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Auf Premiumwegen in Oberbayern

In den Chiemgauer Alpen wurden rechtzeitig zum goldenen Herbst zwei zertifizierte Wanderwege eröffnet.
Auf Premiumwegen in Oberbayern

Premium- Wanderwege mit ihren Qualitätsmerkmalen rücken nach ihren Anfängen in den deutschen Mittelgebirgen nach Süden und setzen nun auch in den Alpen Maßstäbe. Oberbayern hat inzwischen auch zwei solche Routen erstellt und zertifizieren lassen! In Reit im Winkl in den Chiemgauer Alpen.

Premiumwege im Chiemgau

Eigentlich hatte man in der Region schon gewisse Erfahrungen gesammelt, allerdings nur mit Winterwegen. Die Sommerwege stellen nun ganz andere Anforderungen an Planung, Gestaltung und Realisierung. Mitten in der Natur und durch schönste Berglandschaften soll auf ihnen ein sicheres sowie abwechslungsreiches Wandern gegeben sein. Dafür gibt es Punkte: Je näher man an die höchstmöglich zu erreichende 100 herankommt, umso erfolgreicher, beliebter ist der Weg natürlich bei den Wanderern. Reit im Winkl, ein schmuckes Bergdorf in den Chiemgauer Alpen, hat auf Eigeninitiative gesetzt und ist als Weggestalter vorgeprescht. Die Bemühungen und der Einsatz wurden mit Höchstnoten belohnt, beide Premiumwege rückten an die Spitzenposition in ihren Gruppen. Im September fand die Übergabe statt. Jeweils mit einer Urkunde bestätigt das Deutsche Wanderinstitut die Premiumwege – die damit offiziell „in vollem Einklang mit Natur und Berglandschaft“ stehen. Nun sind die Wanderer dran, die Wege anzunehmen und damit deren Gestaltung zu honorieren. Und ein Blick über die Grenze kann sich durchaus lohnen.

Ursprüngliches Bergerlebnis

Nicht zuletzt, um das „versprochene“ ursprüngliche Bergerlebnis zu erleben. Beide Wanderwege sind unterschiedlich in Länge, Verlauf und Schwierigkeitsgrad. Der leichtere „Almgenuss“ führt sanft zu einigen Almen. Dagegen ist der „Gletscherblick“ ein alpiner Premiumweg und hält bei allen Aspekten eine Steigerung parat. Natürlich ebenfalls durch eine wunderbare Natur führend, durchkreuzt er in seinem Verlauf gleich drei Vegetationszonen und bringt den Wanderer in aussichtsreiche Höhen, die seinem Namen gerecht werden. Bereits von der Durchkaseralm zieht der Blick frei in die Ferne zu den Zentralalpen, bis zu den Gletschern des Großglockners und des Großvenedigers.
Wir lassen uns überraschen und starten mit dem regelmäßig verkehrenden Kleinbus im Ort zur Hindenburghütte. Bereits hier reicht der Blick hinunter ins Land bis zum Chiemsee. Anfangs geht es auf dem asphaltierten Fahrweg über die Hemmersuppenalm zum Startpunkt. Wegweiser und Infotafel halten uns vor Augen, dass wenn wir jetzt den linken Weg einschlagen, werden wir später von rechts kommend die Rundtour schließen. An der Anna-Kapelle und gleich darauf an den Kaseralmen vorbei überrascht der schon erwartete Übergang in einen wunderbaren Wanderpfad.

Gletscherblick über die Grenze

Durch schattigen Mischwald gelangt man zum Pflegereck Forstdiensthaus, lässt dies rechts des Weges liegen und gelangt in die höheren Lagen, wo Lärchen und Buchen wachsen. Anschließend nach deren oberen Baumgrenze beschreitet man die alpine Landschaft – jetzt schon auf Tiroler Boden. Umgeben von niedrigen Latschen erstrecken sich ausgedehnte Bergwiesen, die Hochalmweiden der Durchkaseralm. Hier stärken wir uns mit einer Bergbrotzeit und genießen die herrliche Fernsicht auf die zahlreichen Alpengipfeln. Nun weiter durch alpines Gelände, meist von Latschenkiefern flankiert, geht es immer noch bergauf. Der Pfad mausert sich zu einem Höhenweg mit prächtigen Aussichten und erreicht schließlich die Eggenalm mit dem Straubinger Haus. Eine Einkehr in der DAV-Hütte ist mehr als willkommen, Kaffee und Kuchen oder auch Radler hat man sich schließlich schweißtreibend erwandert. Dafür geht es von nun nur noch bergab – es wird aber keineswegs langweilig.

