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74. Bregenzer Festspiele: Festival mit bisherigem Verlauf zufrieden

Opernstudio mit "Eugen Onegin" und neues Musiktheater "Wunderwandelwelt" zum Finale
Opernstudio mit "Eugen Onegin" und neues Musiktheater "Wunderwandelwelt" zum Finale ©VOL.AT/Paulitsch
Die Bregenzer Festspiele wollen zum Finale noch einmal kräftig durchstarten.
Bregenzer Festspiele: Zweiter Pressetag
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Mit dem Opernstudio "Eugen Onegin" und dem Musiktheater "Wunderwandelwelt" stehen unter anderem noch zwei Premieren an. Intendantin Elisabeth Sobotka zeigte sich trotz zweier Regenabsagen am See beim zweiten Pressetag entspannt. Am Donnerstagabend werden 120.000 Besucher "Rigoletto" als Spiel auf dem See gesehen haben.

Regenabsagen als Wermutstropfen

Die Regenabsagen seien dank einer Versicherung weniger finanziell ein Problem, man bedaure eher die Enttäuschung des Publikums, "schließlich mussten wir 5.000 Leute nach Hause schicken", bedauerte Sobotka. Sie zeigte sich erfreut, dass das Programm von Besuchern und Fachwelt so gut angenommen wurde. Nicht nur "Rigoletto" ist ausverkauft, auch die Hausoper "Don Quichote" sei "komplett voll" gewesen.

Probenimpressionen

Beim "kleinen" Pressetag boten die Festspiele Probenimpressionen der Produktionen abseits des dominierenden Spiels auf dem See. "Es geht darum, wie man Musiktheater machen kann, dass es bewegt und noch heute eine Dringlichkeit hat", so Sobotka über die noch ausstehenden Musiktheater-Premieren. "Wunderwandelwelt"-Regisseur Francois Sarhan sei dabei, einen "eigenen speziellen Kosmos" auf der Werkstattbühne zu kreieren. Bewegt zeigte sich Sobotka auch von den Proben zu Tschaikowskis 1879 uraufgeführter Oper. "Es weht ein neuer Onegin-Geist", erklärte sie.

Probeneinblick

"Eugen Onegin" sei das Wunschstück Eßingers gewesen, so Sobotka über das heurige Stück für das von ihr gegründete Opernstudio, das vor allem jungen Sängern eine Bühne bieten will. "Onegin und Tatjana sind bei uns tatsächlich jung", erklärte Eßinger, der nach mehreren Jahren Mitarbeit heuer erstmals in Bregenz Regie führen wird. Daraus entstehe ein neuer Zugang. "Beziehungsgeschichten gehen uns alle an, jeder findet sich hier selbst", so der Regisseur. Die begrenzte Platzsituation im Kornmarkttheater unterstütze diese Kammerspielsituation noch. "Man kommt fast filmisch nah heran", schwärmte er.

Es sei eine Herausforderung, ein für die russische Kultur so ikonisches Stück aufzuführen und die "Mini-Intonationen" der Charaktere herauszuarbeiten, so Valentin Uryupin, der das Symphonieorchester Vorarlberg dirigieren wird. "Eugen Onegin" begleite ihn seit 20 Jahren, er habe sich daher bemüht, das Werk ganz neu zu sehen. Uryupin und Tatjana-Darstellerin Shira Patchornik lobten die gemeinschaftliche Zusammenarbeit mit Eßinger. Man habe die Charaktere gemeinsam erarbeitet und immer wieder Neues über sie gelernt, so Patchornik. Premiere feiert "Eugen Onegin" am 12. August.

Pressetag: Livestream zum Nachsehen

Sarhans "Wunderwandelwelt"

Als "Rundumtheater" und "Gesamtkunstwerk" kündigte Sobotka Francois Sarhans "Wunderwandelwelt" (Original: "Ephemere Enchaine") an. Der französische Multi-Künstler Sarhan habe neben dem Konzept auch Requisiten und Bühnenbild - eine Collagenwand mit vergrößerten Zeitungssauschnitten, Graffiti und historischen Reklamen, die er per Google zusammensuchte - selbst realisiert. Die Musiktheatrale wird am 16. August uraufgeführt, ihre Fortsetzung findet sie tags darauf.

Bewegungsfreiheit

Sarhan lädt das Publikum, das sich frei bewegen, auf Karton-Stühlen sitzen oder den Spielort auch zwischendurch verlassen kann, in eine flüchtige, anarchistische, vergängliche Welt ein, die aus Text-, Gesangs- und Musikschnipseln besteht. Im Zentrum des episodenhaften Werks, das von den Ensembles "Something Out There" und "Phace" musikalisch gestaltet wird, steht die Frage "Was ist Kreativität?". "Es soll sich frei und zufällig anfühlen, aber auch notwendig", so Sarhan. Percussionist Adam Rosenblatt erklärte, man erarbeite sich in den Proben ein Gerüst, auf dem man dann improvisieren könne.

Die mediale Entwicklung mache es immer schwieriger, dass Menschen an einem Ort, an einer Sache bleiben, begründete Sarhan die Freiheit für die Besucher. Man könne die kurze Aufmerksamkeitsspanne beklagen, diese habe aber auch Potenzial. Man könne wie in einer dunklen Höhle ein Schlaglicht auf eine Szene legen und erhalte eine Art Mosaik, das die Besucher wie eine Installation erleben könnten. In der modernen Musik sei es eine gängige Klage, sich darüber zu beschweren, dass man nicht verstanden werde. "Wenn du nicht verstanden wirst, mach etwas anderes oder hör auf", so Sarhan nüchtern. Es gehe darum, auf das Publikum einzugehen, nicht über seine Unbildung zu klagen. Er sei selbst nicht sehr erfolgreich mit dem, was er mache, "aber wenigstens bin ich nicht traurig darüber".

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