Slopestyle: Kotsenburg packt Trickkiste aus - USA holen erstes Olympia-Gold

Slopestyle Herren: Die erste Goldmedaille in Sotschi geht an die USA.
Slopestyle Herren: Die erste Goldmedaille in Sotschi geht an die USA. ©AP
Mit Sage Kotsenburg hat ein Außenseiter die historische Goldmedaille in der Snowboard-Disziplin Slopestyle geholt. Für Österreichs Slopestyle-Herren indes blieb das Olympia-Finale unerreichbar.
Slopestyle in Sotschi

Bei der Olympia-Premiere dieser Snowboard-Disziplin wühlte der 20-jährige US-Amerikaner mächtig in seiner Trickkiste und verwies im Extrem-Park von Rosa Chutor mit 93,50 Punkten die gleichaltrigen Staale Sandbech (NOR/91,75) und Mark McMorris (CAN/88,75) auf die weiteren Ränge.

Besser hätte das Debüt der neuen Sportart im Zeichen der Fünf Ringe nicht laufen können. Herrliches Wetter, kreischende Fans und ein spektakulärer Parcours mit schwierigen Rails (Geländern) und Kickern (Sprünge) erinnerten die durchwegs jungen Protagonisten an ihre Auftritte bei den X-Games, die Kultcharakter haben und die sich kein Freestyler entgehen lassen will.Kotsenburg hatte im Finale bereits alles in den ersten Lauf gelegt, einzigartige Moves an den Rails gezeigt und einen Backside 1620 (viereinhalbfache Drehung) – bewerbsmäßig erstmals, wie er später in der Pressekonferenz erzählte. Dank Schwierigkeitsgrad und sauberer Ausführung bedeutete das am Ende den Titelgewinn. McMorris zeigte einen Backside Triple Cork 1440 (dreifacher Salto mit vier Umdrehungen), bekam aber schwächere Noten.

Unter Freunden spielt es aber bekanntlich keine große Rolle, wer einen Deut besser oder schlechter war. Auch wenn es um Gold geht. “Mit meinen Freunden hier auf dem Podium zu stehen, das ist einfach super. Sage ist super-kreativ gewesen, das hat sich ausgezahlt”, sagte Sandbech, der als Einziger des Trios direkt aus der Qualifikation in das Zwölferfinale gekommen war. Kotsenburg und McMorris hatten sich erst Samstagvormittag für das Finale qualifiziert.

“Das ist großartig und das Verrückteste, das mir je passiert ist”, meinte der langhaarige Kotsenburg, der schnell einmal nachrechnete und draufkam, dass er zuletzt als Elfjähriger wirklich etwas gewonnen hat. “Hierherzukommen und zu gewinnen, das ist so cool. Und mit Freunden auf dem Podium zu stehen, das ist echt krank! Wir lieben einander! Echt”, gestand Kotsenburg, der sich als ganz junger Bursche alte Snowboard-Filme angesehen hat und sich davon inspirieren ließ.

Kurz wurde bei aller Freundschaft schon über die – teils kritisierte – Arbeit der Punkterichter gesprochen, aber Neid kam keiner auf. “Wir sind ja alle Freunde. Ich wünsche doch niemanden was Schlechtes, nur damit ich besser bin”, versicherte Sandbech. “Snowboardfahren, Lachen, Freunde sein, darum geht es uns. Da gibt es keine Geheimnisse oder sonst was.”

Der drittplatzierte McMorris – vor zwei Wochen hatte er sich bei den X-Games eine Rippe gebrochen – gab zu, nach seinem Lauf mit einem besseren Score gerechnet zu haben. “Das Level war allgemein sehr hoch. Aber ich bin mit mir zufrieden. Der Rest liegt sowieso bei den Punkterichtern.” In seinen Händen liegt aber anscheinend der Verlauf des weiteren Tages. “Ich würde ja gerne schlafen gehen. Aber ich weiß nicht, was Mark noch geplant hat”, sagte Olympiasieger Kotsenburg.

Slopestyle: Medaillengewinner in Sotschi vom Samstag:
1. Gold: Sage Kotsenburg (USA)
2. Silber: Staale Sandbech (NOR)
3. Bronze: Mark McMorris (CAN)
4. Sven Thorgren (SWE) 87,50
5. Maxence Parrot (CAN) 87,25
6. Jamie Nicholls (GBR) 85,50
7. Peetu Piiroinen (FIN) 81,25
8. Yuki Kadono (JPN) 75,75
9. Sebastien Toutant (CAN) 58,50
10. Billy Morgan (GBR) 39,75.

