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Andere Lebensmodelle gelten lassen

Feldkirch - Er hat seinen erlernten Beruf nicht einmal ausgeübt. Dabei kann man sich als Elektromechaniker durchwegs einen Namen machen.

Aber als Martin Fellacher bei der Drogenberatungsstelle H.I.O.B. als Zivildiener antrat, kam er „zum zweiten Mal zur Welt“. In eine sonderbar fremde Welt wurde er da hineingeboren, die mit dem behüteten Aufwachsen in Satteins wenig gemein hatte. „Ich traf auf Menschen, deren Leben so anders verlief als meines bisher, die ihre eigenen Modelle hatten.“ Daraufhin studierte Fellacher im zweiten Bildungsweg Sozialarbeit und kehrte Jahre später als Stellenleiter ins H.I.O.B. der Caritas zurück.

Neue Lebenswelten

Zwei Jahre blieb er. Dann zog es ihn weiter. Um „neue Lebenswelten kennenzulernen.“ Über die Entwicklungshilfezusammenarbeit „Horizont 3000“ ging Fellacher mit seiner Familie für zwei Jahre an die Nordküste von Papua-Neuguinea. Die kleine Stadt heißt Wewak. Sie hat 30.000 Einwohner. „Aber das darf man sich nicht wie Feldkirch vorstellen.“ Wewak, das ist eine Straße mit ein paar Geschäften, „der Rest sind Hütten“. Dort baute Fellacher ein Aids-Zentrum auf. Teils gegen den Widerstand der Amtskirche. Vor allem, wenn es um Prävention ging. „Über Kondome sollte man dort nicht reden.“ Er tat es trotzdem. Sehr zum Leidwesen des Ortsbischofs. Seine Lebensreise führte Fellacher nun in die dritte völlig neue Lebenswelt: Die der Entrechteten.

Schnell gewachsen

Seit anderthalb Jahren arbeitet er wieder in Vorarlberg bei der Flüchtlingshilfe der Caritas. Seit Anfang Juni leitet er die zuständige Fachabteilung. An die 1000 Menschen betreut die Caritas zur Zeit. 1000 Menschen, die kein Zuhause mehr haben. Erwachsene, Jugendliche, Kinder auf der Flucht. Vor viereinhalb Jahren kam die Flüchtlingshilfe noch mit drei Mitarbeitern aus. Heute arbeiten 50 Hauptamtliche und 55 Nebenamtliche, Zivildiener und Sozialhelferinnen, um die Flüchtlinge in weit über 100 Wohnungen und Häusern zu begleiten. Heute Nachmittag begeht die Flüchtlingshilfe auf dem Dornbirner Marktplatz den Weltflüchtlingstag 2008. Dabei stellen Flüchtlinge ein eigenes Kochbuch vor. „Es soll zeigen, dass wir auch was bekommen von den Menschen, die zu uns flüchten.“ Begegnung ist immer Gewinn. Das hat Fellacher am eigenen Leib erfahren, hier und in Papua.

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