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Anna-Lina Marent bringt allen was

In der Sommerzeit arbeiten wieder Tausende Schüler und heimgekehrte Studenten in Vorarlbergs Unternehmen. Bei der Post in Wolfurt sind es zwölf Ferialarbeiter über die Sommermonate.

Eine davon ist Anna Lina-Marent. „Ich finanziere mir mit diesem Ferialjob meine sechswöchige Chinareise“, erklärt die 19-jährige Wolfurterin. Marent studiert seit zwei Semestern chinesische Sprache und Kultur in Wien – Sinologie. Adressaten, deren Name in Mandarin auf das Kuvert geschrieben ist, sollten also tunlichst im Zustellbereich Marents liegen. Sie dürfte zurzeit wohl Österreichs einzige Briefträgerin sein, die Mandarin lesen kann. „Theoretisch sollte ich von den 9000 existierenden Schriftzeichen bereits 1000 beherrschen.“ Ihr Schmunzeln verrät, dass es etwas weniger sind. „Ich würde sagen, ich kann die Hälfte“, gibt sie umgehend zu. Woher ihr Interesse für die chinesische Kultur rührt, kann sie nicht sagen. „Meine Mutter sagt, ich hätte schon als Kind in jedes Poesiealbum geschrieben, dass mein Wunschtraum eine Chinareise sei.“

Hart verdientes Geld

Doch die Reise will hart verdient sein. „Gerade der Anfang ist hart. Wenn man den Bezirk noch nicht genau kennt, muss man schon mal länger arbeiten. Aber die Leute haben meistens Verständnis und sind sehr hilfsbereit.“ Für so manchen Menschen ist die Studentin ein fixer Bestandteil in dessen Tagesablauf: „Es gibt schon ältere Damen, die darauf warten, dass ich komme.“ Und Marent nimmt sich dann auch ein wenig Zeit, weil „ich nicht durchs Leben stressen will“. Für ein „Schwätzle“ muss Zeit sein.

Doch das heißt nicht, dass die Wolfurterin unnötig trödelt. „Die erste Zeit – wenn die Dinge noch alle neu sind – komme ich morgens immer eine Stunde früher.“ Und das will was heißen: Denn „früher“ ist sehr früh. „Ob ich um fünf Uhr morgens oder um sechs Uhr anfange, ist mir eigentlich egal“, nimmt es Marent gelassen, geschlafen wird am Nachmittag.

Kläffende Hunde warten

Doch die Frühschicht ist das vergleichsweise geringere Problem, wenn bloß die Hunde nicht wären. „Auf das Hunde-Briefträger-Klischee ist einfach Verlass“, weiß Marent. Mittlerweile kennt sie jede Ecke, an welcher nicht nur “ältere Damen“, sondern auch kläffende Hunde auf sie warten. Einer hat es ihr ganz besonders angetan: „Jedes Mal, wenn ich die Post durch den Türschlitz stecke, reißt mir der Hund die Umschläge aus der Hand. Und auch wenn ich darauf vorbereitet bin, so erschrecke ich doch jedes Mal.“

ZUR PERSON

Anna-Lina Marent

Geboren: 11. Juli 1988
Laufbahn: Volksschule Wolfurt, Gymnasium Riedenburg
Hobbys: Beschäftigung mit chinesischer Kultur, Weggehen.

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