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Altach will Falken die Flügel stutzen

Heute um 18.30 Uhr empfängt Austria Lustenau die wiedererstarkten St. Pöltner. Nicht nur darum wartet auf Lustenau ein Tag für echte Männer. Tabellenführer Altach gastiert heute um 18.30 Uhr in Kapfenberg. Die Steirer holten aus den letzten fünf Runden stolze 13 Punkte.
Austria Lustenau - St. Pölten (18:30 Uhr)
Kapfenberg - SCR Altach (18:30 Uhr)

Der Falke ist ein edles Tier, erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 320 km/h und schlägt seine Beute meist in der Luft. Dass die Kapfenberger ihrem Wappentier alle Ehre machen, weiß Altach-Trainer Damir Canadi auch ohne Ornithologe zu sein: „Sie haben etliche pfeilschnelle Offensivkräfte und hervorragende Kopfballspieler in ihren Reihen.“ Letzteren droht heute allerdings der „Hungertod“, da David Sencar, der in der Regel alle Standards tritt, eine Gelbsperre abzusitzen hat. Respekt ist vor den Steirer aber dennoch angebracht, 13 Punkte aus den jüngsten fünf Spielen sind schließlich nicht von schlechten Eltern. Es ist also wohl als Kompliment zu verstehen, wenn Canadi über den heutigen Gegner sagt: „Von der Leistungsstärke her ist Kapfenberg ähnlich stark einzuschätzen wie Austria Lustenau.“
Meister der Effizienz

„Spitze, Hacke, eins, zwei, drei“ wird’s im Franz-Fekete-Stadion auch deshalb nicht spielen, weil die Mürztaler einen eher unromantischen Zugang zum Fußballsport pflegen. KSV-Trainer Kurt Russ – vielen Fußballfreunden noch als ehemaliger Teamverteidiger mit Vorliebe für Vokuhila-Frisur und Oberlippenbart ein Begriff – setzt in erster Linie auf defensive Kompaktheit, bevorzugtes Stilmittel ist der lange Ball. Schön anzuschauen ist das zwar nicht, effizient aber allemal. Gerade einmal zwölf Tore aus elf Spielen – nur Parndorf und St. Pölten zeigten sich minimalistischer – genügten den Oststeirern, um aktuell mit 17 Punkten auf Tabellenplatz vier zu stehen.

Will der Kapfenberger Abwehrriegel geknackt werden, bedarf es also kreativer Lösungen. Da kommt es Canadi gar nicht zupass, dass er ausgerechnet heute auf die beiden gesperrten Ballvirtuosen Philipp Netzer und Boris Prokopic verzichten muss. Bange ist ihm deswegen aber nicht, sowohl Florian Neuhold als auch Lukas Jäger traut er die Rolle auf der Sechs zu und Daniel Luxbacher scheint nach seiner Galavorstellung gegen die Vienna ohnehin wie zum Spielmacher berufen.

In Kapfenberg kommt’s für Canadi auch zu einem Wiedersehen mit seinen ehemaligen Schützlingen Ali „the rocket“ Osman und Andreas Lukse. Besonders Ersterer benötigt vor Spielen gegen seinen Ex-Coach keine Motivationsspritze, wie Canadi aus Erfahrung weiß: „Geht‘s gegen mich, spielt Ali immer wie aufgezogen.“ Spaziergang erwartet die Altacher heute also keiner, vieles deutet auf ein echtes Geduldsspiel hin, bei welchem am Ende Nuancen über Sieg oder Niederlage entscheiden werden.

