Aussicht mit Haus

Praktisch von jeder Stelle aus gleitet der Blick fast automatisch nach außen.
Praktisch von jeder Stelle aus gleitet der Blick fast automatisch nach außen. ©Darko Todorovic
Zwischenwasser. Das Erste, das beim Betreten des von Dietrich|Untertrifaller in Zwischenwasser gebauten Haus B auffällt, ist der Blick durch dieses hindurch hinaus ins Freie.
Haus B in Zwischenwasser

Wo sich bis vor einigen tausend Jahren der Bodensee ausgebreitet hat, tut das nun besonders im winterlichen Halbjahr ein Nebelmeer. Glücklich sind die, die darüber leben. Wie seit einigen Monaten die Familie B in Zwischenwasser. Ein Luxus in Sachen Lebensqualität, wofür das Ehepaar mit zwei erwachsenen Kindern gern längere Fahrzeiten zu seinen Arbeitsplätzen in Kauf nimmt. Bereits beim Betreten des an einem steilen Hang stehenden Hauses wird jedem klar, warum die Hausherrn gerade diesen Ort zum „Zentrum unserer Welt“ erkoren haben: der unvergleichlichen Aussicht wegen. Um sich besonders dann, wenn hier oben der Himmel blau ist und die Sonne scheint, während unten im Tal eine dicke Nebeldecke liegt, abgekoppelt von der banalen Wirklichkeit zu fühlen.

Guckkasten An den Hang geschmiegt, öffnet sich das Haus über eine holzbeplankte Terrasse zur Wiese. Wo hier noch Schnee liegt, grasen im Sommer friedlich die Kühe. Foto: Darko Todorovic
Guckkasten An den Hang geschmiegt, öffnet sich das Haus über eine holzbeplankte Terrasse zur Wiese. Wo hier noch Schnee liegt, grasen im Sommer friedlich die Kühe. Foto: Darko Todorovic ©Guckkasten: An den Hang geschmiegt, öffnet sich das Haus über eine holzbeplankte Terrasse zur Wiese. Wo hier noch Schnee liegt, grasen im Sommer friedlich die Kühe. Foto: Darko Todorovic

Haben die Architekten von Dietrich|Untertrifaller mit Felix Kruck als Projektleiter doch das Haus so situiert, dass aus seinem Inneren auch die Nachbarn kaum wahrgenommen werden. Angelegt als langgestreckter, sich an den fast unangetastet gebliebenen Hang schmiegender Guckkasten, der straßenseitig über eine kleine Brücke betreten wird. Die sich – in ihrer Materialität zwar hölzern transformiert – im Innern des Hauses fortsetzt, um den Blick durch dieses durch sofort wieder nach außen zu lenken. Denn so abweisend geschlossen sich die Nordfassade des Hauses gibt, so transparent ist seine Südseite. Sind die zwei Geschoße doch fast komplett gläsern aufgelöst, während jene nach Osten bzw. Westen sich semitransparent geben.

Weltzentrum Abgekoppelt von der banalen Wirklichkeit fühlen sich die Bauherren in ihrem Haus, das sie zum „Zentrum ihrer Welt“ erkoren haben. Dafür nehmen sie gerne längere Fahrzeiten zu ihren Arbeitsplätzen in Kauf. Foto: Darko Todorovic
Weltzentrum Abgekoppelt von der banalen Wirklichkeit fühlen sich die Bauherren in ihrem Haus, das sie zum „Zentrum ihrer Welt“ erkoren haben. Dafür nehmen sie gerne längere Fahrzeiten zu ihren Arbeitsplätzen in Kauf. Foto: Darko Todorovic ©Weltzentrum: Abgekoppelt von der banalen Wirklichkeit fühlen sich die Bauherren in ihrem Haus, das sie zum „Zentrum ihrer Welt“ erkoren haben. Dafür nehmen sie gerne längere Fahrzeiten zu ihren Arbeitsplätzen in Kauf. Foto: Darko Todorovic

Jene Teile der Architektur, die die Erde berühren, sind aus Stahlbeton gebaut, alle anderen in nur sieben Monaten aus zum größten Teil vorgefertigten Modulen aus Weißtanne. Die Fassaden genauso wie die Deckenuntersichten, die in die Betonwand schwebend eingespannten Treppenstufen, die Fenster und sämtliche Einbauten. Die Böden sind aus unbehandelter, sägerauer Eiche. Dass es ein Holzhaus werden sollte, war für die Bauherren unverhandelbar. Ist es ihnen doch sehr wichtig, in einem gemütlichen Haus zu wohnen und Holz vermittle für sie dieses Gefühl am besten.

