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Alles anders nach "Wetten, daß...?"

Eine Wette hat sein Leben verändert. Karlheinz Böhm (76) war auf dem Höhepunkt seiner Schauspielkarriere, als er 1981 in die neunte "Wetten dass...?"-Sendung gebeten wurde.

Erst fand er es „popelig“, in einer Fernsehshow aufzutreten, dann wurde ihm klar, dass er dadurch vielen Menschen helfen konnte. Er wettete, dass nicht einmal jeder dritte Zuschauer eine Mark für hungernde Menschen in der Sahelzone spenden würde.

Die damit ausgelöste Welle der Hilfsbereitschaft veränderte Böhms Leben. Mit den gespendeten 1,4 Millionen Mark gründete er wenige Monate später die Aktion „Menschen für Menschen“.

Heute ist Böhm äthiopischer Ehrenbürger und hat insgesamt 230 Millionen Euro Spendengelder in Schulen, Krankenhäuser, Brunnen und Berufsausbildung investiert. Seiner Initiative ist es auch zu verdanken, dass enge politische Kontakte zwischen der äthiopischen und der deutschen Regierung bestehen – im vergangenen Jahr reiste der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nach Äthiopien, im Dezember wird der deutsche Bundespräsident Horst Köhler erwartet. „Doktor Karl ist ein guter Vater für alle Äthiopier“, sagt der Fahrer eines Minibusses in Äthiopien ungefragt, sobald das Wort Deutschland fällt – und die übrigen Passagiere stimmen lebhaft in das Lob ein.

„Damals war es blauäugiger Optimismus“, sagt der Ex-Schauspieler („Sissi“) im Rückblick. „Als ich ins Studio ging, wusste ich noch nicht mal, wohin das Geld gehen sollte.“ Spontan gab er den Bundespräsidenten als Empfänger an, bei dem Körbe voller Geldumschläge eingingen. „Ich habe die drei ärmsten Länder gefragt – Tschad, Sudan und Äthiopien – aber nur Äthiopien wollte die Hilfe annehmen“, erinnert sich Böhm. Er gründete sein Hilfswerk und sammelte unermüdlich weiter Spenden.

Als Böhm mit seiner Arbeit in Äthiopien begann, litt das Land unter Mengistus Militärdiktatur. „Wir wurden sehr kritisiert, dass wir uns darauf einließen“, sagt Böhm. „Aber mir ging es nie um Politik, ich wollte den Menschen helfen.“ Bis heute verzichtet er bewusst auf öffentliche Kritik, um die Arbeit seiner Organisation nicht zu gefährden.

Derzeit versucht die Regierung, etwa zwei Millionen Menschen in fruchtbarere Gegenden umzusiedeln. Die Umsiedlung ist freiwillig, die Umstände sind jedoch oft katastrophal. Böhms Organisation hilft den Betroffenen – auch wenn sie dadurch indirekt die Umsiedlungspolitik unterstützt. „Ich stehe dazu“, sagt Böhm. Er wolle den Menschen da helfen, wo sie es am nötigsten hätten.

Der 76-Jährige kommt jedes Jahr drei Mal sechs Wochen nach Äthiopien und besucht dann alle Projekte. Im Osten des Landes, nahe der Grenze zu Somalia, hat alles angefangen. Dort half Böhm, Tausende vom Hunger bedrohte Halbnomaden anzusiedeln und ihnen durch Landwirtschaft eine neue Existenz zu verschaffen. Sein Lieblingsprojekt ist eine Berufsschule im Ort Harar, die Landwirte, Elektriker und Automechaniker ausbildet – eine Rarität in Äthiopien.

Leicht gebräunt und in Khakihosen sitzt er am Steuer des Geländewagens. Sich fahren zu lassen, kommt für ihn nicht in Frage, egal wie holperig die Pisten sind. „Ich bin glücklich, dass die Menschen mich als einen der ihren anerkannt haben“, sagt er.

Um die Zukunft der Projekte macht er sich keine Sorgen. Seine Frau Almaz werde seine Arbeit mindestens so gut weiterführen, sagt er. Böhm hatte die gut 30 Jahre jüngere Frau in seinen ersten Jahren in Äthiopien kennen gelernt. Das Paar lebt heute mit zwei Kindern in Salzburg. Bei der Heirat tauschte Almaz ihre äthiopische gegen die österreichische Staatsbürgerschaft ein. „Seit ich Ehrenbürger in Äthiopien geworden bin, bin ich der einzige Äthiopier in unserer Familie“, sagt Böhm und schmunzelt.

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