Rock ‘n’ Roll im Reichshofstadion

Steak zum Mittagessen um 11.45 Uhr. Fußball um 18.30 Uhr gegen St. Pölten. Rock ’n’ Roll zum Abfeiern nach dem Spiel beim Clubbing im Glashaus. Das ist das Tagesmenü, das heute auf Austria Lustenau wartet. Ein Programm, das echte Männerherzen höher schlagen lässt. Echte Männer werden die Lustenauer aber brauchen, um gegen die wiedererstarkten St. Pöltner zu bestehen. Auf den ersten Blick ist die Austria zwar der klare Favorit. Die Grün-Weißen sind seit neun Spielen ungeschlagen – nur Red Bull Salzburg hat im österreichischen Profifußball eine noch bessere Serie. Lustenau kassierte in den letzten 397 Ligaminuten nur ein Gegentreffer und hat so den dritten Platz erobert. St. Pölten dagegen hinkt mit Rang sieben in der Tabelle weit hinter den Erwartungen zurück und hat in elf Ligaspielen nur elf Tore erzielt. Trotzdem spricht viel dafür, dass die Partie eine Bewährungsprobe – oder eben zu Rock ’n’ Roll im Reichshofstadion wird.

„Wir sind uns bewusst, dass das heute ein schweres Spiel wird“, spricht Helgi Kolvidsson Klartext. „Erstens hat St. Pölten mit zwei Siegen in Folge wieder in die Spur gefunden, zweitens waren sie auch davor viel besser, als die sieben Niederlagen in Serie glauben lassen. Aber wir wissen, wie wir sie schlagen können.“ Nur: Das weiß umgekehrt St. Pölten mindestens genau so gut. Die Niederösterreicher gingen in den letzten zwölf Duellen mit der Austria nur einmal als Verlierer vom Platz. Im August schickten sie Lustenau zum Beispiel mit einer 0:2-Niederlage zurück in die Heimat.

Fall und Pürcher zentral

Was also müssen die Grün-Weißen besser als zuletzt gegen die Niederösterreicher machen, damit das traditionelle Geläut aus der Austria-Kapelle nach dem Spiel zu Klängen einer Hells Bells, also einer Höllenglocke für St. Pölten verkommt? Die Lustenauer müssen hohe Zuspiele auf den 1,98-Meter-großen Edin Salkic verhindern. Damit stehen die Mannen von Helgi Kolvidsson vor der gleichen Aufgabe wie vor zwei Wochen gegen Parndorf, als es galt, hohe Bälle auf den 2,02 Meter großen Thomas Horvath zu unterbinden – was der Austria 85. Minuten lang hervorragend gelang. Aber St. Pölten ist nicht Parndorf. Sprich: Das Team von Gerald Baumgartner hat mehr Optionen als die Burgenländer. Erst recht, weil die spielstarken Michael Ambichl, Osman Bozkurt und Jannick Schibany bei ihnen wieder an Bord sind.

Kolvidsson weiß: „Wichtig ist, dass wir die Ruhe bewahren. Wir müssen unsere spielerische Klasse abrufen.“ Also mit Tempo über die Flügel angreifen. Jailson ist seit Wochen in Top-Form, er ist sozusagen das T.N.T, der Sprengstoff, im Kader Lustenauer. Zündet er den Turbo, bleibt seinen Gegenspielern oft nur noch das Nachsehen. Und auch sein Pendant auf der linken Seite Marcel Schreter will durchstarten und sagt: „Es wär’ mal wieder Zeit für ein Tor.“ Vereinfacht ausgedrückt gilt heute, dass Lustenau über die Flügel das Spiel gewinnen und durch Gegenangriffe über die Zentrale das Spiel verlieren kann. Letzteres soll die neu formierte Doppelsechs Wal Fall und Dominic Pürcher verhindern.

Pürcher rückt für den erkrankten Mario Bolter ins Zentrum. Neben Bolter müssen die Grün-Weißen aufgrund der Ausländerregelung auch auf Abu Bakarr verzichten. Aber wie sang schon AC/DC? It’s a Long Way To The Top. Also: Der Weg an die Spitze ist lang. In diesem Sinne: Let’s rock.

(NEUE/Emanuel Walser/Hannes Mayer).

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