Adelboden: Herbst siegt vor Pranger

Der Weltcup-Slalom der Herren am Sonntag in Adelboden ist mit einem österreichischen Doppelsieg zu Ende gegangen. ÖSV-Doppelsieg in Adelboden Kathrin Zettel Zweite hinter Riesch in Marburg |

Österreichs Ski-Herren haben das Chuenisbärgli in Adelboden ganz fest im Griff gehabt. 24 Stunden nach dem Riesentorlauf-Sieg von Benjamin Raich hat die ÖSV-Truppe am Sonntag im Slalom sogar einen Doppel-Triumph hingelegt. Reinfried Herbst holte mit einem entfesselten zweiten Durchgang den vierten Sieg seiner Weltcup-Karriere, der Salzburger verwies den Tiroler Halbzeitführenden Manfred Pranger (+0,18 Sekunden) und den Deutschen Felix Neureuther (0,32) auf die Plätze zwei und drei.

Damit haben die ÖSV-Herren im WM-Winter in allen fünf Disziplinen gewonnen, ein Sieg im Slalom hatte noch gefehlt. Zudem war es der erste Doppelsieg seit dem Super-G von Whistler Mountain am 21. Februar 2008, damals hatte Christoph Gruber vor Hannes Reichelt gewonnen.

Einmal mehr beeindruckend war ÖSV-Jungstar Marcel Hirscher als Sechster unterwegs, Vorjahressieger Mario Matt wurde Siebenter und für Raich schaute nach Rang zwei im ersten Lauf schlussendlich Platz elf heraus. Im Gesamt-Weltcup führt Raich nun 50 Punkte vor dem französischen Slalom-Weltcup-Leader Jean-Baptiste Grange, der in Adelboden nicht über Rang neun hinauskam.

Herbst hatte im ersten Durchgang mit Startnummer 1 Platz zehn belegt. “Mit der Nummer 1 fühle ich mich einfach nicht wohl, damit umzugehen, das muss ich erst lernen, ich war zu vorsichtig”, meinte der Olympia-Zweite, der dann im Finale umso ambitionierter zu Werke ging. “Da habe ich die Rakete gezündet und richtig Stoff gegeben. Aber ich habe es nicht übertrieben, das macht mich besonders stolz”, frohlockte der 30-Jährige.

Inspirieren ließ sich Herbst vom Schweden Mattias Hargin, der als einziger im zweiten Lauf noch schneller war und vom 29. auf den siebenten Rang fuhr. “Ich war beeindruckt, wie der angegast hat.” Für Herbst war es der vierte Slalom-Triumph nach Shigakogen 2006, Garmisch 2008 und Bormio 2008. In der laufenden Saison war es bis Sonntag nicht nach Wunsch gelaufen, nach den Ausfällen in Levi und Alta Badia war Herbst zuletzt in Zagreb Siebenter geworden.

Ebenfalls wie ein Sieger jubelte der zweitplatzierte Pranger, der sich im Dezember 2007 in Alta Badia einen Kreuzbandriss im rechten Knie zugezogen hatte und nun erstmals seit seinem Schladming-Sieg am 25. Jänner 2005 wieder aufs Weltcup-Stockerl gefahren ist. “Auf das habe ich sehnsüchtig gewartet, ich habe endlich die Trainingsleistungen ins Rennen umgesetzt. Ich bin überglücklich”, berichtete Pranger, der bis zur letzten Zwischenzeit noch klar geführt hatte. Ein schwerer Fehler kurz vor dem Ziel kostete den 30-Jährigen aber dann eine knappe Sekunde und den Sieg.

Raich vergab das Adelboden-Double vor allem deshalb, weil er im Finale nur die 24. Zeit hinlegte, reiste aber dennoch zufrieden und als Gesamt-Weltcup-Führender nach Wengen, wo kommende Woche Kombination, Abfahrt und Slalom warten. Am Mittwoch steht auf dem Lauberhorn das erste Abfahrtstraining auf dem Programm. “Die Piste war schon ein wenig schlechter, ich habe kontinuierlich Zeit verloren. Aufgrund des Sieges im Riesentorlauf kann man dieses Wochenende in Adelboden aber schon geltenlassen.”

Weniger zufrieden war Slalom-Doppel-Weltmeister Matt, obwohl er trotz Darminfekt in den vergangenen Tagen am Sonntag ins absolute Spitzenfeld fuhr. “Im ersten Durchgang bin ich nur herumgerutscht”, ärgerte sich der Tiroler, der derzeit um die richtige Materialabstimmung kämpft. Matt wechselte daher zwischen den Durchgängen die Ski. “Dadurch war ich am Start unsicher und bin zurückhaltend gefahren.”

ÖSV-Alpinchef Hans Pum strahlte mit der Sonne im Berner Oberland um die Wette. “In der Höhle des Löwen zuzuschlagen, ist immer besonders schön”, freute sich Pum über die zwei Erfolge auf Schweizer Terrain.

Für die Schweizer Hausherren setzte es hingegen im Heimrennen ein Debakel, wie zuletzt auch in Zagreb schaffte kein einziger Eidgenosse die Qualifikation fürs Finale der Top 30. Marc Gini belegte als bester Schweizer Rang 31 (0,01 Sek. hinter Platz 30), Marc Berthod und Silvan Zurbriggen wurden nach schweren Fehlern nur 45. und 46., Daniel Albrecht und Sandro Viletta schieden aus. Der 27. Rang des für Moldawien startendenden Schweizers Urs Imboden war da ein schwacher Trost.

Stimmung und Atmosphäre waren bei strahlendem Winterwetter dennoch einmal mehr herausragend, einen Tag nach dem Zuschauerrekord beim Riesentorlauf (25.500 Fans) kamen am Sonntag 11.500 Besucher aufs Chuenisbärgli. Unter ihnen befand sich auch der in der Schweiz lebende deutsche Formel-1-Pilot Nick Heidfeld, der sich zwar skifahrerisch als “blutiger Anfänger” bezeichnete, die Stimmung jedoch voll genoss: “Der Ausflug hierher hat sich voll ausgezahlt.”

 

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