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Olympia-Gold für Anna Gasser

Anna Gasser triumphierte im Big-Air-Bewerb
Anna Gasser triumphierte im Big-Air-Bewerb ©APA Traum für Anna Gasser geht in Erfüllung ©APA
Anna Gasser hat sich am Donnerstag bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang im Big-Air-Bewerb der Snowboarder doch noch die so ersehnte Goldmedaille geholt und damit ihren Frieden mit diesen Spielen geschlossen.
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Olympia: Gasser holt Gold im Big Air

Im stark vom Wind beeinträchtigten Slopestyle-Bewerb war Rang 15 für die Kärntnerin eine bittere Enttäuschung. Diese machte die Topfavoritin nun mit Gold vergessen.

Mit 185,00 Punkten lag Gasser am Ende deutlich vor der US-Amerikanerin Jamie Anderson (177,25) und der Neuseeländerin Zoi Sadowski Synnott (157,50). Nach dem zweiten Sprung lag Gasser hinter Anderson noch auf Rang zwei. Ursprünglich war in Absprache mit ihrem Trainer Christian Scheidl geplant, ihren zweiten Sprung, einen “Backside 1080 Double Cork” im dritten Versuch noch einmal zu wiederholen und weiter zu springen.

Mit “Cab Double Cork 1080” zu Gold

Unmittelbar vor dem Sprung entschied sich Gasser einem Bauchgefühl folgend aber um, zeigte einen “Cab Double Cork 1080” und sprang damit zu Gold. “Das ist noch gar nicht realistisch. Es ist ein super Gefühl. Ich freue mich so, dass es geklappt hat”, sagte Gasser im ersten ORF-Interview. “Der beste Moment war, als ich den dritten Sprung gestanden habe. Da habe ich gewusst, dass es für Gold reicht”, fügte Gasser hinzu. Für Österreichs Sportlerin des Jahres ist der Olympiasieg der größte Erfolg ihrer Karriere.

Nach der Enttäuschung im Slopestyle und den schon zuvor unglücklich verlaufenen Spielen von Sotschi 2014, als sie im Slopestyle als Qualifikationsbeste nach einem Fehlstart nur Zehnte wurde, hat die 26-Jährige nun ihren Frieden mit den Olympischen Spielen geschlossen. Dabei waren die Jahre seit Sotschi schon sehr erfolgreich. Vor einem Jahr wurde sie in der Sierra Nevada Weltmeisterin im Big Air, bei der Heim-WM 2015 am Kreischberg holte sie Silber im Slopestyle.

Gasser komplettiert Medaillensammlung

Im Freestyle-Bereich fast noch mehr zählte die Goldmedaille im Slopestyle bei den X Games 2017 in Hafjell. Im Big Air holte sie 2017 bei den X Games in Aspen Silber, in Hafjell 2017 Bronze. Dazu wurde Gasser Big-Air- und Freestyle-Gesamt-Weltcupsiegerin 2016/17. Nun krönte sich die Kärntnerin bei der Olympia-Premiere des Bewerbs zur ersten Big-Air-Siegerin der olympischen Geschichte.

Nachgefragt bei Anna Gasser

Frage: Silber stand vor ihrem letzten Sprung bereits fest. Wie haben Sie sich oben gefühlt?

Gasser: “Ich habe mir einfach gesagt, ich habe nicht mehr so viel zu verlieren, jetzt kann ich nur noch gewinnen. Ich habe die Silbermedaille. Ich wusste, wenn ich diesen letzten Sprung stehe, reicht es für Gold. Mit der Einstellung bin ich auch rangegangen. Wir haben lange überlegt, soll ich auf Sicherheit machen und versuchen, den zweiten zu verbessern. Da hatte ich ja Wind nach oben bekommen, das hat sich auf die Weite ausgewirkt. Oder soll ich den Plan, den wir von Anfang an hatten und das Risiko für den letzten Sprung nehmen. Und ich bin so froh, dass es geklappt hat.”

Frage: Ihr Trainer Christian Scheidl sagte, die Entscheidung für den Trick fiel erst Sekunden, bevor sie losgefahren sind.

Gasser: “Ja, Gigi sagte mir auch, ich soll beim letzten einfach auf mein Bauchgefühl hören. Und das machen, wonach ich mich fühle. Dadurch, dass ich den anderen noch gezeigt und mit zwei Zehnern gewonnen habe, das macht den Moment noch so viel schöner.”

Frage: Sie haben schon so viel gewonnen. Wo ordnen Sie den Olympiasieg gefühlsmäßig ein?

