Antifaschistisches Mahnmal am Welterbe-Steig Wachau eröffnet

Am Welterbe-Steig Wachau in St. Lorenz in der Gemeinde Rossatz ist am Sonntag das antifaschistische "Mahnmal Friedenskreuz" von Martin Krenn eröffnet worden. Der österreichische Künstler und Kurator (Jahrgang 1970) wählte dafür eine "Deutsche Eicheln 1933" benannte Fotomontage von John Heartfield, die vor einem - nicht unumstrittenen - "Friedenskreuz" angebracht wurde.


Wie in einer Aussendung erläutert wurde, hatte Heartfield bereits 1933, im Jahr der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland, vor der faschistischen Ideologie und Aufrüstung der Deutschen Wehrmacht gewarnt. In dem Werk, das er für eine Ausgabe der “Arbeiter Illustrierten Zeitung” gestaltete, mokierte sich der Künstler über die Selbstverherrlichung der Nationalsozialisten mittels der tradierten Symbolik der “deutschen Eiche”. Er zeigte einen kleinwüchsigen Hitler, der eine Eiche gießt – riesige Eicheln in Granatenform tragen militärische Kopfbedeckungen wie Pickelhauben oder mit einem Hakenkreuz bemalte Helme.

Um Heartfields Warnung vor der nationalsozialistischen Geisteshaltung zurück in ein öffentliches Bewusstsein zu holen, ließ Krenn die Montage auf eine drei mal vier Meter große Tafel aus Metallgewebe drucken. Das Mahnmal wurde im Abstand von 42 Zentimetern vor dem der “Kampfgruppe Jokisch” gewidmeten Kreuz montiert. Diese Einheit der deutschen Wehrmacht war nach Recherchen der Historiker Gregor Kremser und Robert Streibel maßgeblich an Kampfhandlungen und “Sühnemaßnahmen” im heutigen Kroatien und Bosnien-Herzegowina beteiligt. In jüngster Zeit sei die Stätte zudem durch die Anbringung einschlägig konnotierter Tribute wie Wehrmachtshelme oder Lorbeerkränze ideologisch vereinnahmt worden.

In der Folge schrieb die Gemeinde Rossatz-Arnsdorf in Zusammenarbeit mit der Dunkelsteiner Regionalentwicklung und Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich einen Wettbewerb zur Neugestaltung des Ortes aus, den Krenn gewann. In seiner Konzeption scheint das “Friedenskreuz” durch das Metallgewebe und fließt mit der satirischen Fotomontage zu einer kritischen Hinterfragung unserer Aufarbeitung von Geschichte zusammen. Ein weiterer Teil der künstlerischen Intervention sind fünf Collagen von Schülern.

Zu dem Projekt “Mahnmal Friedenskreuz St. Lorenz” erscheint die Publikation “Kreuz mit der Geschichte”, die sich mit den historischen Hintergründen des Krieges am Balkan und dem Kunstprojekt auseinandersetzt sowie den Begriff der Erinnerungskultur und dessen Manifestationen im öffentlichen Raum thematisiert. Das Buch wird am 4. Juni im Rahmen einer Publikumsdiskussion in Rossatz präsentiert.

(S E R V I C E – Mahnmal Friedenskreuz St. Lorenz,)

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