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Atomunglück: Schlimmste Katastrophe aller Zeiten

Mehrere hundert Menschen haben am Samstag in der russischen Stadt Tscheljabinsk im Ural an eine Atomkatastrophe vor genau 50 Jahren in einer nahegelegenen Nuklearanlage erinnert. Bilder auf Greenpeaceseite | Video im Anhang

In der seinerzeitigen sowjetischen Atomwaffenfabrik Majak war es am 29. September 1957 in einem Lager für Atommüll zu einer schweren Explosion gekommen, in deren Folge eine Fläche von 23.000 Quadratkilometern kontaminiert wurde. 10.000 Bewohner benachbarter Regionen mussten damals ihre Häuser verlassen. Einige Details der Katastrophe wurden erst 1989 im Zuge der Politik der Offenheit (Glasnost) des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow öffentlich gemacht.

Die Folgen für die örtliche Bevölkerung sind aber bis heute noch weitgehend unbekannt. Sie sind auch deshalb schwer zu ermitteln, weil danach weitere Unfälle, Lecks und die planmäßige Einleitung radioaktiver Abfälle aus Majak in den Fluss Tetscha hinzukamen. Die Tumorraten bei einigen hundert Menschen in zwei Ortschaften am Rande des evakuierten Gebiets sind nach Angaben von Greenpeace Russland fünf Mal höher als im Durchschnitt. Die Zahl der Krebstoten soll unter den Anwohnern des verseuchten Flusses Tetscha, der in der Nähe der Anlage fließt, deutlich höher als normalerweise sein. Wie nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in der Ukraine 1986 wurden auch 1957 nach der Explosion in Majak junge Männer, darunter Soldaten und Studenten, zu Reinigungsarbeiten in das Unglücksgebiet geschickt und radioaktiver Strahlung ausgesetzt.

Majak ist heute die größte russische Wiederaufarbeitungsanlage. Die in Tscheljabinsk zusammengekommenen Umweltaktivisten forderten bei einer Demonstration die Einstellung des Betriebs in der Anlage, wie Greenpeace Russland auf seiner Website mitteilte. Im vergangenen Jahr hatte sich auch der Umweltausschuss des russischen Parlaments für eine Schrittweise Schließung der Wiederaufbereitungsanlage im Ural ausgesprochen.


Der britische Rapper Example hat das Video seines Songs What we made in der Region um Tschernobyl gedreht. Mit Blick auf leere Hütten und Gasmasken für Babys meint er: “”Niemand, der das gesehen hat, kann noch für Atomkraft sein.””

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