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Animal Hoarding in St.Gallen: Über 100 Wellensittiche in Wohnung gehalten

Polizei St.Gallen findet 106 verwahrloste Wellensittiche in Wohnung.
Polizei St.Gallen findet 106 verwahrloste Wellensittiche in Wohnung. ©Stadtpolizei St.Gallen
St. Gallen (CH). Vernachlässigt, verwahrlost und in viel zu kleinen Käfigen gehalten: Die Stadtpolizei St.Gallen hat am Wochenende in einer Wohnung über 100 Wellensittiche gefunden und befreit.
106 Wellensittiche in St. Galler Wohnung
Tier-Messies im "subara Ländle"

Nachdem ein Hilfeersuchen eingegangen war, stand die Abteilung Tierschutz der Stadtpolizei am Samstagnachmittag gegen 14 Uhr vor einer Wohnung in St. Gallen. Drei Käfige, für die Haltung von zwei Vögeln vorgesehen, fanden die Beamten vor. In jedem von ihnen waren 30 bis 40 Wellensittiche eingepfercht. 106 waren es an der Zahl, alle völlig verwahrlost.

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gall1345 ©Foto: Stadtpolizei St.Gallen

Halterin angezeigt

Die Tiere wurden vorübergehend einem Wildhüter übergeben. Das Schweizer Veterinäramt sei bemüht, geeignete Unterkünfte für sie zu finden. Die Halterin wurde wegen mangelhafter Haltung angezeigt.

Das Phänomen Animal Hoarding

Es ist ein kaum erforschtes Phänomen und als Krankheit nicht anerkannt, zumindest in Europa: Animal Hoarding, das pathologische Sammeln von Tieren. Was als vermeintliche Tierliebe beginnt, kann dramatisch enden. Auch in Österreich häufen sich die Fälle.

Von Animal Hoarding kann gesprochen werden, wenn jemand eine große Anzahl an Tieren hält, ganz offensichtlich aber nicht mehr in der Lage ist, sie angemessen zu versorgen. Kritisch sei die Lage bereits, wenn die Haltung negative Auswirkungen auf die Lebensumstände des Halters habe, dieser das aber augenscheinlich ignoriert.

Zur Früherkennung des Problems hat das Messerli-Institut an der Veterinärmedizinischen Universität Wien Schlüsselcharakteristika definiert, die auch Nicht-Psychologinnen helfen sollen, (beginnende) Fälle von Tierhortung zu erkennen:

  • Es wird mehr als die durchschnittliche Zahl an Tieren, also mehr als etwa drei Hunde, drei bis vier Katzen, fünf Nager gehalten und das auf zu engem Raum
  • die Mindestnormen im Tierschutz – Hygiene, Platz, Ernährung oder tierärztliche Versorgung – werden nicht eingehalten
  • die (negativen) Auswirkungen der übermäßigen Tierhaltung, auf die Gesundheit des Tieres oder der Mitbewohner, werden nicht erkannt
  • die Tierzahl wird unter keinen Umständen reduziert. Obwohl sich die Zustände verschlechtern, wird zudem obsessiv versucht, die Tiersammlung aufrechtzuerhalten oder auszubauen
  • die auftretenden Probleme für Tier und Mensch werden bagatellisiert oder geleugnet

“Wenn Tierliebe zur Qual wird”: Alle Informationen über das Phänomen Animal Hoarding finden Sie in unserem Hintergrundbericht. (red)

 

 

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