Am Samstag heißt es wieder "Ozapft is"

Trach und Dirndl gehören zum Oktoberfest dazu
Trach und Dirndl gehören zum Oktoberfest dazu ©EPA
Die Menschen in München sind längst in Dirndl und Lederhose unterwegs; auf dem Oktoberfest-Gelände laufen die letzten Vorbereitungen. Am Samstag heißt es: "Ozapft is". Die Wetterprognose ist schon mal gut.
Oktoberfest 2012
Auf der Wiesn

Bierzelte, Achterbahn und Riesenrad stehen, an manchen Ständen hängen bunte Wiesn-Herzen, dazwischen sind Lieferwagen und Bauarbeiter unterwegs: Vor dem Start des Münchner Oktoberfests am Samstag gehen die Vorbereitungen in den Endspurt. Bei strahlend blauem Himmel präsentierte der neue Wiesnchef am Donnerstag die Neuheiten.oktoberfest5

Neue Attraktionen

Zu den neuen Attraktionen zählt die High-Tech-Grusel-Schau “Encounter”: Die Gäste landen angeschnallt in einem Hörsaal – mitten im Experiment eines verrückten Professors. Eine Schießbude mit beweglichen Zielen aus der Zeit um 1900 gehört zu den Neuheiten bei den nostalgischen Geschäften, ebenso das Märchen-Hängekarussell, das den Zweiten Weltkrieg vergraben im Garten der Schaustellerfamilie überstand. Aufwendig renoviert wurde auch ein Springpferdekarussell, bei dem jede Figur ein holzgeschnitztes Unikat ist. Mit dem “Marstall” gibt es erstmals seit Jahrzehnten ein neues großes Bierzelt.

Pro und Kontra “Wiesn”

Superstimmung, Riesengaudi, Bier in Strömen, bayerische Gemütlichkeit – und dann noch die flotten Madeln in ihren feschen Dirndln: Es gibt viele GRÜNDE, DIE WIESN ZU MÖGEN:

  • BIER: Das Bier im großen Liter-Maßkrug ist eigentlich der Hauptgrund, auf das Oktoberfest zu gehen. Aus aller Welt reisen junge Menschen an, viele kommen gar von der anderen Seite der Erdkugel aus Australien. Auf dem Campingplatz in München-Thalkirchen, in Biergärten und auch im berühmten Kloster Andechs trainieren sie schon vor der Eröffnung ihre Kehlen. Das goldig-blonde Wiesn-Bier wird extra für das Fest gebraut und hat zwischen 5,8 und 6,4 Prozent Alkohol, deutlich mehr als normales Bier mit etwa 5 Prozent. Eine solche Maß macht wunderbar locker. Und man kann mit den großen, massigen Krügen herrlich zünftig anstoßen, dass es nur so klirrt.
  • BIERZELT: Es ist riesig – Neulinge erstarren vor Ehrfrucht, wenn sie erstmals in die Weiten eines solchen Zeltes mit Tausenden Plätzen schauen. Drinnen herrscht eine Bombenstimmung. Es wird auf den Bänken getanzt, gesungen und gefeiert. Im Zusammenspiel mit dem Bier kommt man hier ganz schnell in Kontakt und fühlt sich eins mit der Welt.
  • DIRNDL UND LEDERHOSE: Schaut gut aus. Bei den Männern vielleicht nicht immer, aber bei den Frauen eigentlich schon. Das Dirndl betont die Figur und sieht mit der weißen Bluse festlich aus. Die Tracht vermittelt das Gefühl von Tradition und Gemütlichkeit – und von archaischer Zugehörigkeit zum Stamm der Bayern oder wenigstens zum Volk der Oktoberfestbesucher. Wer Tracht trägt – oder das, was er dafür hält – ist nicht mehr allein.oktoberfest3

Vom Samstag an bis zum 5. Oktober werden gut sechs Millionen Besucher aus aller Welt erwartet. Viele werden hellauf begeistert sein. Andere werden danach schwören: nie wieder. Denn natürlich gibt es gute GRÜNDE, DIESES FEST NICHT ZU MÖGEN:

