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Afghanischer Christ geisteskrank?

Unter dem Eindruck internationaler Proteste könnte Afghanistan den zum Christentum konvertierten Abdul Rahman, dem die Todesstrafe droht, für psychisch gestört erklären.

Staatsanwalt Sarinwal Samari sagte am Mittwoch in Kabul, in Vernehmungen sei der Eindruck entstanden, dass Abdul Rahman geistig nicht in der Lage sein könnte, einem Prozess zu folgen. „Er könnte geisteskrank sein. Er ist keine normale Person. Er spricht nicht wie eine normale Person“, sagte Samari.

Der italienische Außenminister Gianfranco Fini erklärte, er habe „gute Gründe zu sagen, dass das Urteil nicht vollzogen wird“. Fini äußerte sich im italienischen Fernsehen, nachdem der afghanische Botschafter ins römische Außenamt zitiert worden war, wo ihm „die Empörung der italienischen Regierung“ zur Kenntnis gebracht worden war. Ein Berater von Staatspräsident Hamid Karzai, Moajuddin Baluch, stellte die Straffreiheit Rahmans in Aussicht. „Wenn sich bei einer ärztlichen Untersuchung herausstellt, dass er geistesgestört ist, hat der Islam kein Recht auf eine Bestrafung. Dann muss ihm vergeben und der Prozess eingestellt werden.“

Rahman ist wegen seines Übertritts zum Christentum vor 16 Jahren der Apostasie angeklagt, auf die in Afghanistan die Todesstrafe steht. Sein Vater hatte ihn im Februar im Rahmen eines Sorgerechtsstreits angezeigt, daraufhin wurde der 41-Jährige verhaftet. Der Prozess begann vergangene Woche. Nicht zuletzt, weil Rahman vor seiner Rückkehr nach Afghanistan neun Jahre in Deutschland gelebt hat, haben deutsche Politiker den Prozess massiv kritisiert und die Bundesregierung zum Eingreifen aufgefordert. FDP-Chef Guido Westerwelle forderte die deutsche Bundesregierung auf, Kabul mit „dramatischen Konsequenzen“ zu drohen, etwa dem Abzug der deutschen ISAF-Soldaten. „Wenn jemand durch ein Urteil mit dem Tode bedroht wird, nur weil er zum christlichen Glauben übergetreten ist, dann müssen die deutsch-afghanischen Beziehungen völlig neu sortiert werden.“ Deutschland könne keine Soldaten nach Afghanistan entsenden, „um ein solches Unrecht zu sichern“, sagte Westerwelle am Mittwoch.

Der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des deutschen Bundestags, Ruprecht Polenz (CDU), forderte die Bundesregierung zum Handeln auf: „Wir müssen dringend Einfluss auf die afghanische Regierung nehmen, damit Gesetze, die Konvertierungen von einem Glauben zu einem anderen mit Strafe bedrohen, abgeschafft werden“.

Die afghanische Regierung wirft Deutschland deswegen Erpressung vor. „Die hitzige und emotionale Reaktion deutscher Politiker ist überzogen und hat bei den Afghanen für Unmut gesorgt“, sagte Wirtschaftsminister Amin Farhang. „Wenn deutsche Politiker indirekt mit dem Abzug der Bundeswehr drohen, dann grenzt das an eine Art von Erpressung.“ Kabul mische sich auch nicht in die inneren Angelegenheiten der Bundesrepublik Deutschland oder gar in laufende Rechtsverfahren ein, sagte er. Außenminister Abdullah Abdullah sagte bei einem Besuch in Washington, er hoffe, dass der verfassungsgemäße Prozess ein „befriedigendes Ergebnis erbringen werde“. Rahman müsse das Recht haben, seine Religion ohne Verfolgung zu praktizieren, erklärte das US-Außenamt. Allerdings wolle sich Washington nicht in die inneren Angelegenheiten Afghanistans einmischen.

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