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Asiate dirigiert Weltstahlmarkt

Die Übernahme der luxemburgischen Arcelor durch die indische Mittal, von den Europäern monatelang als "feindliche Übernahme" bekämpft, bündelt einen Unternehmens-Börsenwert von 37 Mrd. Euro.

Sie sorgt auch in den Köpfen kleiner heimischer Stahl-Player für manch mulmiges Gefühl.

Etwa beim Marketingchef des größten Stahlverteilers und -logistikers Westösterreichs, EHG-Prokurist Gerhard Monz. „Die Fusion als solche kam nicht wirklich überraschend. Schon die Arcelor selbst war aus Fusionen von belgischen, holländischen, deutschen und französischen Stahlkochern hervor gegangen, und wer die Profitfixierung dieser in der obersten Weltliga spielenden Konzerne kennt, sieht das Ende dieser Fusionitis noch lang nicht erreicht“, verwies Monz auf die nachgereihten Riesen der globalen Stahl-Top-10.

Die EHG setzt in ihrer Bleche-Beschaffung, je nach Marktlage, etwa zu je 25 bis 30 Prozent auf Arcelor und die Vöest, weitere Kontingente werden von Anbietern wie der italienischen Riva-Gruppe oder Thyssen-Krupp bezogen. Und was könnten Auswirkungen der Giganten-Hochzeit sein, zumal Übernehmer Mittal ja direkt aus jenem asiatischen Markt kommt, dem in den kommenden Jahren ein geradezu unstillbarer „Hunger“ auf Stahl prognostiziert wird? Monz: „Es ist keine ganz abwegige Spekulation, dass von Mittal große Stahlmengen aus Europa nach Asien abgezogen werden. Und es ist ebenso nicht an den Haaren herbeigezogen, dass die neue Nummer eins die Mengen verknappen könnte, um die Preise (künstlich) steigen zu lassen, oder dass sie die Stahlpreise in Europa hoch, in Asien niedrig ansetzen könnte.“

Der größte Stahlverbraucher im Bundesland, die Doppelmayr/Garaventa-Gruppe, setzt bei der Beschaffung ihrer 20.000 Tonnen Stahl pro Jahr vor allem auf Thyssen-Krupp, Salzgitter und Vöest. „Die 20.000 Tonnen benötigen unsere 7 Produktionsstandorte einschließlich Stahlbau Gassner Bürs, der für uns Sessel und Stützen fertigt, auch die 3000 bis 4000 Tonnen Profile und Stabmaterial sind in dieser Menge enthalten“, erläuterte Doppelmayr-Öffentlichkeitschef Mag. Ekkehard Assmann. Er kann sich dennoch nicht vorstellen, dass die Elefantenhochzeit Auswirkungen auf Doppelmayr hat, da „sogar unser ansehnlicher Stahlbedarf nicht einmal 20 Promille des Jahresausstoßes des neuen Riesen entspricht“, so Assmann.

Der Firmensprecher sieht die Eigen- bzw. Kundenversorgung mit Stahl jedenfalls gesichert. „Wir haben uns da mit Partnern wie auch der EHG gewappnet, auch wenn die bis vor einigen Jahren üblichen Jahresverträge (die quartalsmäßig angepasst wurden) inzwischen durch Quartalsvereinbarungen mit Mengenvorschau abgelöst wurden“, erklärte Assmann. Weil die Stahlnachfrage weltweit steigende Tendenz aufweise, werde es „mittelfristig bestimmt keinen Preisrückgang geben, egal ob mit oder ohne Mittal-Arcelor-Fusion“. Ob und in welchem Ausmaß es durch die neue Nummer eins zu Bevorzugungen des asiatischen Marktes kommen wird, bleibe abzuwarten.

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