  • BIER: Das Wiesn-Bier ist teuer. Der Preis liegt zwischen 9,70 und 10,10 Euro – erstmals kostet die Maß damit in manchen Zelten über 10 Euro! Der Maßkrug ist schwer – und gefährlich: Manchmal wird er von wütenden Besuchern als Waffe missbraucht. Das goldig-blonde Wiesn-Bier ist stark. Und so ist das klare Denken schnell eingeschränkt. Manches, was man unter dem Einfluss des Getränks tut, bereut man anderntags. Es verursacht zudem oft Kopfweh und Übelkeit, die sich spontan hinter einem Bierzelt entladen kann. Im schlechteren Fall auch im Bierzelt.
  • BIERZELT: Es riecht nach verschüttetem Bier – und manchmal auch nach anderen unangenehmen Dingen. Die Menschen schwitzen. Es ist laut. Man kommt kaum hinein. Ist man endlich drin, findet man keinen Platz. Und hat man endlich doch einen, kann man sich nicht unterhalten. Andernfalls riskiert man tagelange Heiserkeit. Die Lieder sind immer wieder dieselben. Die Luft ist voller Krankheitskeime, denn die lieben derartige Menschenansammlungen. Regelmäßig bricht deshalb nach dem Oktoberfest über München eine Krankheitswelle herein. Ach, und rauchen darf man im Bierzelt auch nicht. Was sollte man an einem solchen Ort!?
  • DIRNDL UND LEDERHOSE: Das, was die meisten auf dem Oktoberfest tragen, hat mit echter Tracht nichts zu tun. Geschickte Händler verkaufen diese Kleidungsstücke made in China auf dem Weg zum Oktoberfest. Zugleich steigt mit jedem verkauften Dirndl und jeder verkauften Lederhose der Druck auf diejenigen, die noch in Zivil unterwegs sind – ein Teufelskreis, aus dem kaum ein Besucher unbeschadet herauskommt. Dabei ist weder das Dirndl noch die Lederhose ein praktisches Kleidungsstück. Das Dirndl verkaufen jene geschickten Händler so eng, dass die Trägerin fast kein Hendl mehr essen und keine Maß mehr trinken kann – was den Wiesnbesuch sehr traurig macht. Und die Lederhose kann man nicht waschen. Das ist ziemlich schlecht, besonders nach bestimmten Wiesn-Eskapaden.

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Geldmaschinerie Oktoberfest

Auf dem Oktoberfest machen nicht nur die Wirte der Bierzelte ein glänzendes Geschäft: Auch viele Hotels, Taxen und Läden verdienen prächtig an den Wiesn-Gästen. Insgesamt summiert sich der wirtschaftliche Wert der Wiesn nach Angaben der Stadt München auf rund 1,1 Milliarden Euro.

Im Schnitt geben die Besucher auf dem Festgelände 68 Euro pro Tag aus – macht bei 6,4 Millionen Besuchern immerhin 435 Millionen Euro. Allein für eine Maß Bier müssen die Gäste in diesem Jahr um die zehn Euro zahlen – und bei einer bleibt es ja meistens nicht. Kein Wunder, dass die Bewerber für einen Platz auf dem Oktoberfest Schlange stehen: 1500 Schausteller und Marktkaufleute bewerben sich jedes Jahr mit ihren Würstl-Buden, Lebkuchenherzen oder Karussells für einen Platz. Weniger als die Hälfte wird zugelassen.

Hotels verlangen Spitzenpreise

Einen Haufen Geld blättern auswärtige Gäste noch einmal für Übernachtungen hin: Viele Münchner Hotels verlangen während der Wiesn Spitzenpreise. Wer am Donnerstag noch schnell ein Doppelzimmer für den Wiesn-Beginn an diesem Samstag buchen wollte, fand zum Beispiel beim Buchungsportal booking.com kaum noch ein Zimmer für weniger als 200 Euro pro Nacht. Am günstigsten war eine Pension am Stadtrand für 169 Euro.

Auch für die Geschäftsleute sind die zwei Wiesn-Wochen ein kleines Konjunkturprogramm: 275 Millionen Euro lassen die Oktoberfest-Gäste für Einkäufe, Verpflegung oder Taxi-Fahrten in der Stadt.

 

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