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Anschlagsserie im Irak mit Dutzenden von Toten

Bei einer Serie von Terroranschlägen in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind nach Polizeiangaben mindestens 75 Menschen getötet und etwa 300 weitere verletzt worden.
Blutbad in Bagdad
Blutbad in Bagdad II

Innerhalb einer kurzen Zeitspanne explodierten in verschiedenen Stadtteilen Autobomben, Sprengsätze und Mörsergranaten, wie Augenzeugen und Sicherheitskreise berichteten. Spektakulärstes Ziel war das Außenministerium am Rande der besonders geschützten “Grünen Zone”, vor dem ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug detonierte. Andere Sprengladungen und Mörsergeschoße explodierten beim Finanzministerium, beim Handelsministerium, beim Gesundheitsministerium sowie im Stadtteil Karrade.

Insgesamt wurden rund zehn Explosionen gezählt. Augenzeugen sahen schwarze Rauchwolken hochsteigen. Ambulanzen eilten zu den Anschlagsorten. Die Grüne Zone am Westufer des Tigris ist das Regierungsviertel der irakischen Hauptstadt, das außerdem die US-Botschaft beherbergt. Sie wird von irakischen Sicherheitskräften bewacht, seitdem sich das US-Militär Ende Juni aus den Städten und Wohngebieten des Landes zurückgezogen hat. Fernsehbilder zeigten, dass auch am Parlamentsgebäude innerhalb der Sicherheitszone zahlreiche Fensterscheiben zerbarsten. Feuerwehrkräfte versuchten, die Brände zu löschen.

In der Nähe des Finanzministeriums ging eine auf einem Lastwagen deponierte Bombe hoch und verursachte schwere Schäden. Dort starben nach Polizeiangaben mindestens drei Menschen, sieben wurden verletzt. Zunächst hatte Sicherheitspersonal der Vereinten Nationen mitgeteilt, in der Nähe des UN-Geländes innerhalb der “Grünen Zone” sei ebenfalls eine Mörsergranate eingeschlagen. Ein UN-Sprecher bestritt dies jedoch später.

Die etwas konsolidierte Sicherheitslage im Irak ist damit wieder einmal erschüttert. Die Regierung hatte zuletzt eine für Oktober dieses Jahres geplant gewesene Volkszählung auf unbestimmte Zeit verschieben müssen. Die letzte Volkszählung im Irak fand im Jahr 1987 statt, noch unter dem Baath-Regime von Saddam Hussein. Die Daten von damals gelten als veraltet, zumal Kriege, die US-Invasion, die darauffolgenden bürgerkriegsähnlichen Zustände und Vertreibungen die Zusammensetzung und gebietsmäßige Verteilung der Bevölkerung stark verändert haben. Die Absage der Volkszählung könnte insbesondere die Konflikte mit den Kurden im Norden des Landes weiter verschärfen. Diese waren unter dem Regime von Saddam Hussein aus der Provinz Kirkuk und aus Teilen Mossuls massiv vertrieben worden. Die meisten von ihnen kehrten nach 2003 wieder dorthin zurück. Die Kurden wollen diese wieder von ihnen bevölkerten Gebiete ihrer Autonomieregion eingliedern. Bagdad sträubt sich vehement dagegen, obwohl die neue irakische Verfassung diese Möglichkeit vorsieht. Die Volkszählung wäre Voraussetzung für entsprechende Volksabstimmungen in den strittigen Gebieten.

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