommen wir nie voran”, sagte Lejeune im Gerichtssaal. Opfer-Anwalt Georges- Henri Beauthier rügte auch Dutroux’ Fragen an die Fahnder: „Er kennt die Antworten”, sagte Beauthier dem Fernsehsender RTBF.

Rund 490 Zeugen

Unterdessen wird die Liste von bisher rund 490 Zeugen immer länger. Das Schwurgericht billigte die Vernehmung von sieben zusätzlichen Zeugen der Verteidigung. Unter anderem soll ein Mann befragt werden, bei dem Kleidungsstücke zweier entführter Mädchen gefunden worden waren. Die stark abgemagerten Leichen der beiden Achtjährigen wurden später auf einem Grundstück des Hauptangeklagten Dutroux ausgegraben. Die Eltern beklagen, die Ermittler seien mehreren Spuren nicht nachgegangen.

Aufregung um Rasierklinge

Für Aufregung sorgte am Vorabend der Fund einer Rasierklinge in dem Gefangenentransporter, mit dem Dutroux zur Verhandlung gebracht wird. Die Behörden bestätigten, die Wegwerfklinge sei noch vor der Fahrt ins Gericht entdeckt worden. Das Instrument sei jedoch „völlig ungefährlich” und ein Zusammenhang mit Dutroux ausgeschlossen. Dutroux war während eines Gerichtstermins 1998 für kurze Zeit die Flucht geglückt.

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