Bagdad: Hussein wieder im Gerichtssaal

Der Prozess gegen Saddam Hussein und sieben Funktionäre seines durch die US-Invasion 2003 gestürzten Baath-Regimes ist in Anwesenheit des Hauptangeklagten fortgesetzt worden.

In der Übertragung des arabischen TV-Nachrichtensenders Al-Jazeera war ein unvermindert streitfreudiger Saddam zu sehen, der allerdings von seinem zweiwöchigen Hungerstreik etwas abgemagert wirkte. Der ehemalige Machthaber war am Sonntag nach einem Schwächeanfall infolge Hungerstreiks ins Krankenhaus gebracht und kurzzeitig über eine Magensonde ernährt worden.

Saddam Hussein und die sieben anderen Angeklagten müssen sich vor dem irakischen Sondertribunal wegen Verbrechen an der Bevölkerung des schiitischen Dorfes Dujail im Jahr 1982 verantworten. Unter anderen waren 148 Männer und Jugendliche nach einem fehlgeschlagenen Attentat auf Saddam Hussein hingerichtet worden. Der Prozess befindet sich in der Schlussphase. Die Staatsanwaltschaft hatte für den Ex-Präsidenten und zwei Mitangeklagte die Todesstrafe gefordert. Mit einem Urteil wird Mitte August gerechnet.

„Es war nicht meine Entscheidung, vor Gericht zu erscheinen“, sagte Saddam Hussein, der einen dunklen Anzug trug und einen Koran bei sich hatte. „Ich hatte ihnen eine Petition geschrieben, in der ich klargestellt habe, dass ich nicht vor Gericht erscheinen will“, sagte er dem Richter, „sie haben mich aber gegen meinen Willen hergebracht.“

Bei Todesurteil lieber erschießen

Der irakische Ex-Machthaber Saddam Hussein will nach eigenen Worten im Falle eines Todesurteils lieber erschossen als erhängt werden. Zudem kritisierte der Angeklagte vor dem Sondertribunal, dass er gegen seinen Willen in den Gerichtssaal gebracht worden sei.

An den Richter gewandt sagte Saddam Hussein am Mittwoch, er solle bei einem Schuldspruch bedenken, über wen er sein Urteil fälle. In diesem Zusammenhang bezeichnete sich der einstige Präsident als ein Mann des Militärs. „Und deshalb sollte in dem Fall das Urteil ’Tod durch Erschießen’ und nicht ’Tod durch den Strang’ lauten“, forderte Saddam. Gleichzeitig gab er sich kämpferisch und sagte, er werde auch noch nach zehn Monaten ohne Nahrung die Stimme erheben und sich mit vollen Kräften verteidigen.

„Es war nicht meine Entscheidung, vor Gericht zu erscheinen“, erklärte Saddam, der einen dunklen Anzug trug und eine Ausgabe des Korans in der Hand hielt. „Ich hatte Ihnen eine Petition geschrieben, in der ich klargestellt habe, dass ich nicht vor Gericht erscheinen will“, sagte er dem Richter. Er sei seit dem 8. Juli in einem Hungerstreik, fügte der 69-Jährige hinzu. Zudem beschwerte sich Saddam über die unzulängliche Sicherheit seiner Verteidiger: „Die Hälfte meiner Anwälte wurde getötet. Ist es von Ihnen zu viel verlangt, sie zu schützen?“ An der Verhandlung nahm am Mittwoch kein Verteidiger Saddams teil.

Saddam war am Sonntag in eine Klinik gebracht worden, wo er zwangsweise ernährt wurde. Nach US-Militärangaben befindet sich der Angeklagte nicht in einem kritischen Zustand. Mit seinem Hungerstreik will Saddam gegen die seiner Ansicht nach unfairen Bedingungen des Verfahrens protestieren. Im Verlauf des monatelangen Prozesses hatte er das Gericht wiederholt beschimpft und als unrechtmäßig bezeichnet. Am Montag bereits hatten Saddam, seine sieben Mitangeklagten und ihre Verteidiger das Verfahren erneut boykottiert.

In dem Prozess werden Saddam die Ermordung von 148 Schiiten und die Folter von hunderten weiteren Bewohnern des Dorfes Dujail im Jahr 1982 vorgeworfen. Im Fall eines Schuldspruchs könnte Saddam wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt werden. Der Prozess hatte Mitte Oktober begonnen und nähert sich dem Ende. Ein Urteil könnte im September fallen.

Mitte August muss sich der frühere irakische Machthaber zudem in einem zweiten Verfahren vor Gericht verantworten. Dabei wird ihm Völkermord an Kurden in den 80er Jahren vorgeworfen.

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