»“Wie ein gutes Essen besteht unser Haus nur aus einfachen, ehrlichen Zutaten.” (Bauherr)«

Betreten wird das Haus seiner Lage am Hang wegen im ersten Geschoß, wo der Carport genauso wie sämtliche „öffentliche“ Bereiche untergebracht sind. Neben einer Garderobe und einem kleinen Gäste-WC im Wesentlichen angelegt als einziger großer Raum, in dem auf knapp 70 Quadratmetern gekocht, gegessen und gewohnt wird. Der hölzerne Küchenblock steht frei in diesem Raum, genauso wie der aus Sichtbeton gebaute, offene Kamin. In den Baukörper südseitig hineingeschnitten ist der überdachte, rund 32 Quadratmeter große, komplett aus Holz gebaute, 16 Meter lange Balkon mit seiner gläsernen Brüstung, der sich zum Innenraum durch raumhoch verglaste Fenster bzw. Türen öffnet.

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2_1 (2) ©Das Eingangsgeschoß besteht praktisch aus einem einzigen großen Raum. Hier wird auf rund 70 Quadratmetern gekocht, gegessen, gewohnt. Foto: Darko Todorovic

Ein Geschoß tiefer befindet sich der halb private Bereich des Hauses. Hier sind die räumlichen Strukturen kleinteiliger, teilweise raffiniert trennbar durch Holzschiebewände. Wie man sich generell hier unten komplett schwellenlos wie im Innern eines hölzernen Möbels zu bewegen glaubt. Dafür sorgen unter anderem auch die flächenbündig eingesetzten Türen, die angenehm indirektes Licht liefernden, mit LEDs bestückten Lichtleisten und die Decken, die mit 45 Millimeter breiten Latten im Abstand von 10 Millimetern belegt sind. Das Badezimmer ist weiß, funktionell und schnörkellos. Hier unten finden sich auch eine Werkstatt, die Waschküche und der Technikraum für das per Erdwärme versorgte Haus. Genauso wie eine Sauna, von der aus sich wie aus allen Räumen durch ihre gläserne Außenhaut Richtung Tal fabelhafte Ausblicke bieten.

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9K1B3981 ©Die Raumstruktur im unteren Geschoß ist viel kleinteiliger als oben. Hangseitig erschlossen durch einen langen schmalen, reizvoll indirekt beleuchteten Gang. Foto: Darko Todorovic

Im Gegensatz zu der Richtung Osten verschobenen Terrasse im ersten Geschoß ist die darunter nach Westen versetzt. Sie ist partiell in den Baukörper hineingeschnitten, teilweise öffnet sie sich frei zur Wiese, wo im Sommer Kühe friedlich grasen. Vor zu viel Sonne werden die Bewohner des Hauses durch Außenrollos geschützt. Das ohne Überstand auf den Baukörper gelegte, sanft geneigte und perfekt gedämmte Satteldach ist mit Kupfer verkleidet. Mit einer innen liegenden Dachrinne schließt es elegant bündig mit der Fassade ab.


Daten und Fakten

Objekt: Haus B in Zwischenwasser

Architekten: Dietrich|Untertrifaller Architekten, Bregenz

Projektleitung: Felix Kruck

Ingenieure/ Fachplaner: Statik: MKP, Dornbirn; Haustechnik: Siegfried Steurer und Installationen/ Energietechnik, Schwarzenberg; Elektro: Schneider, Schwarzenberg; Bauphysik: Bernhard Weithas, Hard

Objektdaten: Grundstücksgröße: 700 m²; Nutzfläche 205 m² (ohne Garage)

Bauweise: Massivbau im Hang, Obergeschoß Holzbau; Außenwände: Holzschalung; Dach: Kupfer; Decken und Innenwände: Weißtanne, weiß gespachtelt; Fenster und Türen: Weißtanne natur; Bodenbeläge: sägeraue Eiche; Heizsystem/Lüftung: Erdwärme mit Tiefenbohrung

Energiekennwert: 35 kWh/m² im Jahr (Heizwärmebedarf)


Quelle: Leben & Wohnen – die Immobilienbeilage der VN

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut

Das vai ist die Plattform für Architektur, Raum und Gestaltung in Vorarlberg. Neben Ausstellungen und Veranstaltungen bietet das vai monatlich öffentliche Führungen zu privaten, kommunalen und gewerblichen Bauten. Mehr unter architektur vorORT auf v-a-i.at

Mit freundlicher Unterstützung durch Arch+Ing

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