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Afghanistan: Geiselnehmer drohen mit Tötung

Die Entführer von drei am Donnerstag in Kabul verschleppten UNO-Wahlhelfern haben den Abzug der britischen Soldaten und der Vereinten Nationen aus Afghanistan verlangt und mit der Ermordung der Geiseln gedroht.

Ihre Forderungen unterstrichen sie in einem Video, das am Sonntag von dem arabischen Fernsehsender Al Jazeera gezeigt wurde.

Sämtliche moslemische Gefangene auf dem US-Stützpunkt Guantanamo in Kuba und in Bagram nördlich von Kabul müssten freigelassen werden, sagte zudem ein Sprecher, der sich als Vertreter der Taliban-Splittergruppe Jaish-e-Muslimeen („Armee der Muslime“) ausgab, in einem Anruf bei der Nachrichtenagentur AP. „Genau wie im Irak müssen die UNO gehen“, betonte der Anrufer. Würden die Forderungen nicht binnen drei Tagen erfüllt, so würden die Geiseln exekutiert. Seinen Worten zufolge laufen Verhandlungen mit der afghanischen Regierung.

Laut AFP forderte Mullah Mohamed Ishak, der ebenfalls als Sprecher der Entführer bezeichnet wurde, in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur, dass Großbritannien und das Kosovo ihre Soldaten sofort aus Afghanistan abzögen und die Philippinen den Einmarsch der ausländischen Truppen als illegal verurteilten. In Afghanistan sind zwar britische Truppen stationiert, nicht jedoch Soldaten von den Philippinen oder aus Serbien-Montenegro.

Das Ultimatum der Geiselnehmer läuft am Mittwoch aus, dem Tag nach der Präsidentschaftswahl in den USA. Ishak nannte den zeitlichen Zusammenhang der Entführung mit der US-Wahl „zufällig“. Wenn die USA jedoch eine Anfrage zur Verlängerung des Ultimatums stellten, weil sie „mit ihrer eigenen Wahl zu tun haben“, werde die Gruppe dies in ihrem Rat diskutieren.

Der vermutliche Anführer der Gruppe, Mohamed Akbar Agha, bestätigte laut AFP die mögliche Verlängerung der Frist telefonisch. Laut AP bestand Agha hingegen darauf, dass es keine solche Frist gebe. Allerdings habe er eine schnelle Antwort verlangt, hieß es.

In der Gewalt der Islamisten befinden sich der philippinische Diplomat Angelito Nayan, Shqipe Habibi aus der von der UNO verwalteten südserbischen Provinz Kosovo sowie Annetta Flanigan aus Nordirland, die sowohl die britische als auch die irische Staatsbürgerschaft besitzt. Auf dem Video sind die drei sitzend vor einer Wand zu sehen, außerdem ein vermummter Extremist. Eine der Frauen scheint zu sprechen, es wurde aber kein Ton gesendet.

UNO-Sprecher Manoel de Almeida e Silva bestätigte am Sonntag, dass es sich bei den gezeigten Personen um die entführten Wahlhelfer handle und rief zu ihrer umgehenden Freilassung auf. Der Kabuler Polizeichef Baba Jan sagte, die Behörden konzentrierten ihre Suche nach den Geiseln auf das Paghman-Tal westlich der afghanischen Hauptstadt.

Die britische Regierung hat bisher noch nicht auf die Forderung reagiert, ihre rund 1.700 unter dem Kommando der NATO stehenden Soldaten aus Afghanistan abzuziehen. Er hoffe, dass die UNO-Mitarbeiter unversehrt zurückkehrten, sagte der afghanische Interimspräsident Hamid Karzai am Samstag nach einem Treffen mit NATO-Kommandanten. Seine Regierung bemühe sich nachdrücklich, die Freilassung der Entführten zu erreichen. Anhänger der Taliban haben in der Vergangenheit mehrfach Ausländer entführt, allerdings noch nie in Kabul selbst.

Die Entführung nährte die Sorge, Extremisten, die gegen die fast 28.000 Soldaten der USA und der NATO kämpfen, könnten die Strategie der Aufständischen im Irak übernehmen. Dort haben Extremistengruppen zahlreiche Ausländer entführt und mehrere Dutzend von ihnen getötet, um den Abzug ausländischer Truppen und Firmen zu erzwingen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen halten sich rund 2.000 westliche Ausländer in Afghanistan auf. Bei den meisten handle es sich um Diplomaten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen.

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