Bassajew bekennt sich zu Beslan-Geiselnahme

Der tschetschenische Rebellenanführer Schamil Bassajew hat sich zur Geiselnahme an einer Schule im südrussischen Beslan bekannt und weitere Anschläge angedroht. Bei dem Geiseldrama waren in diesem Monat mehr als 320 Geiseln getötet worden, die Hälfte davon Kinder.   

Unter seinem Kommando hätten 33 Rebellen „eine Reihe erfolgreicher Militäraktionen ausgeführt“, darunter „die Aktion in Beslan“ vom 1. bis 3. September, heißt es in dem Schreiben. Darin übernimmt Bassajew auch die Verantwortung für die beiden Flugzeugattentate vom 24. August mit insgesamt 90 Toten und für den Anschlag vor einer Moskauer U-Bahn eine Woche später, bei dem zehn Menschen starben. Zu den Anschlägen vom August hatte sich bereits eine Gruppe namens Islambuli-Brigaden bekannt. Dazu erklärte Bassajew, diese Gruppe sei „eine Erfindung des (russischen Inlandsgeheimdienstes) FSB“.

Russland bereitet sich nach Angaben von Präsident Wladimir Putin auf Präventivschläge gegen Terroristen vor. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax sagte Putin am Freitag auf einer Bürgermeisterkonferenz in Moskau, mit Terroristen dürfe nicht gefeilscht werden. „Jegliches Eingeständnis führt zu einer Ausweitung ihrer Forderungen und vervielfacht die Verluste“, zitierte Interfax den Präsidenten. Zugleich erklärte Putin, alle Schritte, die die Regierung unternehme, stünden in Einklang mit dem Gesetz, der Verfassung und dem Völkerrecht.

Der Tschetschenenführer machte die russische Führung für den katastrophalen Ausgang des Geiseldramas verantwortlich, bei dem nach offiziellen Angaben 339 Menschen ums Leben kamen. Die Stürmung der Schule sei nicht durch eine versehentlich explodierte Bombe ausgelöst, sondern „von den russischen Sicherheitsdiensten gestartet“ worden, heißt es in dem Brief. An den Innenwänden der Turnhalle, in der die Geiseln festgehalten wurden, seien keine Explosionsspuren zu finden gewesen. Bassajew forderte eine internationale Untersuchung der Vorfälle durch die EU oder die UNO.

Das Kommando in Beslan sei bereit gewesen, die Geiseln freizulassen, wenn ihre Forderungen erfüllt worden wären, erklärte Bassajew demnach weiter. Sie hätten über Mittelsmänner auch angeboten, dass Kleinkindern Nahrung und Wasser gebracht werden könne, falls Russland mit der Erfüllung der Forderungen beginne. Insgesamt hatten die Extremisten in der Schule mehr als 1100 Menschen zwei Tage lang ohne Wasser und Lebensmittel festgehalten. Die Rebellen hatten unter anderem den Abzug der russischen Truppen aus Tschetschenien gefordert. Die internationale Gemeinschaft beschuldigte Bassajew, mit zweierlei Maß zu messen und die zivilen Opfer des Tschetschenien-Kriegs zu vergessen.

„Wir werden weiter kämpfen, so wie es uns passt und opportun erscheint, und zwar nach unseren Regeln“, drohte Bassajew am Freitag auf einer Internetseite der Separatisten. Verbindungen zum Terroristenchef Osama bin Laden habe er nicht, erklärte Bassajew. „Ich kenne Bin Laden nicht. Ich erhalte kein Geld von ihm, würde es aber auch nicht ablehnen“, fügte er hinzu.

Zugleich machte Bassajew eine Rechnung auf, was ihn die jüngsten Anschläge gekostet hätten, bei denen mehr als 410 Menschen ermordet wurden: Für die Flugzeuganschläge habe er 4000 Dollar (3.290 Euro) aufwenden müssen, für die Bombenanschläge in Moskau 7000 Dollar und für die Geiselnahme in Beslan 9700 Dollar.

Die russische Regierung hat Bassajew sowie den tschetschenischen Ex-Präsidenten Aslan Maschadow für die Geiselnahme in Beslan verantwortlich gemacht und ein Kopfgeld von zehn Millionen Dollar auf die beiden ausgesetzt. Maschadow hat eine Beteiligung jedoch bestritten und die Tat verurteilt. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte am vergangenen Freitag dem katarischen Fernsehsender Al Jazeera, er wisse, dass Bassajew die Aktion persönlich geführt habe.

Bassajew hat sich seit Beginn des ersten Tschetschenien-Krieges Mitte der 90er Jahre zu zahlreichen Anschlägen, Geiselnahmen und Überfällen bekannt. Er soll Berichten zufolge eine Ehefrau sowie zahlreiche Verwandte im Bürgerkrieg verloren haben und ist nach einer Minenexplosion beinamputiert.

Bassajew zählt zum islamistischen Flügel des tschetschenischen Widerstands. Maschadow, der dem nationalistischen Teil der Rebellen zuzurechnen ist, hat hingegen immer wieder Anschläge gegen Zivilisten verurteilt. Der stellvertretende US-Außenminister Richard Armitage sprach Bassajew das Existenzrecht ab. Jeder, der unschuldiges Leben für politische Ziele missbrauche, sei es „nicht wert, in unseren Gesellschaften zu leben“, sagte Armitage während eines Besuchs in Warschau.

Der Sprecher der russischen Armee im Nordkaukasus, Ilja Schabalkin, bezeichnete Maschadow als Komplizen der Geiselnehmer. Maschadow habe von der Tat „gewusst“, auch wenn er nicht der „direkte Organisator“ gewesen sei, zitierte die Nachrichtenagentur Interfax den Sprecher.

Der Chef der oppositionellen Liberalen in Russland, Grigori Jawlinski, kritisierte das Krisenmanagement während der Geiselnahme in Beslan. Die Regierung habe „niemals als Priorität genannt, das Leben der Geiseln retten zu wollen“, sagte Jawlinksi.

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