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Abschied von Frère Roger in Taizé

Nach dem tödlichen Anschlag auf den Gründer der Taizé-Gemeinschaft in Frankreich, Frère Roger Schutz, haben hunderte Gläubige dessen aufgebahrtem Leichnam die letzte Ehre erwiesen.

Bis zu Rogers Beerdigung am kommenden Dienstag könnten die Menschen in der Versöhnungskirche von Taizé Abschied von dem charismatischen Geistlichen nehmen, sagte ein Sprecher im burgundischen Taizé am Donnerstag. Zugleich teilte die Gemeinschaft laut Kathpress mit, dass Bruder Alois Löser sein Amt als neuer Prior mit sofortiger Wirkung angetreten hat. Der Protestant Frere Roger hatte den aus Stuttgart stammenden katholischen Mitbruder bereits vor acht Jahren als seinen künftigen Nachfolger designiert.

Bruder Alois lebt seit 32 Jahren in der ökumenischen Gemeinschaft. Er ist Theologe, aber kein Priester und gilt als sehr warmherzige und integrative Persönlichkeit.

Die Staatsanwaltschaft will die 36 Jahre alte Täterin, eine vermutlich geistesgestörte Rumänin, wegen Mordes anklagen. Die Frau hatte den 90-jährigen Geistlichen am Dienstag während des Abendgebets vor 2500 jungen Gläubigen erstochen. Gegen sie sollte noch am Donnerstag ein offizielles Ermittlungsverfahren eingeleitet werden. „Angesichts der von ihr angewandten Kraft ist das eine vorsätzliche Tat, was auch der Kauf eines Messers am Tag zuvor zeigt“, erläuterte der Staatsanwalt von Mecon, Jean-Louis Coste. Die 36-jährige Luminita spreche im Verhör zusammenhängend, doch hat ein psychiatrischer Experte nach Angaben der Staatsanwaltschaft bei ihr „ein Delirium vom Typ einer Paranoia“ festgestellt. Dies vermindere ihre Zurechnungsfähigkeit, hebe sie aber nicht auf. Die Frau hatte erklärt, sie habe die Aufmerksamkeit von Bruder Roger auf sich ziehen, ihn aber nicht töten wollen. Sie war schon im Juni bei einem ersten Besuch in Taizé einem Bruder wegen eines „psychiatrisches Problems“ aufgefallen. Einer Nachbarin in Rumänien habe sie wiederholt „seltsam lachend“ erzählt, Menschen aus Taizé verfolgten sie und wollten ihr Böses antun, berichtete die rumänische Nachrichtenagentur Mediafax.

In Wiener Stephansdom wird Christoph Kardinal Schönborn am kommenden Dienstag um 21.00 Uhr einen Gedenkgottesdienst für Frere Roger feiern. Der Gottesdienst wird musikalisch mit Taize-Gesängen gestaltet, teilte Kathpress am Donnerstag mit. Der Wiener Erzbischof war besonders herzlich mit Frere Roger verbunden. Besonders eng war die Kooperation bei den beiden Europäischen Jugendtreffen der Taize-Gemeinschaft, die zum Jahreswechsel 1992/93 und 1997/98 in Wien stattfanden. Auch am zweiten Tag nach dem gewaltsamen Tod von Frere Roger würdigten zahlreiche Kirchenvertreter dessen Wirken. Für die Jugend sei Frere Roger – ebenso wie Johannes Paul II. – „ein Zeuge und ein Prophet“ gewesen, weil er ihre Herzen mit seinem Leben und seinem Wort erreichen konnte, sagte der Pariser Erzbischof Andre Vingt-Trois in einem Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR. Frere Roger sei ein wichtiger „Vorläufer“ des Ökumenismus und der europäischen Aussöhnung. Der Prior der italienischen Gemeinschaft von Bose, P. Enzo Bianchi, erinnerte daran, dass Frere Roger sozusagen der Inspirator der Weltjugendtage gewesen sei.

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