Weiter (im Halbfinale out):
25. Clemens Schattschneider (AUT)29,50
26. Mathias Weißenbacher (AUT) 28,50.

Nicht zum Halbfinale angetreten: 29. Adrian Krainer (AUT)

Aus für Österreichs Slopestyle-Herren

Auch wenn das Olympia-Finale für Österreichs Snowboard-Slopestyler auf dem mächtigen Parcours von Rosa Chutor unerreichbar war – Clemens Schattschneider, Mathias Weißenbacher und Adrian Krainer mobilisieren am Sonntag trotzdem nochmals alle Kräfte. Das Trio drückt Teamkollegin Anna Gasser die Daumen, die bei der Premiere dieser Disziplin im Zeichen der Fünf Ringe die Medaille heimholen soll.

Clemens Schattschneider hatte nach dem nur um 1,25 Punkte verpassten direkten Finaleinzug gehofft, sich am Samstag im Semifinale noch in die Entscheidung zu tricksen. “Im ersten Run habe ich einen Speedcheck (Bremser/Anm.) zu viel gemacht, dann war ich zu langsam. Im zweiten Run war ich beim Uprail zu weit rechts, da war ich einfach unkonzentriert. Ich habe mich wahrscheinlich schon mehr auf die Kicker konzentriert, deshalb sind die Rails in die Hosen gegangen”, sagte der Niederösterreicher Schattschneider, der als 17. des Halbfinales mit nur 29,50 Punkten ausschied.

In der Qualifikation war Schattschneider in einer hochklassigen Gruppe gewesen, war Sechster geworden und gesamt Achter, jedoch stiegen nur die Top-4 aus jedem Heat auf. “Es ist, wie es ist. Es wäre halt wichtig gewesen, direkt ins Finale zu fahren. Heute früh mit dem Schatten war es nicht leicht. Es hat Spaß gemacht und ich wäre gerne noch einmal gesprungen”, sagte der 22-Jährige.

Weißenbacher hingegen war die ganze Woche schon mit dem Parcours nicht richtig zurecht gekommen, er wurde mit 28,50 Punkten 18. “Es hat sich schon in der Qualifikation gezeigt, dass das es nicht so ganz meins ist. Ich bin nicht auf Hochtouren gekommen, als heute vor dem Bewerb Trainingsbeginn war, war es noch dunkel. Da ist es nicht so lustig zu fahren, der Kurs ist so schon schwierig genug”, sagte der Salzburger, der die Olympiateilnahme trotzdem “cool” fand.

Auch Schattschneider will das Positive mitnehmen. “Es waren die ersten Spiele für mich und eine super Erfahrung, die ich machen durfte. Auch wenn es mich jetzt gescheit anzipft, weil ich weiß, dass ich das Potenzial habe, da vorne mitzufahren.” Am Samstag nicht am Start war der Dritte im Bunde, Adrian Krainer. Der Kärntner hatte sich im Training am Freitag eine tiefe Rissquetschwunde am Kinn und auch schmerzhafte Prellungen an beiden Fersenbeinen zugezogen.

“Anna holt die Medaille heim!”

“Ich bin froh, dass nicht mehr passiert ist. Morgen werden wir Adrian mit dem Rollstuhl in den Zielbereich holen”, sagte ÖSV-Trainer Stefan Cerwenka. Denn am Sonntag (10.15 Uhr MEZ) kämpf Gasser um eine Medaille, und da wollen alle dabei sein. “Die Anna holt uns die Medaille heim. Ich habe sie fahren gesehen und weiß, was sie kann. Wenn sie konzentriert ist und den Run steht, ist sie vorne mit dabei”, glaubt Schattschneider fest an die Kärntnerin. “Die Anna wird das schon machen”, ist Weißenbacher überzeugt.

Von seinen Herren hätte sich Cerwenka mehr erwartet, aber sie auch von sich selbst, wie er erwähnte. “Mathias hatte die ganze Woche Probleme, das war heute an der Körpersprache zu sehen. Bei Clemens war ich sicher, dass er das macht, aber bei einem Fehler stehst halt am Ende des Feldes.” Es sei nicht leicht mit der tief stehenden Sonne gewesen, das sei ein Fehler in der Organisation, dass es keinen Testevent gab. “Aber man muss fair blieben. Es sitzen alle im selben Boot.”

Die Qualifikation seines gesamten Weltcupteams für Olympia sei ein Erfolg gewesen und nun wisse man, wo man ansetzen müsse. “Die Jungs haben das vorgeführt bekommen. Wir wissen, wo wir für die nächsten vier Jahre die Schrauben anziehen müssen”, sagte Cerwenka. (APA/red)

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