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Alter und neuer ÖSV-Präsident demonstrieren Einigkeit

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Keine 48 Stunden nach der turbulenten Entscheidung für Karl Schmidhofer als Nachfolger von Peter Schröcksnadel als Präsident des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) haben sich die beiden Unternehmer und mächtigen Sportfunktionäre in Wien gemeinsam der Öffentlichkeit präsentiert.
"Brauche keine Einflüsterer"
Schmidhofer folgt Schröcksnadel

Bei einer Pressekonferenz in einem Hotel demonstrierten Noch-Präsident Schröcksnadel und sein designierter Nachfolger Einigkeit. "Es geht darum, dass Österreich Nummer eins bleibt", sagte Schmidhofer.

Offizielle Wahl am 19. Juni

Der Chef des steirischen Landesskiverbandes war in der Nacht auf Mittwoch beim Treffen des ÖSV-Wahlausschusses in Salzburg nach langen und ergebnislosen Diskussionen um die beiden vorgeschlagenen Kandidaten Michael Walchhofer und Renate Götschl letztlich als überraschende Kompromisslösung präsentiert worden. Der Nationalratsabgeordnete (ÖVP) akzeptierte den Vorschlag nach einem Telefonat mit seiner Frau wie notwendig noch vor Mitternacht. Die Wahl und damit die offizielle Übergabe des Amtes erfolgt am 19. Juni bei der ÖSV-Länderkonferenz in Villach.

"Ende gut, alles gut"

"Ab jetzt soll es in die Zukunft gehen im erfolgreichsten Skiverband der Welt", betonte Schmidhofer und sprach damit die turbulenten und nicht immer konstruktiven Wochen rund um die teils hitzig erfolgte Nachfolgediskussion an. "Man hat gesehen, dass es einen Kompromiss braucht", betonte der 59-jährige Murtaler. Auch Langzeit-Präsident Schröcksnadel, der nach 31 Jahren im Amt nicht mehr antritt, gab sich über die Einigung und das Ende der Streitereien erfreut und bezeichnete Schmidhofer als gute Wahl, mit der er zufrieden sei. "Ende gut, alles gut", sagte der 79-jährige Tiroler.

Schröcksnadel kann mit Schmidhofer "gut leben"

Er freue sich über Schmidhofer als Lösung. "Wir kennen uns ewig lange, mit dieser Entscheidung kann ich gut leben", so Schröcksnadel. Dass Schmidhofer sein politisches Amt mit der Übernahme des ÖSV zurücklege und auf eine Gage verzichte, sei äußerst ehrenhaft. "Ich wollte ja immer verhindern, dass der ÖSV politisch wird. Jetzt kann man die Fortsetzung der Ehrenamtlichkeit feiern. Außerdem freut mich, dass es keine Verlierer gibt", verwies Schröcksnadel darauf, dass Walchhofer ÖSV-Vizepräsident bleibe und Götschl Nachfolgerin von Schmidhofer als Präsidentin in der Steiermark werde. "So können sie ihre Ideen umsetzten, wie sie sie präsentiert haben."

Er selbst werde immer als Ratgeber zur Verfügung stehen, sich aber auch nicht aufdrängen, betonte der seit 1990 amtierende Schröcksnadel, der im Juni für ein weiteres Jahr im FIS-Council kandidiert und so mit dem Schneesport in Verbindung bleiben würde. Er werde sich in Zukunft aber vor allem seinem erfolgsversprechenden und 100 Mio. Euro schweren Krebs-Projekt widmen, betonte Schröcksnadel. Schmidhofer sind alle Tipps recht, "die helfen, den ÖSV voranzubringen". Einflüsterer brauche er aber nicht, betonte der erfolgreiche Geschäftsmann und Troubleshooter.

Ziel: Nummer eins bleiben

Schmidhofer gibt mit seiner Entscheidung ein gut dotiertes Mandat ab und will auch an den Verbandssitz nach Innsbruck übersiedeln. Er habe in seinem Geschäftsleben schon vieles erlebt, sagte der Seilbahner und Touristiker. Die Geschehnisse in der Salzburger Nacht hätten ihn aber doch mitgenommen. Nun gelte sein ganzes Streben ausschließlich der Zukunft. "Der ÖSV steht weltweit an der Spitze, hat 300 hervorragende Mitarbeiter und fast 400 Sportlerinnen. Da braucht es einen Präsidenten, der da ist und Themen umsetzen kann."

