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Adelheid Mutterblick

80.123 Personen bekommen in dieser Sekunde die “Wie geht‘s Dir?”-Frage gestellt. Sie ereilt das Ohr des Gemeinen unvorbereitet und stellt den Überraschten, nennen wir ihn Franz Herbert, vor eine schwierige Situation. Er muss blitzschnell herausfinden, wie es ihm geht, um antworten zu können. Er muss sofort Farbe bekennen. Stantepede. Jetzt. Franz Herbert hat bisher versäumt sich zu fragen, wie es ihm geht. Jetzt steht er da ohne zu wissen, wie es ihm geht. Das geht nicht. Es geht nicht, nicht zu wissen, wie es einem geht.

Er könnte antworten: „Ich kann Dir das nicht sagen, weil ich mich das selbst noch gar nicht gefragt habe. Kannst Du mich bitte in zwei Wochen wieder fragen?“

Im Moment weiß er nicht einmal, wie es geht, zu erfahren, wie es ihm geht. Vielleicht sollte er sofort nach Hause gehen, sich auf das rote Sofa legen und „sich in sich“ versenken. Das geht eindeutig Richtung Meditation (aua), Richtung Yoga (aua aua), Richtung Selbstfindung (aua aua aua). Wiglaf Droste & Das Spardosenterzett fallen ihm ein: Weinen bis Blut kommt. So eine „Sich in Sich“ Versenkung“ kann voll in die Hosen gehen, er sieht sich bereits in einer Selbsterfahrungsgruppe hyperventilieren. „Wie geht’s mir?“ verfolgt ihn. Bevor er aber am Selbst weiterbastelt, wird er die Sendung vom dvd-Pickup Paketshop holen, der immer dann geschlossen hat, wenn er davor steht.

Später, als er das Päckchen zu dritten Mal nicht bekommen hat, beschäftigt ihn die Frage weiter. Franz Herbert überlegt aber jetzt nicht mehr, wie es ihm geht, sondern, wie er antworten könnte, wenn Adelheid Mutterblick demnächst vom Rad steigt, ihr Geschirrspülerlächeln aufsetzt und ihn (scheinbar) unbekümmert fragt: Wie gehts Dir? Um diesen Herzstich rasch zu verwinden, gibt es eigentlich, findet Franz Herbert, nur eine Antwortmöglichkeit (damit kein Blut kommt): „Danke, gut“. Damit wäre der Angriff pariert, nichts bleibt über. Adelheid Mutterblick kann darauf nur noch mit Strohsternbastelmiene antworten: „Das freut mich“, obwohl sie das ja einen feuchten Schmutz angeht. Sie hat, ärgert sich Franz Herbert , nicht einmal das Recht, sich zu freuen, dass er gesagt hat, dass es ihm gut geht (weil er ja gar nicht weiß, wie es ihm geht). Ist das gelogen, wenn er sich mit „Danke gut“ rettet oder Notwehr? Kann er Adelheid Mutterblick noch entkommen? Wie könnte sie weiterfragen, wo könnte sie ihm mit ihrem Halskettchen mit Kreuz noch zusetzen? Oder wird sie sich zufrieden geben, aufs Rad setzen und ripsend nach Hause radeln?

Niemals wird sie das, denn nachmittags kommen die Verwandten zum Kaffee und werden mit frischer Newsbeute aufgeigen. Da muss sie sagen können, wie es Franz Herbert geht.

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