Auf einer Linie stehen

Bregenz (VN) - Monika Lindermayr setzt sich als Leiterin des Frauenreferats für Gleichstellung ein.

Dass Mädchen und Buben nicht überall gleich behandelt werden, das war Monika Lindermayr schon früh klar. „Als ich noch ein kleines Kind war, hat mein Großvater den Jungen immer Golddukaten geschenkt. Die Mädchen haben Silbertaler bekommen“, erzählt sie. Die Wertigkeit dahinter habe sie aber erst später begriffen. Lindermayr, die ursprünglich aus Krems kommt, leitet seit über zehn Jahren das Vorarlberger Frauenreferat und setzt sich dort für Gleichstellung ein.

„Der Frauentag ist für mich immer ein Anlass zurückzuschauen und sich zu erinnern, was erreicht wurde. Aber auch daran zu denken, was kommt. Man muss am Thema dranbleiben und das Erkämpfte absichern“, sagt die 54-Jährige. Wie es um die Gleichstellung im Lande steht? „Die Richtung stimmt. Es bewegt sich dorthin, wo wir hinwollen. Aber die Geschwindigkeit ist langsam.“

 
 
„Ich war eine Rabenmutter“

Verändert habe sich dennoch sehr viel. „Etwa in der Kinderbetreuung. Natürlich gibt es auch dort noch Potential, aber es hat sich sehr viel getan“, erinnert sich Linder­mayr auch an ihre eigene Vergangenheit. Ihre Tochter ist heute 27 Jahre alt. Als sie zehn Monate alt war, ging die Mutter zurück in ihren gelernten Beruf als Sozialpädagogin. „Ich war eine Rabenmutter“, sagt sie mit leicht ironischem Unterton. „Meiner Meinung nach kommt es eher auf die Qualität der Zeit an, die man mit seinen Kindern verbringt. Eine verbitterte Mutter, die ihre beruflichen Ziele für die Familie aufgegeben hat, bringt ihnen schlussendlich auch nicht mehr.“

Veränderungen zeigen sich aber auch an der jungen Generation an Mädchen, die ihren männlichen Kollegen sowohl bei der Anzahl als auch der Qualität der schulischen Abschlüsse überlegen ist. Die Nagelprobe komme aber erst. „Jetzt wird sich zeigen, wie junge Frauen in der Wirtschaft Fuß fassen.“ Gerade in der geschlechtsspezifischen Berufswahl sei noch einiges zu tun. Denn von den angeblich wissenschaftlichen Studien, nach denen Frauen eben genetisch bedingt sozial kompetenter und Männer technisch versierter sind, hält sie nicht viel. „Wir sind ja keine Autisten. Es hängt viel mit unserer Sozialisation zusammen und damit, welche Vorbilder wir haben.“

Frauensituationsbericht

Diskriminierungen hat sie auch in jüngster Zeit noch oft genug erlebt. Immer wieder werde mit den Augen gerollt und darauf verwiesen, dass doch wirklich schon genug getan wurde für die Frauen. Dann schlägt sie gerne den Frauensituationsbericht auf und verweist auf aktuelle Zahlen, etwa auf die Höhe der Gehälter, die in Vorarlberg besonders weit auseinanderklaffen. „Die Statistiken sind wichtig, weil wir gute Argumente schwarz auf weiß haben“, weißt Lindermayr ihr Zahlenmaterial zu schätzen. Wieso sie ihr Leben der Frauenarbeit verschrieben hat? Besonders zu denken gab ihr ein Redewettbewerb.

Lindermayr war in der siebten Klasse, im Jahr 1973. „Das Thema war Gleichberechtigung. Damals war die rechtliche Lage für Frauen verheerend und schrecklich. Ein Schüler aus der Parallelklasse sagte: ‚Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau.‘ Er hat gewonnen. Das hat mir schwer zu denken gegeben, ich war extrem wütend“, erinnert sie sich. „Leider hört man diesen Spruch heute immer noch.“ Aber er regt sie auch heute immer noch auf. „Wir wollen ja nicht vor den Männern stehen, sondern gemeinsam aufeinerLinie

 

Zur Person

Monika Lindermayr Leiterin des Vorarlberger Frauen­referats
Geboren: 18.9.1956
Ausbildung: Sozialpädagogin
Familie: verheiratet, eine Tochter (27)
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