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Bangen um südkoreanische Geiseln

Nach dem Tod einer südkoreanischen Geisel in Afghanistan intensiviert die Regierung in Seoul ihre Bemühungen um die Freilassung der übrigen 22 Landsleute aus der Geiselhaft der Taliban-Rebellen.

Dazu schickte die Regierung am Donnerstag den Präsidentenberater für Sicherheitsfragen, Baek Jong-chun, nach Kabul. In Zusammenarbeit mit der afghanischen Regierung und anderen befreundeten Ländern will sich Baek um eine Lösung der seit einer Woche dauernden Geiselkrise einsetzen. Am Abend verlängerten die radikal-islamischen Rebellen nach Angaben eines Sprechers erneut ihr Ultimatum zur Freilassung der Geiseln. Die Frist laufe nun am Freitag um 12.00 Uhr Ortszeit ab, sagte ein Sprecher Taliban, Yussif Ahmadi.

Man habe das Ultimatum unter anderem verlängert, damit der Präsidentenberater, der am Donnerstagabend in Kabul eingetroffen sei, an den Verhandlungen um die Freilassung Der Geiseln teilnehmen könne, sagte der Sprecher weiter. Die Verhandlungen mit den Taliban würden fortgesetzt, hatte ein afghanischer Vermittler, Khawaja Mohammad Sedeqi, zuvor mitgeteilt. Die 22 Geiseln seien nach seinen Informationen sicher und am Leben. Nach Angaben aus afghanischen Regierungskreisen haben sich unter den Geiselnehmern mehrere Gruppen gebildet, die verschiedene Forderungen zur Freilassung ihrer Geiseln stellen. Während eine Gruppe die Südkoreaner gegen inhaftierte Talibankämpfer austasuchen wolle, scheine der Rest der Geiselnehmer eher an der Zahlung von Lösegeldern interessiert.

Die südkoreanische Regierung hatte bestätigt, dass einer ihrer Landsleute in Geiselhaft am Mittwoch ermordet worden sei. Die für die Entführung verantwortliche Organisation werde „dafür zur Rechenschaft gezogen“, hieß es in einer Erklärung. Südkorea werde die Tötung einer unschuldigen Zivilperson nicht hinnehmen.

Bei dem Toten handelt es sich offiziellen Angaben zufolge um den 42 Jahre alten Priester Bae Hyung-kyu, der die am Donnerstag voriger Woche verschleppten Mitglieder einer christlichen Freikirche geleitet haben soll. Nach Angaben afghanischer Behörden wurde die mit Kugeln durchsiebte Leiche der Geisel im Bezirk Kara Bagh in der südlichen Provinz Ghazni gefunden, wo die Entführten festgehalten werden sollen. Die Taliban hatten zuvor die Freilassung von inhaftierten Gesinnungsgenossen im Tausch gegen die Geiseln gefordert. „Es ist eine sehr schwierige Lage, in der die Forderungen und Orte wechseln und die Inititativen (unter den Taliban) sich ständig ändern“, sagte ein Regierungsbeamter in Seoul vor Journalisten.

Verwirrung hatten am Mittwoch koreanische Berichte über die angebliche Freilassung von acht Geiseln gestiftet. Der Gouverneur der Provinz Ghazni hatte den Berichten noch am selben Tag widersprochen.

Unterdessen appellierten die Familien der Geiseln an die Taliban, die Entführten freizugeben. Ihre Angehörigen hätten Afghanistan besucht, um sich an Hilfsaktivitäten zu beteiligen. „Sie behandelten kranke Menschen und verbrachten mit ihnen Zeit“, hieß es in einem offenen Brief.

Die in Afghanistan zu Tode gekommene deutsche Geisel ist nach Angaben des Außenministeriums in Berlin am Donnerstag obduziert worden. Die Frage nach der genauen Todesursache des Verstorbenen könne derzeit aber noch nicht abschließend beantwortet werden, erklärte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Jäger: „Ein endgültiges Untersuchungsergebnis ist frühestens Ende nächster Woche zu erwarten.“ Der am Mittwoch nach Deutschland überführte Leichnam sei vom Institut für Rechtsmedizin in Köln obduziert worden.

Offen ist, ob der Mecklenburger Ingenieurs Rüdiger D.von seinen afghanischen Kidnappern gezielt getötet wurde oder an den Umständen der Entführung gestorben ist. Der Leichnam weist Schusswunden auf. Dennoch geht die deutsche Bundesregierung nicht von einem gezielten Todesschuss aus wie dies die radikal-islamische Taliban behauptet hatten. Rüdiger D. und sein Kollege Rudolf B. waren vor einer Woche etwa 100 Kilometer südwestlich von Kabul verschleppt worden. Beide wurden womöglich Opfer einer Stammesfehde.

Die Taliban hatten am Samstag behauptet, zwei Deutsche seien erschossen worden. Tatsächlich starb Rüdiger D., um die Freilassung des zweiten Mannes wird weiter gerungen.

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