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Auch ATX tiefrot - Experte: "kein Crash"

US-Börsenbeben schwappt auch auf Europa über.
US-Börsenbeben schwappt auch auf Europa über. ©AP
Nach dem Börsenbeben in den USA startete auch der ATX mit 5,4 Prozent tiefrot. Ein Experte warnt indes davor, angesichts des Kurseinbruchs in den USA von einem "Crash" zu sprechen.

“Beim gestrigen Absturz der New Yorker Börse um 4,60 Prozent von einem Crash zu sprechen ist übertrieben, wenn vorher der Börsenindex Dow Jones 40 Prozent nach oben rennt”, so RBI-Chefanalyst Peter Brezinschek am Dienstag zur APA. “Das ist einfach eine notwendige Korrektur”, so auch Friedrich Mostböck, Chefanalysten der Erste Group. “Es könnte jetzt schon noch eine Zeit lang nach unten gehen.”

“Korrekturphasen, keine Abwärtstrends”

“Die höchsten Tagesverluste sind in Korrekturphasen, nicht bei Abwärtstrends”, so Brezinschek. Er will lieber vom “Beginn einer volatilen Seitwärtsbewegung” sprechen. “Noch muss man nicht die Alarmglocken läuten, dass man sich am Aktienmarkt warm anziehen muss.” Die entscheidende Frage stelle sich am Rentenmarkt. Dort sieht Brezinschek eher eine Crash-Gefahr. “Dort findet eine signifikante Korrektur statt”. Sollten die zehnjährigen US-Renditen die 3-Prozent-Marke nach oben knacken, müsste man sich auf eine längere Korrekturphase einstellen. “Jetzt kommt die Normalisierung auf der Zinsseite, die Normalisierung auf den Aktienmärkten folgt”, so Brezinschek.

Auch Mostböck sieht die Hauptursache für die Kurseinbrüche in der in den USA bevorstehenden Zinswende. Diese Zinswende komme nicht von ungefähr, sondern sei eine Kombination aus dem erreichten Vollbeschäftigungsziel und beginnender Lohnwachstumssteigerung, was zu Inflationsraten von über 2 Prozent in diesem und im kommenden Jahr führen könnte, so Brezinschek. Jetzt dürfte es in den USA in diesem Jahr statt drei vier Zinserhöhungen geben.

Kein Bärenmarkt

Auf dem Börsenparkett sieht Brezinschek noch keinen Bärenmarkt heranziehen. Davon könne man erst bei Einbrüchen von 20 oder mehr Prozent sprechen, wie etwa 1987: “Das war ein Crash, mit minus 23 Prozent!”. Kurseinbrüche von 10 bis 15 Prozent werde man in diesem Jahr aber wohl öfter sehen. Auch Mostböck rechnet schon länger für heuer mit höheren Volatilitäten. Genau das sei jetzt passiert. “Noch ist kein Boden gefunden, es kann schon noch eine Zeit lang nach unten gehen”, meint Mostböck. Von einem Einstiegsniveau würde er daher noch nicht sprechen. Anleger sollten erst abwarten, bis sich das Niveau wieder halbwegs stabilisiert habe.

Günstiger schätzt Mostböck die Aktienmarktentwicklung in Europa ein. Europa habe einen anderen Konjunktur- und Zinszyklus, die Unternehmensbewertungen seien weniger hoch als in den USA. “Europa sollte sich relativ eigentlich besser entwickeln und in Summe gesehen weniger verlieren”, so Mostböck. In Europa sei auch noch die lockere Geldpolitik relevant, die in den USA schon vorbei sei. Insgesamt sei das aber schwer einzuschätzen, weil die USA eine Leitfunktion hätten.

Kursminus in Europa “eigentlich Paradox”

Dass Europa bei der Korrektur mitmache, sei eigentlich paradox, meint Brezinschek, weil Europa die letzte Aufwärtsentwicklung nicht mitgemacht habe. Europa sei vergleichsweise bei den Unternehmensbewertungen und Konjunkturzyklus in einer besseren Balance.

Nach dem kontinuierlichen Anstieg seit Mitte 2016 erwartet Brezinschek für den US-Aktienmarkt heuer eine “breite Seitwärtsbewegung” mit starken Kursschwankungen. “Einen Abwärtstrend halte ich für wenig wahrscheinlich, weil die Wirtschaftsindikatoren nach wie vor auf eine markante Aufwärtsbewegung hindeuten”, so Brezinschek. Gewinnwachstum und Gewinnmoment hätten noch nicht den Gipfel erreicht, auch aufgrund der US-Steuerreform. Das seien noch keine Zutaten, die einen Bärenmarkt auslösten. Eine schwächere Konjunkturdynamik werde es frühestens 2019 geben.

Ein langfristiger Abwärtstrend zeichnet sich laut Brezinschek dadurch aus, das es stetige kleinere Kursverluste gebe und dann bei Anlegern Ernüchterung und Enttäuschung eintritt: “Jetzt schmeiß’ ich meine Aktien auf den Markt.”

Wie geht es mit den Börsen weiter?

Über den weiteren Börsenverlauf in diesem Jahr werden im April die ersten Quartalsergebnisse Aufschluss geben, meint Brezinschek. “Es kommt schon auf das Gewinnwachstum in den ersten Monaten an.”

“Es ist gut, wenn zittrige Hände raus gehen”, kommentierte Brezinschek das heutige Startminus von 5,4 Prozent beim ATX der Wiener Börse. Es sei gut, wenn Trendfolgeprogramme sich aus dem Markt verabschieden. Den nicht Aktien affinen Österreichern rät der RBI-Chefanalyst, sich wieder langsam dem Thema Aktien zu widmen. Auf zehnjährigen Anlagehorizont würden sich vielleicht wieder Chancen bieten. “Jetzt ist es noch zu früh, dazu sollte man sich Zeit nehmen”, so Brezinschek.

(APA/Red.)

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