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Auslandsgespräche erst nach dem Sommer billiger?

Wien - Österreichs Handykunden werden voraussichtlich erst im nächsten Sommerurlaub von den neuen EU-Limits für Handy-Gespräche im Ausland profitieren.

Nach dem Beschluss der neuen EU-Verordnung haben die großen Handynetzbetreiber A1, T-Mobile und One am Freitag versichert, dass sie ihre Kunden wenn möglich noch vor Fristende umstellen werden. Allerdings verweisen alle drei Betreiber auf technischen Probleme hin, die die Umstellung mit sich bringen soll. Vor Ende August dürfte deshalb kaum ein heimischer Handy-Kunde den neuen EU-Roaming-Tarif erhalten.

Die EU-Staaten hatten am Donnerstag endgültig eine neue Verordnung beschlossen, die für Handy-Telefonate im EU-Ausland eine Preisgrenze von zunächst 59 Cent pro Gesprächsminute und für die Annahme eines Anrufs im EU-Ausland 29 Cent vorsieht. Ab 30. Juni haben die Betreiber demnach ein Monat Zeit, ihren Kunden die neuen Tarife vorzulegen. Nimmt der Kunde danach das Angebot gleich an, muss der Betreiber ihn dann binnen eines weiteren Monats umstellen. Alle übrigen Kunden müssen bis 30. September den neuen EU-Tarif erhalten.

„Wir müssen über 3,6 Mio. Kunden persönlich informieren. Das ist ein wahnsinniger Aufwand“, sagte die Sprecherin der Mobilkom Austria (A1), Elisabeth Mattes, am Freitag auf APA-Anfrage. Die Umstellung werde „schubweise“ erfolgen. „Wer sich früher meldet, erhält früher den Tarif“, erklärte sie. Man werde die Fristen „nicht bis zuletzt ausreizen“. Das sei alleine technisch nicht möglich. Einige Kunden würden sicherlich noch in den heurigen Sommerferien umgestellt.

Beim Konkurrenten T-Mobile/tele.ring kann man sich allerdings kaum vorstellen, dass Kunden in Österreich noch vor Ende August den neuen Tarif erhalten werden. „Es ist kaum vorstellbar, das es früher geht. Eine Umstellung noch im Juli/August ist wahrscheinlich technisch nicht möglich“, sagte T-Mobile-Sprecherin Andrea Karner auf die Frage, ob es womöglich zu einem Wettrennen unter den Betreibern kommen werde. Die Fristen für die Umstellung seien „relativ knapp“ bemessen. „Im Normalfall benötigt man drei Monate, um solche Tarife einzuführen“, sagte Karner.

Die größte Herausforderung sieht man bei T-Mobile in der „Einstellung der neuen Tarife“. Die Verrechnung müsse völlig umgestellt werden. Diese müssten dann auch noch getestet werden, bevor die Kunden umgeschalten werden. Die Information und eigentliche Umstellung hält man bei T-Mobile für weniger problematisch.

Auch One-Sprecherin Petra Jakob verwies auf die technischen Schwierigkeiten. So müsse man etwa auch Wertkarten-Kunden informieren, die teilweise nicht namentlich registrieren seien. Ob ein SMS für die Verständigung ausreiche, sei noch unklar. Kunden, die sich melden, würden mit Ende August auf den Euro-Tarif umgestellt – alle übrigen bis 30. September. „Wir werden versuchen, unsere Kunden so schnell wie möglich in den Genuss der neuen Tarife kommen zu lassen und alle Fristen einhalten“, so Jakob.

Wann die Kunden beim viertgrößten Anbieter “3“ (Hutchison) die neuen EU-Traife erhalten werden, ist noch unklar. Grund dafür seien die noch ausständigen Verhandlungen mit den Roaming-Partnern. Es sei noch unklar, „wann die Roaming-Partner in den jeweiligen Ländern so weit sind“. Sobald die neuen Tarife zwischen den Betreibern fix seien, werde man die Gebühren „sofort an die Kunden weiter geben“, so eine Sprecherin.

SMS informiert künftig über Roaming-Tarife

Nach der neuen EU-Roaming-Richtlinie wird künftig jeder Handy-Kunden bei Grenzübertritt innerhalb der EU über die Tarife im Ausland informiert werden. Mit dem am Vortag erfolgten Beschluss haben die EU-Staaten auch diese entsprechende Verordnungspassage verabschiedet. Via kostenloser SMS-Kurznachricht muss der Kunde demnach künftig „ohne unnötige Verzögerungen“ seine persönlichen Roaming-Tarife erfahren, die ihm für ausgehende oder angenommene Anrufe maximal in dem besuchten EU-Mitgliedstaat berechnet werden.

Unklar ist noch, wie die Mobilfunkbetreiber ihre Kunden über die generelle Tarifumstellung informieren werden. Die Überlegungen der Betreiber reichen von einer SMS-Mitteilung über die neuen EU-Roaming-Tarife, über deutliche Notizen auf der Rechnung, eigene Verständigungsschreiben über die Vertragsänderung bis zur E-Mail-Benachrichtigung.

Aus der Telekom-Regulierungsbehörde RTR hieß es am Freitag auf APA-Anfrage, „dass es keinerlei Formvorschriften gibt, wie Betreiber ihre Kunden allgemein über den Eurotarif zu informieren haben“. Im Verordnungstext heißt es nur, dass die Verständigung über die neuen Tarifbedingungen „deutlich und in neutraler Weise“ erfolgen müsse. Wenn sich der Kunde nicht gleich die Umstellung veranlasst, müssen die Betreiber – bis zur generellen Umstellung Ende September – „in sinnvollen Abständen“ auch noch einen Erinnerungshinweis schicken.

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