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Air Berlin schluckt Ferienflieger LTU

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin, die an Niki Laudas Niki mit 24 Prozent beteiligt ist, hat den angeschlagenen Ferienflieger LTU übernommen.

Somit hat Air Berlin den Abstand zum Branchenprimus Lufthansa verringert. Die Berliner zahlen für die Düsseldorfer 140 Mio Euro, wie der Billigflieger am Dienstag in der Hauptstadt mitteilte.

Hinzu komme ein Schuldenberg von 190 bis 200 Mio Euro. Mit der LTU kann Air Berlin erstmals auch Langstreckenflüge anbieten, etwa in die Dominikanische Republik, die USA oder nach Thailand. Wenn das Kartellamt die Übernahme genehmigt, räumen die Berliner kräftig auf am deutschen Himmel. Erst im August vergangenen Jahres hatte Air Berlin die dba übernommen.

Dabei kaufte Air Berlin die LTU von dem gleichen Mann, der ihnen auch die dba überlassen hatte: Der Nürnberger Textilunternehmer Hans Rudolf Wöhrl, der die LTU ursprünglich mit der dba zusammenführen wollte. Doch der Plan scheiterte unter anderem an den hohen LTU-Schulden. Die Düsseldorfer fliegen noch immer in den roten Zahlen, peilen aber in diesem Jahr einen Gewinn an.

Air-Berlin-Chef Joachim Hunold schätzte, dass sich aus der Übernahme von LTU Einsparungen von 70 bis 100 Mio Euro jährlich ergeben, vor allem im gemeinsamen Einkauf und Vertrieb sowie durch die Abstimmung der Flugpläne, in die künftig statt TUIfly auch die Karstadt-Tochter Condor einbezogen werden soll. Stellenstreichungen seien nicht geplant, versprach Hunold. „Wenn wir als Konzern weiter wachsen wollen, brauchen wir gute und motivierte Mitarbeiter.“

Ob die allerdings noch lange mitreden dürfen, ist fraglich. „Noch niemals bin ich auf eine derartige verkrustete und unflexible Arbeitnehmervertretung gestoßen wie bei der LTU“, schimpfte Wöhrl. Die Übernahme durch Air Berlin biete hier die Chance zur Veränderung. Hunold ist kein Freund deutscher Mitbestimmung. Um Gewerkschaften und Betriebsrat außen vor zu halten, wandelte er den Billigflieger in eine Aktiengesellschaft nach britischem Recht um.

Zusammen mit LTU rückt Air Berlin ein weiteres Stück an den großen Konkurrenten Lufthansa heran. Die deutsche Nummer eins braucht das allerdings wenig beeindrucken. Immerhin flogen im vergangenen Jahr mit Air Berlin und LTU 22,1 Mio Passagiere. Bei der Kranich-Airline waren es mit 53,4 Mio. fast zweieinhalb Mal so viel.

Mit dem Kauf von LTU ist die Einkaufstour von Air-Berlin-Chef Hunold noch nicht zu Ende. In einem Atemzug kündigte er an, eine 49-prozentige Beteiligung an der Schweizer Fluggesellschaft Belair erwerben zu wollen. Belair, eine Tochtergesellschaft der zum Handelskonzern Migros gehörenden Hotelplan Group, betreibt den Angaben zufolge derzeit drei Flugzeuge.

An der Börse befügelten die neuen Pläne den Kurs von Air Berlin. Die Aktie kletterte um bis zu 3,5 Prozent auf 16,77 Euro.

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