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Bagdad: Anschlagsserie intensiviert

Zwei Attentate auf Regierungsmitglieder, ein Selbstmordanschlag mit mindestens zwölf Todesopfern vor einer US-Kaserne, ein Raketenangriff auf das US-Hauptquartier in Bagdad.

Zweieinhalb Wochen vor der von den USA geplanten Machtübergabe an eine Übergangsregierung ist ein Ende der tödlichen Gewalt im Irak nicht in Sicht.

Dabei verhinderte eine Polizeistreife möglicherweise am Sonntag noch Schlimmeres, als sie einen Selbstmordattentäter in der Nähe der US-Kaserne Camp Cuervo stoppte. Der Mann war nach Angaben eines Polizeisprechers mit seinem als Bombe präparierten Auto in der falschen Fahrtrichtung gefahren. Der Attentäter zündete seinen Sprengsatz und riss mit sich vier Polizisten und sieben Passanten in den Tod, teilte ein US-Militärsprecher mit. 13 Menschen wurden verletzt. Es war der 15. Autobombenanschlag in diesem Monat.

Nach Darstellung des katarischen Fernsehsenders „Al Jazeera“, der sich offenbar auf den gleichen Vorfall bezog, starben sogar 16 Menschen, als ein Sprengsatz gegen 10.00 Uhr Ortszeit in dem Bagdader Stadtteil Rostamiya detonierte, der nahe des Internationalen Flughafens liegt. Unter den Toten sollen sechs irakische Polizisten sein.

Sonntag Früh wurde ein für Kontakte zum Ausland und den Vereinten Nationen zuständiger Abteilungsleiter des Erziehungsministeriums, Kamal al Jarrah, ermordet. Das Attentat erfolgte nach dem selben Muster wie die Ermordung des stellvertretenden Außenministers Bassam Salih Kubba am Samstag: Die Täter lauerten Jarrah auf dem Weg zur Arbeit auf.

In Bakuba wurde der Polizeigeneral Majid Almani Mahal am Samstagabend bei einem Attentatsversuch verletzt; in Bagdad wurde der Chef der irakischen Grenzpolizei, Generalmajor Hussein Abdul-Karim leicht verwundet, als sein Konvoi am Samstag unter Feuer kam.

Die Ermordung Kubbas zeigt nach Angaben des irakischen Außenministeriums „alle Merkmale der verbliebenen Anhänger von Saddam Husseins bösem Regime“. Der 60-jährige Karrierediplomat war der zweite ranghohe Politiker, der seit der Ernennung der vom UNO-Sondergesandten Lakhdar Brahimi ernannten Übergangsregierung getötet wurde.

Den Aufständischen gelang es am Sonntag überdies, eine Rakete auf das hermetisch abgeschirmte US-Hauptquartier in der so genannten „Grünen Zone“ Bagdads abzufeuern. Das Geschoss schlug im Republikspalast ein, in dem US-Zivilverwalter Paul Bremer residiert. Nach Angaben aus US-Kreisen richtete es nur leichten Schaden an.

In der nordirakischen Stadt Kirkuk wurde nach Polizeiangaben ein kurdischer Geistlicher, Iyad Kurshid Abdel Rasak, am Samstagabend erschossen. Die Sicherheitskräfte verloren in dem Ölzentrum einen Beamten: Der Mann wurde vor den Augen seiner Familie erschossen, berichtete ein Polizeisprecher.

Angesichts der andauernden Gewalt erwartet der stellvertretende Einsatzleiter der US-Streitkräfte im Irak keine Änderungen im amerikanischen Militäreinsatz nach dem Machttransfer am 30. Juni. „Ich denke nicht, dass man am 15. Juli einen großen Unterschied etwa zum 15. Jänner sehen wird“, sagte Generalmajor Mark Kimmitt.

Am Samstag wurde ein entführter libanesischer Bauarbeiter bei Falluja erschossen aufgefunden, teilte ein libanesischer Außenamtssprecher mit. Ein weiterer wurde von seinen Geiselnehmern freigelassen und ein dritter wurde weiter vermisst. In Falluja kamen sieben entführte türkische Bauarbeiter frei, wie deren Firma mitteilte.

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