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Bagdad: "Anschläge im Halbstundentakt"

Trotz der jüngsten Sicherheitsoffensive in Bagdad hat am Samstag eine neue Serie von Anschlägen die irakische Hauptstadt erschüttert - fast 20 Tote in fünf Stunden.

Sieben Bomben und Mörserbeschüsse rissen innerhalb von fünf Stunden fast 20 Menschen in den Tod, wie die Polizei berichtete.

Auf einem der ältesten Märkte Bagdads im vor allem von Schiiten bewohnten Vorort Kasimiya schlug am Morgen eine Mörsergranate ein. Vier Menschen wurden getötet, 13 weitere verletzt. Knapp eine halbe Stunde später explodierte eine Bombe auf einem weiteren Markt in der Innenstadt. Zwei Menschen wurden nach Polizeiangaben getötet und 24 zum Teil schwer verletzt.

Ein weiterer Anschlag wurde in einem Minibus verübt: Der Sprengsatz war in einer Plastiktasche in dem Fahrzeug versteckt, drei Fahrgäste kamen ums Leben. Die schwerste Explosion wurde von einem Selbstmordattentäter ausgelöst, der sich nahe einer Gruppe irakischer Soldaten in seinem Auto in die Luft sprengte und sieben Menschen mit in den Tod riss.

Auch südlich von Bagdad kam es zu neuer Gewalt. Bei zwei Anschlägen in Mahmudiya wurden laut Behörden mindestens fünf Zivilpersonen getötet und fast 20 verletzt. Bei einem Angriff mutmaßlicher Rebellen auf einen Verkehrskontrollpunkt bei Jussifija, rund 20 Kilometer südlich von Bagdad, wurde ein amerikanischer Soldat getötet. Die US-Streitkräfte erklärten, seit dem Zwischenfall am Freitag würden zwei weitere Soldaten vermisst.

Unterdessen berichtete die „New York Times“ am Samstag unter Berufung auf eine am Vortag veröffentlichte Untersuchung, Spezialeinheiten der US-Streitkräfte hätten nach einem Bericht des US-Verteidigungsministeriums unzulässige Verhörmethoden bei irakischen Häftlingen angewandt. Die Vorfälle ereigneten sich 2004 in einem Zeitraum von vier Monaten, lange nachdem solche Behandlungen untersagt worden waren.

Brigadegeneral Richard Formica schrieb in dem Dokument, die Spezialeinheiten hätten einigen Gefangenen nur Wasser und Brot gegeben, wenn diese nicht aussagebereit gewesen seien. So habe ein Gefangener 17 Tage lang nichts anderes erhalten. Andere seien sieben Tage lang in so kleinen Zellen eingesperrt gewesen, dass sie weder stehen noch liegen konnten. Laute Musik habe sie am Schlafen gehindert. Mehrere Häftlinge seien nackt mit Wasser übergossen und dann in Räumen mit Klimaanlagen oder in der Kälte verhört worden.

Trotz der Untersuchungsergebnisse sieht Formica keine Notwendigkeit zu Disziplinarmaßnahmen. Die Soldaten hätten falsch gehandelt, es liege aber kein absichtlicher Missbrauch vor. Verantwortlich seien unzulängliche Führung, nicht aber persönliche Fehler.

Der Irak hat unterdessen UNO-Generalsekretär Kofi Annan um politischen und finanziellen Beistand ersucht. Annan will ein internationales Programm für den Irak einleiten, wie aus einer UNO-Erklärung vom späten Freitag hervorgeht. Danach war Annan vom irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki telefonisch um internationale Unterstützung gebeten worden. Auch Außenminister Hoshyar Zebari habe ihn bei einem Besuch in New York darauf angesprochen. Darüber hinaus hätten ihm Vertreter der US-Regierung den Wunsch von Präsident George W. Bush übermittelt, die Vereinten Nationen sollten die führende Rolle bei der Entwicklung dieses „internationalen Paktes für den Irak“ übernehmen.

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