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Alles für edle "Verrupfer"

Kennelbach - Schnapsbrennen in Vorarlberg. Das ist ein Streben nach Genuss und ein Stück Ländle-Kultur.
Zu Besuch bei Gebhard Bechter

Kalt ist’s. Null Grad. Und doch brennt’s. Zumindest in den zwei „Brandblasen“, die Gebhard Bechter und sein Schwiegersohn Bertram Bezler fachmännisch betreuen. Die beiden brennen Schnaps, registrieren keine Kälte und lassen sich auch durch den dichten Schneefall nicht beirren. „Wir brauchen drei Tage bis wir fertig sind“, sagt Gebhard Bechter, ehemaliger Obstbau-Referent der Landwirtschaftskammer. Die kalte Luft ist angenehm belegt mit dem Duft von Quitten und Zwetschken. „Richt’s einmal. Schmeckt das nicht wunderbar nach Quitte“, sagt Gebhard Bechter und hält einen Kübel mit den Resten von Quittemaische zum Beschnuppern unter Volkes Nase.

Edle „Verrupfer“

Die Männer brennen Äpfel, Trauben, Zwetschken und Quitten. Hinzu kommt ein Schweizer Holunder-Geist. „Bei diesem wird die Frucht nicht vergärt, sondern in hochprozentigem Alkohol angesetzt. „Das entzieht der Frucht das Aroma und wird mit einem Reinigungsbrand zu einem Geist gebrannt“, erklären die Experten. Doch ihr Hauptaugenmerk gilt natürlich dem Brennen der verschiedenen Fruchtmaischen, aus denen dann edle „Verrupfer“ mit ihren unvergleichlichen Duft- und Fruchtnoten gewonnen werden.

Die Nase brauchts

Wer glaubt, das alles geschieht nur durch ein automatisiertes Drucken von irgendwelchen Schaltern und Knöpfen, irrt. „Die Nase muss entscheiden, wann der sogenannte Mittellauf herauskommen soll“, erklärt Bechter mit einem listigen Grinsen. „Lässt du die Flüssigkeit zu früh raus, kann das zu hochprozentig sein. Versäumst du den richtigen Zeitpunkt, wird’s zu dünn. In beiden Fällen hast du’s verbockt.“ Das passiert bei Gebhard Bechter und Bertram Bezler bestimmt nicht. In Reih und Glied stehen Gläschen vor den beiden Brennern. Da wird gerochen und gekostet. Um dann im richtigen Moment dem perfekten Saft den Auslass zu gewähren.

Fahrende Brennerei

Bechter und sein Schwiegersohn sind sogenannte Abfindungsbrenner. Das heißt: Sie dürfen mit eigenem Obst bzw. als Pächter von Obstflächen 100 Liter Alkohol zu ermäßigtem Steuersatz brennen. „Heuer kommen wir nur auf 40 Liter“, wirft Bechter ein und spricht von einem Erntejahr, „das vom Ertrag her nicht überwältigend war. Allerdings ist die Qualität der gewonnenen Früchte hervorragend.“ Der Kennelbacher gilt als ausgewiesener Experte fürs Schnapsbrennen und hat ein schön illustriertes Buch über „Das Vorarlberger Schnapsbuch – Edelbrände mit Tradition“ (erhältlich auch in Das Buch im Messepark) herausgebracht. „Schnapsbrennen ist bei uns ein Stück Kultur“, sagt der ehemalige Obstbaureferent der Landwirtschaftskammer. Ein Beleg dafür sei auch die Tatsache, „dass man nirgends sonst als in Vorarlberg von den Obst- und Gartenbauvereinen fahrende Brennereien pachten kann.“ Bechter und sein Schwiegersohn brennen nur für sich und ihre Freunde. „Es gibt doch kaum ein netteres Vorarlberger Geschenk als eine gute Flasche selbstgebrannten Schnaps, odr?“, stellt sich Bertram Bezler eine rhetorische Frage. Zu widersprechen gibts da nichts.

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