Autos und Zigaretten werden ab heute teurer

Die Kosten für kleinere Autos werden günstiger, für größere Autos und Zigaretten dagegen teurer
Die Kosten für kleinere Autos werden günstiger, für größere Autos und Zigaretten dagegen teurer ©APA/ZB/Arno Burgi
Käufer von Autos mit hohem Spritverbrauch sowie von Zigaretten müssen ab 1. Oktober tiefer in die Tasche greifen.
Spritpreise: Klimaziel erst bei 4 Euro erreichbar

Motorbezogene Versicherungssteuer: Ab 1. Oktober wird zur Berechnung der Abgabenhöhe von Pkws und Motorrädern auch der CO2-Ausstoß herangezogen. Spritfresser, die besonders viel CO2 verursachen, werden damit teurer.

Neuberechnung

So zahlt man ab Oktober 2020 bis zum Jahresende 2020 erstmals zugelassene Pkw für jedes Kilowatt über 65 Kilowatt und für jedes Gramm CO2 über 115 Gramm CO2 8,64 Euro pro Jahr. Wobei mindestens fünf Kilowatt an Leistung und fünf Gramm CO2 anzusetzen sind. Dies entspricht einer Mindeststeuer von 86,40 Euro pro Jahr. Reine Elektrofahrzeuge sind von der motorbezogenen Versicherungssteuer gänzlich befreit - dies gilt aber nicht für Range-Extender und Hybrid-Pkw, so der ÖAMTC.

"Dadurch werden die laufenden Kosten vor allem für kleinere, effiziente Autos günstiger, für Vans, SUVs und Co hingegen meist teurer", so die Einschätzung des ÖAMTC.

Tipp: Die künftige Höhe der mVSt kann auf der Seite des ÖAMTC berechnet werden.

Sparen beim Neuwagenkauf

"Beispiele zeigen, dass bei ein- und demselben Modell mehrere hundert Euro an Steuer pro Jahr gespart werden können, wenn man zur Ausstattungsvariante mit dem geringsten 'CO2-Rucksack' greift", rechnete ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsexpertin Nikola Junick kürzlich vor.

Hintergrund der Neuregelung: Je mehr Sprit ein Auto verbraucht, umso höher ist der CO2-Ausstoß und umso größer der verursachte Klimaschaden.

Wer beim Neuwagenkauf auf einen niedrigen realen Spritverbrauch achtet, spart sich auch bei den laufenden Spritkosten einiges. Hat ein Pkw einen realen Verbrauch von drei statt sechs Litern dann spart man sich pro 100.000 Kilometer über 3.000 Euro an Spritkosten und reduziert den CO2-Ausstoß um rund 7.500 Kilogramm, rechnet der VCÖ vor.

Knapp mehr als sechseinhalb Liter Sprit pro 100 Kilometer ist der reale Verbrauch der Autos der Vorarlberger Haushalte.

Bei Erstzulassungen ab 1. Oktober

Die mVSt wird von jedem Pkw- und Motorradbesitzer laufend gemeinsam mit der Prämie der Haftpflichtversicherung eingehoben. Ihre Höhe richtete sich bisher ausschließlich nach der Motorleistung (bzw. dem Hubraum bei Motorrädern). Die neue Regelung gilt für alle Erstzulassungen ab 1. Oktober 2020. Dann hängen alle drei Pkw-Steuern, die es in Österreich gibt, unmittelbar vom CO2-Ausstoß ab. Neben der mVSt sind das die Normverbrauchsabgabe (NoVA, einmalig beim Neuwagenkauf oder Import eines Autos nach Österreich) und die Mineralölsteuer (MöSt, fällt für jeden getankten Liter Kraftstoff an, die Steuerlast ist damit umso höher, je höher der Verbrauch bzw. der damit verbundene CO2-Ausstoß ist).

Dem VCÖ geht die Neuregelung zu wenig weit

"Neue Spritfresser werden ab morgen teurer, aber sie kommen zu billig davon", meint der Verkehrsclub Österreich am Mittwoch in einer Aussendung.

So steige die Motorbezogene Versicherungssteuer für einen VW Touareg mit 250 kW und einem CO2-Ausstoß von 232 Gramm pro Kilometer bei monatlicher Zahlweise um lediglich rund 45 Euro pro Monat. Zudem beziehe sich die Berechnung auf die Herstellerangaben. Der tatsächliche CO2-Ausstoß beim Fahren sei aber deutlich höher. Besonders hoch sei die Abweichung bei Plug-In-Hybrid Pkw, wie eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts zeige: "Deren realer CO2-Ausstoß ist im Schnitt doppelt so hoch wie im Testzyklus ermittelt", erklärt der VCÖ.

