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Afghanistan: Karzai-Vize entgeht Anschlag

Wenige Tage vor der Wahl ist der Vize-Präsidentschaftskandidat Ahmad Sia Masud einem Bombenanschlag unverletzt entgangen. Die Caritas und die Johanniter haben ihre deutschen Mitarbeiter vorübergehend abgezogen.

Der Gouverneur der Nordost-Provinz Badakhshan, Sayed Ekram, wurde bei der Explosion während einer Wahlkampfveranstaltung am Mittwoch leicht verletzt, sagte ein Sprecher von Präsident Hamid Karzai in Kabul. Zwei Personen wurden bei der Bombenexplosion getötet.

Masud kandidiert bei der ersten freien Präsidentenwahl Afghanistans am Samstag als Stellvertreter Karzais. Er ist der Bruder des in weiten Teilen Afghanistans verehrten Kämpfers Ahmad Schah Masud, der am 9. September 2001 von Taliban-Kämpfern ermordet wurde. Karzai gilt unter den 17 Kandidaten, darunter eine Frau, als klarer Favorit. Er hat zwei Kandidaten für die Vizepräsidentschaft nominiert: Neben dem Tadschiken Masud auch Karim Chalili, einen Angehörigen der schiitischen Hazara-Bevölkerung.

Karzai rief seine Landsleute zum Wahlkampfende zu einer freien und fairen Wahl auf. „Ich wünsche mir am Samstag die Unterstützung der Afghanen“, sagte er bei seiner schwer bewachten Abschlusskundgebung im Stadion der Hauptstadt Kabul. „Aber wenn Euch jemand Geld anbietet oder droht, damit ihr Karzai wählt, dann stimmt nicht für mich.“ Der Präsident nannte den Wahlkampf einen Beweis für die Internationale Gemeinschaft, dass die Afghanen inzwischen „mit Worten und Bildern statt mit Waffen und Gewalt kämpfen“.

Wegen der unklaren Sicherheitslage vor der Wahl zogen Caritas und die Johanniter am Mittwoch ihre deutschen Mitarbeiter vorübergehend aus Afghanistan ab. Die vier Caritas- und zwei Johanniter-Mitarbeiter sollen aber nach Angaben der beiden Hilfsorganisationen so bald wie möglich zurückkehren.

In Feizabad hat auch die deutsche Bundeswehr etwa 110 Soldaten stationiert. Deutsche Unterstützung sei angeboten, aber von den lokalen Sicherheitskräften abgelehnt worden. Später wollte sich die Bundeswehr nicht mehr zu dem Anschlag äußern. Bei einem Raketenangriff in Kundus waren vor einer Woche ein deutscher Soldat schwer und je zwei deutsche und zwei Schweizer Soldaten leicht verletzt worden.

Erste freie Präsidentenwahl in Afghanistan

Caritas und Johanniter ziehen Personal vorübergehend ab
Caritas und die Johanniter haben ihre in Afghanistan stationierten deutschen Mitarbeiter am Mittwoch vorübergehend abgezogen. Als Begründung nannten die beiden Hilfsorganisationen die unklare Sicherheitslage vor den Präsidentschaftswahlen. Die betroffenen Mitarbeiter, vier von Caritas und zwei von den Johannitern, sollen jedoch sobald wie möglich nach Afghanistan zurückkehren.

„Es ist wichtig, Präsenz zu zeigen. Die Bevölkerung soll spüren, dass wir da sind“, sagte der Caritas-Projektleiter für Afghanistan, Thorsten Hinz, der dpa. Bereits in zehn Tagen solle der erste der Mitarbeiter seine Tätigkeit in Kabul wieder aufnehmen. Die Johanniter wollen erst nach den Wahlen in Abstimmung mit den Mitarbeitern entscheiden, wann eine Rückkehr möglich ist. „Unsere Leute wollen gerne zurück, aber im Moment ist völlig unklar, was sicherheitstechnisch sinnvoll ist“, sagte Johanniter-Sprecher Martin Wittschorek.

Andere Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Welthungerhilfe und die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) haben derzeit keine Pläne für einen Rückzug aus Afghanistan. Das Technische Hilfswerk (THW) will die Sicherheitslage täglich in Absprache mit der deutschen Botschaft in Kabul bewerten. Zuletzt hatte die Frauen-Hilfsorganisation „medica mondiale“ am vergangenen Freitag angekündigt, ihre fünf internationalen Mitarbeiterinnen aus Sicherheitsgründen abzuziehen.

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