Verdiente Pause auf der Bank

Der Pfad begleitet einen Bach, danach erreicht man eine idyllische Stelle, wo zu Recht eine Ruhebank installiert wurde. Folgend wird wieder die Schneise mit dem Grenzverlauf passiert und bayerischer Boden betreten. Den unteren Teil vom Schaarwandwald verlassen wir und erreichen – an der Sulzner- Kaser vorbei – den Start-/ Endpunkt des Premiumwegs. Jetzt wieder zurück zur Hindenburghütte und mit dem Bus runter in den Ort – eine Premium-, zumindest aber eine prima Wandertour!

„Gletscherblick“ in den Alpen des Chiemgaus

Der Gletscherblick ist eine gut gelungene Rundtour, die bei einer Länge von knapp 13 Kilometern einen Höhenunterschied von 520 Metern aufweist und etwa fünf Stunden Gehzeit beansprucht. Die zwei Premiumwege in den Chiemgauer Alpen können natürlich auch geführt unternommen werden – für Besitzer der „Reit im Winkl inklusiv-Card“ sogar kostenlos.

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Qualitätskriterien hat das Deutsche Wanderinstitut festgelegt, die befolgt und erfüllt sein müssen. Anhand deren Erfüllungsgrades wird der Wanderweg mit möglichst vielen Punkten bewertet. Ab einer bestimmten Punkteanzahl wird das Qualitätssiegel für das Prädikat „Premium“ vergeben.

Neues Siegel für die „alten“ Wanderrouten

Die Idee der Premiumwege: Durch die neue Weggestaltung und Publikmachung bleiben diese besonderen Touren nicht mehr Einheimischen und Insidern vorbehalten. Auch Touristen können auf die Einstufung vertrauen. Ist man bereits auf Premiumwegen gewandert, so kann man anhand der Punktezahl schon vorab die Anforderungen entsprechend einordnen.

Ein Moor-Erlebnispfad in den Chiemgauer Mooren

Ruhig, wissenswert und spannend zugleich erlebt man den 5,3 Kilometer langen Rundweg (1,5 bis 2 Stunden) in der Inzeller Moorlandschaft. Der Moor-Erlebnis- Pfad (eröffnet August 2011) bringt im ersten Abschnitt mit einigen Schautafeln eine „Zeitreise“ über die Entstehung und Nutzung der Moore (hier auch Filze genannt), um danach eine wirklich schöne und kurzweilige „Moorexpedition“ zu durchwandern. Wie entstanden die Moore, wieso wurden sie früher für „nutzlos“ gehalten, wie regulieren sie den Wasserhaushalt der Umgebung, welchen Lebensraum bilden sie. Am spannendsten bleiben die Sachen mit den fleischfressenden Pflanzen – und das Selbsthantieren beim kleinen Torfabbau.

Ausprobieren und Erleben

Viele Stationen zum Ausprobieren und Erleben – die Entdeckungsreise kann in Eigenregie oder mit professioneller Führung unternommen werden. Der Startpunkt liegt im Ortsteil Schwarzberg an der B306.

Der kälteste See Deutschlands am Fuße des Zwiesel

Ausgehend von der Ausflugsgaststätte Forsthaus Adlgaß erreicht man durch einen schönen Mischwald in etwa 45 Minuten den Frillensee. Er gilt als der kälteste See Deutschlands, obwohl er nur maximal 7,5 Meter tief ist, bei einem geringen Umfang von nicht mal einem Kilometer. Und er wartet mit der Besonderheit auf, dass er bei Kälte, statt wie üblich vom Ufer beginnend, von der Mitte her zufriert. Ruhig liegt er am Fuße des Zwiesel, inmitten des Landschaftsschutzgebiets, im Wasser spiegelt sich der Gipfel des Staufen. Der Erlebnispfad rund um den See führt an vielen Erlebnis- und Info- Stationen vorbei. Auf dieser Tour sollte man unbedingt auch über den Steg spazieren, der den See im Übergangsbereich zu Mooren quert.

REISEINFOS

Allgemeine Infos: Tourist-Info Reit im Winkl, Dorfstraße 38, 83242 Reit im Winkl, Tel. +49 8640 8002, Internet www.reitimwinkl.de. Inzeller Touristik GmbH, Rathausplatz 5, 83334 Inzell, Tel. +49 8665 98850, www.inzell.de. Chiemgau Tourismus e.V., Leonrodstraße 7, 83278 Traunstein, Tel. +49 861 909590-0, www.chiemgautourismus.de.
Tipps zu Essen und Trinken: Straubinger Haus, Tel. +43 5375 6429, www.straubingerhaus.de; Alpengasthof Hindenburghütte, Tel. +49.8640.8425 oder 1763, www.hindenburghuette.de; Gaststätte Forsthaus Adlgaß, Adlgaß 1, 83334 Inzell, Tel. +49 8665 483, www.forsthaus-adlgass.de.
Info zum Wandersiegel: Deutsches Wanderinstitut e.V., Bergblick 3, 35043 Marburg, Tel. +49 2776 9130200, www.wanderinstitut.de.

(VN)

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