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Atom-Inspektoren im Iran angekommen

Vier Experten der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO / IAEA) sind in der Nacht zum Sonntag im Iran angekommen, um dort die erst kürzlich entdeckte umstrittene zweite Anlage zur Urananreicherung im Ort Fordo bei Qom (Ghom) zu inspizieren.
Inspektoren sind angekommen

Diplomaten vermuteten, dass noch keine technischen Geräte in dem unterirdischen Werk aufgebaut sind. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Mehr wollen die vom IAEO-Sitz in Wien angereisten Atomexperten drei Tage in der Atomanlage bleiben. Sie liegt rund 100 Kilometer südlicher der Hauptstadt Teheran.

Die IAEO-Mission findet vor einer neuen Runde der Genfer Gespräche zur Beilegung des Atomstreits mit dem Iran statt, die kommende Woche stattfinden soll. Iranische Unterhändler werden in Genf mit Vertretern der fünf UNO-Vetomächte und Deutschlands zusammentreffen.

US-Präsident Barack Obama stimmte sich im Streit um das iranische Atomprogramm am Samstag in Telefonaten mit der Führung Frankreichs und Russlands eng ab. Bei Gesprächen mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und Kremlchef Dmitri Medwedew hätten alle Seiten ihre Unterstützung für einen internationalen Kompromissvorschlag zur iranischen Urananreicherung bekräftigt, teilte das Weiße Haus am Samstag mit.

Die Umsetzung des Vorschlags müsse so rasch wie möglich beginnen, laute die einhellige Forderung. Medwedew und Obama hätten die Notwendigkeit einer gemeinsamen Haltung mit Blick auf den Iran betont, während der US-Präsident und Sarkozy in ihrem Gespräch ihre Übereinstimmung bekräftigt hätten, hieß es weiter.

Bei dem Kompromissvorschlag geht es um eine kontrollierte Anreicherung eines Großteils des iranischen Uran in Russland, das der Iran für einen Reaktor für medizinische Zwecke braucht. Die Weltgemeinschaft befürchtet, dass der Iran heimlich den Bau der Atombombe anstrebt, was Teheran bestreitet. Eine Einigung zur begrenzten Urananreicherung im Ausland wäre daher ein wichtiger vertrauensbildender Schritt und könnte die seit Jahren verfahrenen Atomverhandlungen wieder in Gang bringen.

Hohe iranische Politiker kritisierten am Samstag den IAEO-Vorschlag zur Urananreicherung im Ausland. “Die Westler wollen uns in eine Richtung drängen, um uns zu täuschen und uns Dinge aufzudrücken”, sagte Parlamentspräsident Ali Larijani. Er kritisierte, dass Teheran sein bereits angereichertes Uran abgeben müsste. Der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses im Parlament, Allaeddin Borudjerdi, forderte, zusätzliches Uran vom Ausland zu kaufen statt eigenes zur Anreicherung dorthin zu bringen.

Der iranische IAEO-Botschafter Ali Asghar Soltanieh hatte sich zuvor zurückhaltender geäußert. Er kündigte am Freitag an, kommende Woche eine Antwort auf das IAEO-Angebot präsentieren zu wollen. Der Iran müsse zunächst noch die verschiedenen Dimensionen der Vereinbarung bewerten. IAEO-Chef Mohamed ElBaradei bekräftigte am Freitag seine Hoffnung auf eine positive Antwort, die eine neue Ära der Kooperation einläuten würde.

ElBaradei hatte am Mittwoch einen Vertragsentwurf vorgelegt, in dem Teheran aufgefordert wird, bis zum Jahresende 1.200 seiner 1.500 Kilogramm leicht angereicherten Urans an Russland zu liefern. Dort soll es auf 19,75 Prozent angereichert werden. Damit soll verhindert werden, dass der Iran selbst das Uran anreichert. Der fertige – für Atombomben nicht hoch genug angereicherte – Brennstoff soll Ende 2010 wieder in Teheran sein.

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