"Auch ist die CO2-Grenze zu hoch. Selbst ein Fahrzeug mit 100 kW und einem CO2-Ausstoß von 145 Gramm CO2 pro Kilometer zahlt in Zukunft weniger Motorbezogene Versicherungssteuer als bisher", macht der VCÖ aufmerksam.

Bereits im Vorjahr hatten über 40 Prozent der neuzugelassenen Pkw laut Herstellerangaben einen CO2-Ausstoß von weniger als 145 Gramm CO2 (nach WLTP), für heuer ist mit einem Anstieg auf über 50 Prozent zu rechnen.

Zigaretten ab 1. Oktober teurer

Mit Anfang Oktober werden auch Zigaretten in Österreich um 20 Cent pro Packerl teurer. Grund ist aber nicht nur die wegen der Coronakrise um ein halbes Jahr verschobene Anhebung der Tabaksteuer. Sowohl Marktführer Philip Morris als auch JTI Austria als Nr. 2, die frühere Austria Tabak, erhöhen die Preise auch wegen anderer Mehrkosten der letzten Jahre, in denen "Glimmstängel" nicht teurer wurden. Den Gesamtmarkt sieht man heuer stabil bis leicht steigend.

JTI-Austria-Sprecher Ralf-Wolfgang Lothert verwies im APA-Gespräch auf zusätzliche Kostenfaktoren der letzten drei Jahre wie die von der Europäischen Union (EU) der Branche auferlegte Umstellung der Zigarettenpackungen, Gebührenzahlungen an die AGES (die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit), Kosten für das europäische Zigaretten-Rückverfolgungs-Tracking- und -Tracing-System sowie letztlich auch die Tabaksteuererhöhung, die eigentlich schon mit 1. April fällig gewesen wäre.

Höhere Mindesthandelsspanne für Trafikanten

Philip-Morris-Sprecher Florian Gross nannte ferner die Mindesthandelsspanne für die Trafikanten, die angehoben wird. Diese Spanne werde marginal erhöht, faktisch nachgezogen, wie dies im Regierungsprogramm zur Existenzsicherung verankert sei, so Trafikanten-Obmann Josef Prirschl zur APA: "70 Prozent unserer Deckungsbeiträge kommen vom Tabak." In Österreich wird Tabak ausschließlich über Fachgeschäfte und lizenzierte Verkaufsstellen vertrieben, beides zusammen ergibt mehr als 5.200 "Trafiken". Diese hätten durch Corona viel von ihrem Geschäft verloren, etwa beim Ticketverkauf, teils auch beim Glücksspiel - im Lockdown stärker, doch auch jetzt noch leicht im Minus. Im Vergleich zu anderen Branchen müsse man aber zufrieden sein, so der Trafikanten-Obmann.

In der Coronakrise wird nicht weniger geraucht

Die beiden Marktführer, Philip Morris mit etwa 40 Prozent Anteil und JTI Austria mit rund einem Drittel, und auch die Trafikanten selbst gehen für das heurige Corona-Jahr 2020 unisono von einem stabilen bis leicht steigenden Zigarettenmarkt in Österreich aus.

In der Coronakrise wird nicht weniger geraucht, sondern eher an anderen Orten, zum Beispiel mehr daheim als am Weg in die Arbeit, an Bahnhöfen, Flughäfen oder anderen Verkehrsknotenpunkten. Im Westen Österreichs wurden durch die Reiseeinschränkungen wegen Covid-19 heuer weniger Zigaretten verkauft, weil sich Deutsche oder Schweizer seltener relativ günstig bei uns eindecken konnten - im Osten mehr, weil dort weniger Rauchware aus dem Ausland mitgebracht wurde. "Die Österreicher kaufen heuer mehr im Inland", so Prirschl. 2019 seien 14 bis 15 Prozent des gesamten Zigarettenvolumens nicht in Österreich versteuert worden, sagt Lothert.

2020 mehr Tabaksteuer eingenommen als 2019

Aus der Tabaksteuer nahm der Staat 2019 rund 1,9 Mrd. Euro ein - samt Mehrwertsteuer 2,4 Mrd. Euro. Der Umsatz der Trafikanten aus Tabakwaren betrug 3,15 Mrd. Euro. Heuer bis Juni wurden 27 Mio. Euro mehr Tabaksteuer eingenommen als im gleichen Zeitraum 2019. Dabei stach der Lockdown-Monat April mit 13 Prozent Einnahmenplus besonders heraus. Grund waren die Grenzschließungen, da es fast unmöglich war, Zigaretten aus dem Ausland zu importieren, hieß es in einer Aussendung des Finanzministeriums. 2019 wurden 13,6 Mrd. Zigaretten geraucht in Österreich - 1.700 Stück pro Einwohner pro Jahr und fast 5 "Glimmstängel" pro Tag für jeden Österreicher.

(APA)

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