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An die Weicheier

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel
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„Damals war es noch nicht erlaubt, in den Ferien die Eltern zu besuchen oder andere Lustreisen zu unternehmen. Die drei bis vier Wochen der Ferien der orientalischen Akademie wurden in Weidling zugebracht, in einem der schönsten Täler der Umgebung Wiens.

Desto strenger war das Schuljahr geregelt. Um 6 Uhr ward aufgestanden und sogleich im Studiersaale das Morgengebet gemeinschaftlich verrichtet. Nach diesem hergeplapperten Gebete ward sogleich die Messe zu den Dominikanern auf den Chor gegangen. Die Stunde von sieben bis acht war zur Vorbereitung zu den um acht beginnenden Lehrstunden bestimmt. Von acht bis neun war der philosophische oder juridische Vortrag, von neun bis zehn Zeichenstunde, namentlich Situationszeichnen und Zivil- und Militärarchitektur. Von zehn bis elf orientalische Lernstunde, von elf bis zwölf französische, von zwölf bis eins dreimal die Woche Schreibstunde, die anderen dreimal der Tanzmeister und für Erwachsene die Reitschule.“ Mittag.

So berichtet der fünfzehnjährige Josef über seine zehnjährige Lernzeit an der Orientalischen Akademie Wien von 1789 bis 1799. Ich halte das für berichtenswert, zumal in den heutigen durchpsychologisierten Ganzliebschulen an Stelle von Wissens-, Fertigkeiten- und Verhaltensvermittlung Babysitting & Beschäftigungstherapie verzogener Handy- & Trinkflaschen-Konsumis auf dem Halbtags50Minstundenplan steht. Getrieben von Pisastenikern, Schulgemeinschaftsfunktionären, erziehungsüberforderten Eltern (-teilen) wurde mit sinnlosen Erlässen wuchernder Schulbürokratie und der auf allen Linien versagenden Bildungspolitik von ÖVP und SPÖ den LehrerInnen Prestige, natürliche Autorität und angemessene Bezahlung weggeschmirgelt. Nachmittag:

„Um eins das Mittagsmahl, fünf Speisen zu Mittag und drei des Abends, davon freilich nicht alle essbar. Die Stunde von zwei bis drei war frei und konnte zu musikalischem Unterricht verwendet werden. Von drei bis vier Lehrstunde der Philosophie, nämlich Mathematik, Logik, Physik oder des juridischen Kurses, von vier bis fünf Geographie oder Geschichte. Von fünf bis sechs orientalische Sprachen, von sechs bis sieben Privatstunde des Orientalischen, von sieben bis acht Wiederholung der Geographie und Geschichte, von acht bis neun Erholungsstunde, um neun das Nachtmahl, dann der Rosenkranz und das Nachtgebet.“

Aus dem „Sprachjüngling“ Josef, geboren 1774 in Graz, gestorben 1856 in Wien, wurde ein berühmter österreichischer Diplomat, Orientalist und Übersetzer orientalischer Literatur, u.a. der Handschrift „Tausendundeine Nacht“, die er aus Persien nach Wien holte. Er gilt als Begründer der wissenschaftlichen Osmanistik und Pionier der Orientalistik: Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall. (→ „Erinnerungen aus meinem Leben“ – Hofenberg Berlin 2014).

Ulrich Gabriel
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