Gasser: “Das ist sicher einer meiner größten Erfolge und größten Momente, weil das Level so hoch war, weil ich wirklich alles dafür gegeben musste. Olympia ist einfach im Sport der größte Wettkampf. Olympiasiegerin hört sich gut an, das ist ein Wahnsinn, daran kann ich mich gewöhnen. Es ist ein ganz schöner Titel.”

Frage: Und wo liegt er vom Stellenwert her?

Gasser: “Bei mir kommt sehr viel drauf an, wie ich selbst fahre und wie das Level war. Und das hier war das bis jetzt höchste Level im Big Air überhaupt. Es gab noch nie zwei Zehner in einem Bewerb, da dies heute das erste Mal war, ist das der höchste meiner sportlichen Erfolge.”

Frage: Haben Sie das Niveau so hoch erwartet?

Gasser: “Ich habe das gewusst, ich habe das gespürt. Ich bin als Favoritin hier gestanden und wusste, dass es Überraschungen geben wird. Ich wusste, dass die Mädels noch nicht alles in den Wettkämpfen davor zeigen werden. Deshalb ist es noch schöner, dass es gereicht hat und dass sich das Extra-Training und das Auslassen von Bewerben sehr ausgezahlt hat, weil ich an diesen Tricks arbeiten konnte.”

Frage: Wann war Ihnen klar, dass es Gold ist?

Gasser: “Es ist, als wäre dieser Sprung nicht passiert. Es war alles so wie in Trance. Als ich ihn hingestellt habe, dauerte es ein paar Sekunden, bis ich es realisiert habe. Aber in dem Moment, als ich unten raus gefahren bin, wusste ich vom Gefühl her, dass es für den Sieg reicht. Ich habe mich gewundert, warum es so lange braucht, bis die Punkte kommen.”

Frage: Macht es alles nochmals schöner, dass auch die Eltern und die Schwester hier sind?

Gasser: “Ja, ich freue mich schon, wenn heute ein bisserl Ruhe einkehrt, dass ich sie umarmen kann und wir diese Momente gemeinsam genießen.”

Frage: Was bedeutet es Ihnen, dass Sie so abgeliefert haben. Sie waren seit Wochen als Goldtipp gehandelt worden?

Gasser: “Die Zeit vor diesem Big-Air-Finale war sicher eine der schwersten in meinem Leben. Wir sind seit dreieinhalb Wochen in Korea und die ganze Spannung baut auf diesen einen Tag auf. Und dieser Druck ist auch noch größer geworden nach dem Slopestyle. Dann die Verschiebungen und der Wind. Das war jetzt schon vom Mentalen her einer der schwersten Bewerbe, die ich je gefahren bin.”

Frage: Sie haben erst mit 18 zum Snowboarden begonnen. Viele sprechen nach einem Olympiasieg von der Verwirklichung eines Kindheitstraumes. Wie ist das bei Ihnen?

Gasser: “Als ich zum Snowboarden begonnen habe, waren Big Air und Snowboard noch nicht olympisch. Mein Traum war, Profisportlerin zu sein. Aber es war noch nicht mit Olympia verbunden. Zwei Jahre später wurde bekanntgegeben, dass Slopestyle dabei ist. Das war dann auch der Zeitpunkt, wo ich mir gedacht habe, das wäre richtig cool, wenn ich da dabei sein könnte und eine Medaille machen könnte. Als noch Big Air dazu kam, was meine Spezialdisziplin ist mittlerweile, war der Wunsch nach einer Medaille schon sehr groß.”

Frage: Was raten Sie Jugendlichen, die auch Ihren Traum leben wollen?

Gasser: “Ich habe die Schule nicht abgebrochen, ich habe meine Matura gemacht. Das war für mich und meine Eltern wichtig. Egal wie alt man ist, man kann immer seine Träume verfolgen, das würde ich Jüngeren auch raten. Das macht das Leben lebenswert. Aber natürlich auch mit gewissem Maß und Ziel. Ich glaube, man muss es einfach richtig managen.”

