"Auftrag ist ein heilender"

Feldkirch - Alexander Becherer ist an Strahlen gewöhnt. Seit über zehn Jahren gehören sie zu seinem beruflichen Leben. Deshalb fürchtet sich der Nuklearmediziner auch nicht mehr allzu sehr vor den Folgen atomarer Zwischenfälle.

Die Angst der Menschen kann er trotzdem nachvollziehen. „Strahlen sind unsichtbar – und das verbreitet Schrecken“, weiß der gebürtige Wiener, der seit 2006 die Abteilung für Nuklearmedizin im LKH Feldkirch leitet. Die Übersiedlung vom Osten in den Westen fiel dem smarten Mediziner nicht schwer. „Ich nützte die realistische Chance, eine der schönsten Abteilungen zu bekommen“, sagt er unbefangen.

 
 
Besondere Medizin

Mittlerweile hat sich der sportbegeisterte Primar gut eingelebt. „Die Nuklearmedizin in Feldkirch istein toller Arbeitsplatz“, schwärmt er von seinen Mitarbeitern und der Infrastruktur. Medizin studierte er, weil „ich immer schon neugierig war“. Allerdings wollte Becherer ursprünglich Internist werden. „Die Nuklearmedizin als eigenes Fach gab es damals noch nicht“, erklärt er.

Ihre Basis war die Innere Medizin. Doch im Zuge der Ausbildung lernte der junge Arzt die Nuklearmedizin „mehr und mehr lieben“. Deren Faszination fasst er in einem Satz zusammen: „Man muss viel über Krankheitsmechanismen wissen, um die Bilder, die wir mithilfe radioaktiver Materialien produzieren, zu verstehen.“ Als bessere Ärzte sieht Alexander Becherer die Nuklearmediziner deshalb nicht. Es sei nur eine besondere Art der Medizin. Denn: „Wir machen nicht kranke Organe, sondern eben Krankheitsmechanismen sichtbar.“

 

Schwerpunkt: Krebs-Diagnostik

Tumorzellen beispielsweise sind Naschkatzen. Aus diesem Grund wird zur Diagnose radioaktiv versetzter Zucker verwendet. „Da beißen sie an“, erzählt der 49-Jährige von spannenden Momenten, die wiederum vieles erleichtern. Die Diagnose, eine mögliche Operation. Überhaupt die gesamte Therapieentscheidung. Seine medizinischen Schwerpunkte sind die Krebs-Diagnostik, die Schilddrüsen-Behandlung sowie die Behandlung von entzündlichen Gelenkserkrankungen mittels Injektionen von geringen Radioaktivitätsmengen in die Gelenke. Auch das Management eines nuklearen Unfalls würde ihm zufallen.

Er hofft, dass es nie so weit kommt. „Unser Auftragisteinheilender.“ Dass er und seine etwa 30 Mitarbeiter dabei selbst strahlenden Substanzen ausgesetzt sind, tut für ihn persönlich wenig zur Sache. „Wir wissen schon, in welchen Bereichen wir arbeiten“, beruhigt er. Doch weil Vorsicht gut, Kontrolle aber besser ist, tragen alle in der Abteilung einen sogenannten Dosimeter, der die Strahlenexposition aufzeichnet. Zudem wird alle zwei Wochen die Strahlung der Schilddrüse gemessen.

 
Informationen vermitteln

Alexander Becherer liebt seinen Beruf. Das merkt man ihm an. Und er versucht, ihn auch den Patienten verständlich zu machen. „Mir ist wichtig, dass sie sich immer in die Behandlung mit eingebunden fühlen und jene Information erhalten, die für sie und ihre Entscheidungen wichtig sind“, betont er. Denn eines sollen sie vor der Nuklearmedizin nicht haben: Angst. Weil Angst immer ein schlechter Ratgeber ist.

Zur Person
Dr. AlexanderBecherer
Geboren: 1. Dezember 1961 in Wien
Wohnort: Feldkirch
Laufbahn: Studium in Wien, Promotion 1989, ärztliche Ausbildung in oberösterreichischen Landeskrankenhäusern und im AKH Wien, FA für Innere Medizin 1996, FA für Nuklearmedizin 1998, über 50 wissenschaftliche Publikationen, Habilitation 2004, 3 x Mallinckrodt-Preis der Österreichischen Gesellschaft für Nuklearmedizin, stellvertretender Strahlenschutzbeauftragter im LKH Feldkirch
Hobbys: Lesen, Musik, Fotografieren, Skitouren, Alpinskilauf, Mountain­biken, Wandern, Jagen
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