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9/11: Hauptverdächtiger hat gestanden

Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center , Khalid Scheich Mohammed, hat in Guantanamo ein umfassendes Geständnis abgelegt.

In dem vom US-Verteidigungsministerium am Mittwoch in Washington veröffentlichten, zensierten Protokoll eines Verhörs in Guantanamo wird er mit den Worten zitiert: „Ich war für die 9/11-Operation von A bis Z verantwortlich.“ Laut dem Text übernahm der Pakistani, der als Nummer Drei der Al Kaida gilt, die Verantwortung für insgesamt 29 Anschläge und Anschlagsversuche. Darunter waren fehlgeschlagene Attentate auf den verstorbenen Papst Johannes Paul II. und die ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton und Jimmy Carter.

Die Anhörung vor einem dreiköpfigen Militär-Gremium fand im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba hinter verschlossenen Türen statt. Das Pentagon schwärzte einige Passagen der Aussage des Verdächtigen, der 2003 in Pakistan verhaftet worden war. Mohammed erklärte, der US-Geheimdienst CIA habe ihn unmittelbar nach der Festnahme gefoltert. Der Vorsitzende des Gremiums, ein Oberst, fragte ihn explizit, ob er seine Aussage mache, nachdem Zwang oder, „um Ihr Wort zu benutzen, Sie behaupten Folter“, ausgeübt worden sei. Teile der Aussage des Häftlings wurden aus dem Transkript gelöscht, und seine Antwort in diesem Punkt blieb unklar.

Der Verdächtige übernahm die Verantwortung für Planung, Finanzierung und Ausbildung von Terroristen für Anschläge, die vom Anschlag auf das New Yorker World Trade Center 1993 bis zum gescheiterten Versuch des „Schuhbombers“ Richard Reid reichten, ein Passagierflugzeug im Dezember 2002 auf dem Flug von Paris nach Miami in die Luft zu sprengen.

Der Mitschrift zufolge erklärte der Pakistani, er habe nach den Anschlägen vom 11. September 2001 eine zweite Angriffswelle geplant. Ziele seien der Library Tower in Kalifornien, der Sears Tower in Chicago, die Plaza Bank in Washington State und das Empire State Building in New York gewesen. Er sei zudem für die Planung und Finanzierung von Anschlägen verantwortlich gewesen, bei denen in der Straße von Gibraltar, der Straße von Hormus und dem Hafen von Singapur US-Militärschiffe und Öltanker zerstört werden sollten.

Mohammed schwor vor der Militärkommission den Angaben zufolge einen Treueeid auf Terrorchef Osama bin Laden. „Ich mag es nicht, Leute umzubringen. Es tut mir Leid, dass am 11. September Kinder getötet wurden“, sagte der Häftling in gebrochenem Englisch. Deren Tod sei aber Teil der „Sprache des Krieges“.

Das Pentagon veröffentlichte auch Niederschriften von Anhörungen im Fall des Libyers Abu Faraj al-Libi und des Jemeniten Ramzi bin al-Shaibah (Ramsi Binalschib). Letzterer hatte sich allerdings geweigert, an seiner Anhörung teilzunehmen. Er soll Mohammed bei der Planung der Anschläge vom 11. September geholfen haben. Libi soll im Dezember 2003 innerhalb von elf Tagen zwei Attentate auf den pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf organisiert haben.

Die Anhörungen gegen 14 zentrale Terrorverdächtige begannen am vergangenen Freitag in Guantanamo. Sechs Verdächtige wurden bereits aufgerufen. Nach Angaben des Pentagon soll bei der Anhörung geklärt werden, ob sie zu Recht als „feindliche Kämpfer“ eingestuft und festgehalten werden. Diese Entscheidung ist Voraussetzung für eine Anklage und eine Aburteilung vor einem Militärtribunal. Die 14 Verdächtigen wurden im vergangenen September von geheimen CIA-Gefängnissen nach Guantanamo gebracht, wo die USA 385 Personen gefangen halten, die nach ihrer Vermutung Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida oder den afghanischen Taliban haben.

Im Gegensatz zu früheren Anhörungen wurde dieses Mal die Presse ausgeschlossen. Das Pentagon begründete dies mit höchst vertraulichen Informationen unter anderem über die Umstände der Gefangennahme und die bisherige Haft. Deshalb werden nur zensierte Protokolle der Anhörungen veröffentlicht.

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