Reaktionen zur Goldmedaille von Anna Gasser

Anna Gasser (Olympiasiegerin): “Das ist noch gar nicht realistisch, es ist ein super Gefühl, ich freu mich so, dass es geklappt hat. Alle Mädels sind so gut gefahren und haben so viel vorgelegt, dass ich gewusst habe, ich muss wirklich meine besten Tricks zeigen. Der beste Moment war als ich den dritten gestanden habe. Da habe ich gewusst, dass es für Gold reicht. Ich bin um drei Uhr in der Früh aufgewacht und habe nicht mehr einschlafen können. Ich war schon sehr nervös. Das gute war, ich habe vor dem dritten Sprung gewusst, ich habe Silber. Das hat ein bisschen den Druck genommen. Ich habe mir vor dem letzten Sprung Zeit gelassen und habe das echt genießen können. Vor dem ersten und zweiten war ich dafür zu nervös. Ich hab dann nach unten geschaut und habe mir gedacht, ich mach einen Sprung für meine Familie. Die Erleichterung ist riesig, ich habe schon einen Druck gespürt für diesen Bewerb und ich habe mir auch selber einen Druck gemacht, weil ich habe gewusst, dass ich das letzte Jahr wirklich so hart gearbeitet habe und alles dafür getan habe, dass es da klappt. ”

Christian Scheidl (Gasser-Trainer): “Ich habe oben einen halben Herzinfarkt bekommen. Die Anna hat oben zwei Sekunden vor dem letzten Sprung noch umgestellt von Backside 1080 Double Cork auf Cab Double Cork 1080, und es hat funktioniert. Als Trainer steht man oben und versucht gute Laune zu verbreiten, aber innerlich hat man einen Puls von 200 und hofft das Beste. Der Grant vom Slopestyle hat sich sehr gut gelöst. Der Druck war enorm, die Medien haben bei jeder Pressekonferenz gesagt, die Goldene ist eh fix, aber fix ist gar nichts. Zum Abholen ist gar nichts. Das waren schon ein paar harte Tage nach dem Slopestyle, aber sie hat es gut überstanden.”

Peter Schröcksnadel (ÖSV-Präsident): “Im Big Air war sie Favoritin und hat das schlau angelegt. Weil im Slopestyle hat sie im ersten Versuch alles riskiert, dann hast du nur noch einen und das ist dann schwierig. Hier hat sie das anders angelegt, da hat sie zuerst die Sicherheitssprünge gemacht und dann am Schluss das, was sie wirklich kann. Dann war es Gold und da freue ich mich sehr für sie. Sie ist auch nervenstark geworden. Sie hat Selbstbewusstsein, sie weiß, was sie kann, und dann bringt sie es auch runter. Der Snowboard-Bereich ist nicht vergleichbar mit dem Ski-Alpin-Bereich. Es ist eine Trendsportart, die in Asien, Australien und Neuseeland einen hohen Stellenwert hat. Die ganze Slopestyle-Geschichte ist ganz, ganz wichtig, weil die Kinder und Jugendlichen auf Slopestyle abfahren, und damit die Jugend und die Kinder zum Schneesport kommen, und das ist sehr, sehr wichtig.”

Clemens Millauer (Freund): “Dass sie so stark geblieben ist und den dritten Sprung dann auch noch hingestellt hat, ist einfach unglaublich. Dass sie alle drei Sprünge perfekt gelandet hat, besser geht es eigentlich gar nicht. Das ist auch die beste Revanche für Slopestyle. Sie wäre sicher mit Silber auch schon zufrieden gewesen, aber Gold ist Gold. Sie ist die Beste, und ich glaube, sie weiß das selber auch. Wenn es nicht hingehaut hätte, wären wir auch zufrieden gewesen.”

Peter Gasser (Vater): “Ich bin schon ein bisserl runtergekommen mit dem Puls. Schön langsam realisiert man das. Sie hat in der kurzen Zeit so viel erreicht. Sie macht den Sport jetzt sechs Jahre. Das ist unglaublich. Es hätte auch anders enden können das Ganze. Aber wir haben es ihr ermöglicht und sie hat immer gesagt, wir werden das schon einmal zurückbekommen. Heute ist so ein Tag. Heute werden wir feiern, werden einen guten Wein trinken und werden die Anna hochleben lassen.”

Liesbeth Gasser (Mutter): “Ich war sehr nervös. Ich wundere mich immer wieder, wie die Anna das schafft, wie sie da oben mit der Situation so gut umgehen kann. Ich bin heute so stolz und habe eine Riesenfreude. Wir haben Anna ziehen lassen, weil sie das probieren wollte. Sie hat so eine Leidenschaft gezeigt. Ich finde das so schön, wenn Menschen so eine Leidenschaft zeigen.”

Eva Gasser (Schwester): “Wir haben sie hier schon eher in Ruhe gelassen, damit sie sich gut fokussieren kann. Aber ich glaube es ist schon wichtig für sie, dass sie weiß, dass wir da sind.”

(APA)

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