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Angehörige klagen nach 11. September

Opfer der Terroranschläge vom 11. September haben in den USA eine Sammelklage in Billiardenhöhe gegen mutmaßliche Geldgeber des El-Kaida-Netzwerks eingereicht.

Neben El-Kaida-Führer Osama bin Laden, mehreren islamischen Wohlfahrtsorganisationen und Banken der Golfregion listet die am Donnerstag in Washington vorgelegte Klageschrift Sudan sowie drei Mitglieder der saudischen Königsfamilie auf. Ziel sei es, der Welt die „Sponsoren des Terrors“ vorzuführen, hieß es zur Begründung des spektakulären Schritts.

An der Zivilklage beteiligen sich Familien von Opfern aus dem World Trade Center, dem Pentagon und an Bord der Maschine, die in ein Feld in Pennsylvania abstürzte. Außer aus den USA kommen sie aus Argentinien, Kanada, Frankreich, Paraguay und Südafrika. Das Bündnis der Opferfamilien verlangt von den beklagten 99 Organisationen und Einzelpersonen für jeden Klagepunkt jeweils die gewaltige Summe von bis zu drei Billionen Dollar. Allein vom Staat Sudan werden 100 Billionen Dollar gefordert.

„Mit unserer Klage wollen wir den Angehörigen der Opfer eine öffentliche Plattform bieten, um die Tatsachen ans Licht zu bringen“, sagte der wortführende Staranwalt Ron Motley, der bereits bei den großen Prozessen gegen die Tabakindustrie eine Schlüsselrolle spielte. Die Klage „nennt Namen und Orte. Sie beschreibt detailliert, wie Gelder flossen“.

„Wir wollen die Kanäle trockenlegen, die den Terrorismus hier und weltweit finanzieren“, sagte William Doyle, dessen 25-jähriger Sohn bei dem Anschlag auf die Zwillingstürme starb. Thomas Burnett, dessen Sohn Tom an Bord der über Pennsylvania abgestürzten Maschine den Aufstand der Passagiere gegen die Entführer anführte, unterstrich, die heimlichen Sponsoren des Terrors sollten ans Licht gezerrt und zur Verantwortung gezogen werden. Dazu zählten alle, die den Terror des 11. Septembers „gefördert, finanziert oder in anderer Form materiell unterstützt“ hätten. Es gehe nicht nur um Gerechtigkeit und Verantwortung, betonte Motley, sondern auch darum, die USA vor „künftigen Grausamkeiten“ zu schützen. Er rechnete damit, dass die Zahl der Kläger sich bis September auf tausend erhöhen werde.

Die 259 Seiten starke Klageschrift richtete sich insgesamt gegen sieben Bankinstitute, acht islamische Wohlfahrtsverbände, mehrere Einzelfinanciers sowie drei saudische Prinzen und die gestürzten afghanischen Taliban-Herrscher. Vor allem die Klage gegen die saudischen Prinzen – Verteidigungsminister Sultan bin Abdulaziz el Saud, Bruder von König Fahd, Ex-Geheimdienstchef Turki el Faisal el Saud sowie den Geschäftsmann Mohammed el Faisal el Saud – erregte Aufsehen. Seit einiger Zeit zeichnet sich zunehmend ein Riss in den Beziehungen zwischen Washington und Riad ab. Für Aufregung sorgten dabei vor wenigen Wochen Berichte aus einer vertraulichen Sitzung von US-Verteidigungsexperten, in der Saudiarabien vorgeworfen wurde, es unterstütze die „Feinde der USA und greife ihre Verbündeten an.

Bei den Anschlägen mit gekaperten Passagierflugzeugen auf das New Yorker World Trade Center und das Verteidigungsministerium in Washington waren mehr als 3.000 Menschen getötet worden. Die meisten der 19 Entführer an Bord der insgesamt vier Maschinen waren saudiarabischer Nationalität. Das US-Außenministerium wollte zu der Zivilklage zunächst nicht Stellung nehmen. Ein Sprecher bekräftigte jedoch die Zufriedenheit Washingtons mit der saudiarabischen Unterstützung im Anti-Terror-Krieg.

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