Oberstes sportliches Ziel sei, die Nummer eins zu bleiben. "Aber wir wollen auch den Kinder- , Jugend- und Schulsport in die Gänge bekommen." Er werde sich unmittelbar nach der Wahl mit den Mitarbeitern und Sportlerinnen treffen, betonte Schmidhofer. Schröcksnadel lud seinen designierten Nachfolger darauf spontan ein, dies doch schon vor der Wahl zu tun.

Nicht abgehen werde ihm das Drumherum, sagte Schröcksnadel. Vielmehr aber die Athletinnen sowie vor allem seine engste Mitarbeiterin (Katharina Trojan, Anm.), mit der er 35 Jahre lang kein böses Wort gewechselt habe.

Über viel verbrannte Erde

Warum die Entscheidungsfindung so strittig verlaufen sei, erklärte Schröcksnadel so: "Da war schon vorher viel verbrannte Erde, dann geht's eben irgendwann nicht mehr." Götschl hätte grundsätzlich die Mehrheit gehabt, habe aber auch immer gesagt, dass sie keine Spaltung wolle.

Schröcksnadel betonte erneut, dass er schon länger per 19. Juni notariell seine Ämter auch in den Wirtschaftsabteilungen des ÖSV zurückgelegt habe. Leichen im Keller gebe es keine. "Der ÖSV steht gut da!" Man habe trotz Covidkrise sogar ein Plus von 2 Millionen Euro gemacht. Jeder Landesverband soll deshalb zum Abschied einen Bus bekommen. Außerdem sei vorstellbar, 500.000 Euro extra auszuschütten. Schmidhofer ist auch wichtig, künftig zumindest drei Frauen im Präsidium zu haben.

Details noch offen

Die Frage, wer künftig die Geschäftsführung der Holding bzw. der ÖSV-Tochterfirmen bekleiden werde, wurde im Detail nicht beantwortet. Eine Holding gebe es seit 15 Jahren, erklärte Schröcksnadel. Schmidhofer sagte, dass er sich wie bisher in allen seinen Firmen einen Aufsichtsrat wünsche. Jetzt ins Detail zu gehen, sei aber nicht angesagt, er sei ja erst seit 48 Stunden Präsidentschaftskandidat. "Aber, ja, ich bin es als Geschäftsführer gewohnt, ein Gremium zu haben, das kontrollierend wirken kann." Ihm sei nun bewusst: "Die Tür zur Politik geht zu, die zum ÖSV geht auf."

Er habe mit Schmidhofer überhaupt nicht gerechnet, gestand Schröcksnadel. Dieser hätte ursprünglich ja eigentlich Götschl vertreten sollen. Die Ex-Rennläuferin hätte man aufgrund der Mehrheitsverhältnisse durchaus durchpeitschen können. "Dann hätte es Götschl als Präsidentin, aber keinen Konsens und eine Spaltung gegeben. Das wollte auch Renate nicht. Ich bin froh, dass wir wieder eine geeinte Skifamilie haben."

Schröcksnadel wollte eigentlich Ortlieb

Schröcksnadel berichtete zudem, dass er mit Olympiasieger Patrick Ortlieb ursprünglich selbst einen ganz anderen Kandidaten gehabt habe. Der Vorarlberger sei ihm aber wegen dessen politischen Vergangenheit "abhandengekommen".

Sein persönlicher Fehler sei gewesen, sein Ende als Präsident zu früh verkündet zu haben, so Schröcksnadel. "Deshalb hat es dann diese Gruppenbildung gegeben."

Gegen Walchhofer als Präsident sei er gewesen, "weil der den Verband nicht sehr gut kennt". Wenn man dann trotzdem alles verändern wolle, sei das "katastrophal". Erst wenn man die Schwachstellen kenne, könne man an den Stellschrauben drehen. "Bei einem so erfolgreichen Verband mit schnellen und effizienten Strukturen muss man sehr vorsichtig umgehen. Alleine das Niveau zu halten, ist schwierig genug."

(APA)

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