"Atom-Ausstieg ist möglich"

Scharzach/Dornbirn/VN - Der Übergangszeitraum erfordert bei großer Anstrengung 20 Jahre, meint Adolf Gross, Geschäftsführer des Vorarlberger Energieinstituts, im VN-Interview.
VN: Zumindest in Mitteleuropa zeichnet sich der Einstieg in den Atom-Ausstieg ab. Wie kann die Energieversorgung ohne AKW gesichert werden?

Adolf Gross: Wir können den Energiebedarf definitiv nicht decken, wenn es uns nicht gelingt, wesentlich effizienter zu werden. In Deutschland wurde die erneuerbare Energie massiv ausgebaut; doch damit ist es gerade einmal gelungen, den Mehrverbrauch zu decken. In Vorarlberg schätzen wir, dass es relativ gut möglichist, die Gesamterzeugung erneuerbarer Energie bis 2050 um 50 Prozent zu erhöhen. Den größten Beitrag dazu wird die Wasserkraft leisten. Dann kommen Solarthermie, Wärmepumpen, Biomasse und natürlich Fotovoltaik.

VN: Technisch wäre es also möglich, den Energiebedarf ohne Atomstrom zu decken.

Gross: Natürlich ist das möglich, ganz klar. Das zeigen zahlreiche Studien, österreichische, deutsche. Und auch die EU hat bereits eine Analyse dazu gemacht.

VN: Die Umstellung braucht aber Zeit. Leider ist es nicht möglich, schon heute alle Atomkraftwerke vom Netz nehmen. Auf wie lange schätzen Sie den Übergangszeitraum?

Gross: Wenn man sich anstrengt, kann es relativ schnell gehen. Ich denke, dass man in Europa in 20 Jahren so weit sein könnte. Bei uns kann man schon in etwa 15 Jahren den Strom vollständig aus erneuerbarer Energie herstellen. Aber dazu müssen wir uns schon sehr anstrengen.

VN: Das ist wohl eine Frage des politischen Willens …

Gross: … und der Rahmenbedingungen wie einem anderen Ökostromgesetz.

VN: In Vorarlberg ist der Stromverbrauch 2009 gesunken – aufgrund der Wirtschaftskrise?

Gross: Ja, ganz klar. Mittlerweile steigt der Stromverbrauch wieder deutlich an.

VN: Ist es realistisch, in absehbarer Zeit zu einem sinkenden Energieverbrauch zu kommen?

Gross: Im Gesamt-Energieverbrauch ist diese Wende „plus, minus“ erreicht. Vor allem Effizienzsteigerungsmaßnahmen im Gebäudebereich haben dazu geführt. Im Verkehrs- und im Strombereich steigt der Verbrauch.

VN: Kann auch der Stromverbrauch bald sinken?

Gross: Beim Strom bin ich skeptisch. Weil viele Anwendungen – etwa im Mobilitätsbereich – in Richtung Stromverbrauch gehen.

VN: Elektrische Geräte werden effizienter, also sparsamer, aber zahlreicher?

Gross: Das ist das eine. Daneben gibt es Trends wie den zu mehr Single-Haushalten, die voll ausgestattet sind.

VN: Wo sehen Sie in den Privat-Haushalten noch Stromspar-Potenzial?

Gross: Da gibt es sehr viel Potenzial. Das reicht von den klassischen Energiespar-Tipps bis Maßnahmen, die dazu führen, das eigene Haus sukzessive energetisch zu verbessern. Stand der Technik ist heute das Passivhaus. Das ist natürlich nicht in allen Fällen möglich. Aber wichtig ist, dass Niedrigenergiestandards erreicht werden und erneuerbare Energie eingesetzt wird.

VN: Die größten Stromfresser in den Haushalten sind Heizung, Kühlschrank, …

Gross: Mit Strom heizen ist nur noch in Ausnahmefällen tolerierbar; in Neubauten ist es als Hauptheizsystem überhaupt verboten. Viel Strom braucht das Warmwasser; da ist zum Beispiel eine Umstellung auf eine Solaranlage möglich. Wichtig ist es grundsätzlich, beim Gerätekauf darauf zu achten, dass es sich um ein energieeffizientes Produkt handelt. Das betrifft auch Beleuchtungskörper.

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