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Abwehr von Migranten in der Ägäis wird härter

Die Besatzung der Motoryacht "Friendship" war auf Sturm eingestellt. Doch dann kam es am frühen Morgen in der östlichen Ägäis ganz schlimm. Auf der Fahrt von Bodrum nach Istanbul wurde die Besatzung des 26 Meter langen Touristenbootes aus der Kajüte auf rote Gegenstände aufmerksam, die auf den Wellen tanzten.

Es waren die Rettungswesten von Menschen, die im Unwetter trieben und mit Trillerpfeifen auf sich aufmerksam machten. “Sie waren auf griechischer Seite, wir auf türkischer Seite”, sagt Adil Gözüm (22), der Assistent des Kapitäns der „Friendship“. “Wir haben unseren Kurs geändert und sie gerettet. Sie müssen fünf Stunden im Wasser gewesen sein und waren schon ganz blau angelaufen”, sagt er. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um Migranten handelt. Elf der Afghanen werden noch lebend aus dem Wasser gezogen. Die Leichen von 15 Menschen werden bei dem Zwischenfall Ende September zurückgelassen.

Doch für die “Friendship” geht das Drama auf See nach der Rettungsaktion noch zehn Stunden weiter. Die Afghanen wollten offensichtlich illegal in die EU gelangen. Die Besatzung des Touristenschiffes schildert, von der Küstenwache Griechenlands oder der Türkei habe es keine Hilfe gegeben, obwohl die Sachlage durchgefunkt worden sei. Die griechische Seite habe sie erst mit angedrohter Festname, dann mit vorgehaltenen Waffen zur Fahrt zurück in türkische Gewässer zwingen wollen. Die türkische Küstenwache lehnte das zunächst ab, lenkte aber nach zehn Stunden ein.

Typisch, meinen die Griechen. Die Türkei nehme nur etwa jeden zehnten Flüchtling und illegalen Migranten zurück, obwohl sie dazu verpflichtet sei. Der Streit wird entlang einer sensiblen Seegrenze ausgetragen, deren Verlauf zwischen Griechenland und der Türkei umstritten ist. Zwischen der griechischen Insel Samos und dem türkischen Festland liegen an der engsten Stelle nur wenig mehr als ein Kilometer Wasserfläche. Auch viele andere Stellen sind geeignet, sich in der Nacht in Schlauchbooten von der Türkei nach Griechenland treiben zu lassen. Der Türkei aber reicht diese auf einfacher Logik basierende Beweisführung als Herkunftsnachweis der Flüchtlinge nicht aus.

Die Abwehr von Flüchtlinge und illegalen Migranten wird unterdessen rabiater, berichten Hilfsorganisationen. Sie stützen sich dabei auf Schilderungen der Menschen, die noch während der versuchten Überfahrt oder an Land festgenommen worden sind. Einige erzählen von Schlägen und schweren Misshandlungen. Immer wieder komme es außerdem vor, dass die griechische Küstenwache eine Fahrt zurück in die Türkei erzwinge.

Die Migranten schreckt das nicht ab. In der griechischen Ostägäis hat sich die Zahl der Aufgriffe binnen eines Jahres bereits fast verdoppelt. Es kommen viele Iraker und verstärkt auch Afghanen. Ein Grund dafür ist, dass der Iran seit einiger Zeit verstärkt afghanische Flüchtlinge abschiebt, diese aber nicht zurück in ihre zerstörte und umkämpfte Heimat wollen. So wächst der Druck auf die Außengrenzen der EU.

Das UN-Flüchtlingskommissariat hat bereits die Schließung eines restlos überfüllten Flüchtlingslagers auf der griechischen Insel Samos gefordert. “Das Lager ist bereits international schärfstens kritisiert worden. Es muss schließen”, sagte der Direktor des Büros des UN-Flüchtlingskommissariats in Athen, Giorgos Tsarmopoulos. Wegen der steigenden Zahlen der aus der Türkei ankommenden Bootsflüchtlinge seien dort unter “menschenunwürdigen Zuständen” statt 120 mehr als 390 Personen untergebracht.

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