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50 Prozent der Zeckenstiche unbemerkt: Das macht sie so gefährlich

Zecken sind und waren immer schon in Vorarlberg vorhanden. Seit rund 10 Jahren wird in Vorarlberg durch Zecken auch der Virus der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen, was vorher nicht der Fall war. Zusätzlich werden in Vorarlberg seit Jahrzehnten Bakterien, die Borreliose auslösen können, durch Zecken übertragen und das rund 100 Mal häufiger als der FSME-Virus. 

In Vorarlberg gibt es kein spezielles “Risikogebiet”. Die Erkrankungsfälle der vergangenen zehn Jahre waren auf alle vier Bezirke verteilt und zeigen, dass Zecken in ganz Vorarlberg FSME übertragen. Allgemeinmediziner Joachim Hechenberger aus Hohenems weiß genau, was einen Zeckenstich so gefährlich macht.

Milder Winter sorgt für mehr Zecken

Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass ein durchwegs milder Winter zu einer Zunahme der Gesamtzeckenpopulation und zu einer verfrühten Aktivität der Zecken führt. Zecken benötigen für ihren Aktivitätsbeginn eine Temperatur von lediglich sieben bis acht Grad, deshalb muss mit Zeckenbefall bei Mensch und Tier bereits ab Jänner beziehungsweise Februar gerechnet werden.

Werden die Zeckenstiche immer gefährlicher?

Zecken gehören zur Klasse der Spinnentiere, wobei ca. 900 Arten bekannt sind. In Mitteleuropa ist der gemeine Holzbock die häufigste Art. Grundsätzlich sind der Zeckenstich und das Saugen von Blut für Mensch und Tier unangenehm aber ungefährlich, da die Zecke nach dem Saugakt, der mitunter Tage dauert, wieder abfällt. Gefährlich ist der Zeckenstich deshalb, da durch den Stich verschiedene Krankheitserreger wie der Virus der FSME und das Bakterium, das die Borreliose verursacht, übertragen werden können.

Frühsommer-Meningoenzephalitis

Der Virus kommt in gemäßigtem Klima in Gesamteuropa in Zecken vor. Seit etwa zehn Jahren ist auch West-Österreich nicht mehr FSME-frei. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis tritt nach sieben bis 14 Tagen nach einem Zeckenstich mit grippeähnlichen Symptomen auf. Danach kommt es zu einer Besserung mit Fieberfreiheit, wobei diese Krankheitsphase selten als Frühsommer-Meningoenzephalitis erkannt wird.

Rund zehn Prozent erleidet Gehinhautentzündung

Rund eine Woche später tritt bei zehn Prozent der Infizierten eine Gehirnhaut- und Gehirnentzündung mit Fieber, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen und neurologischen Ausfällen auf. Es besteht die Gefahr von bleibenden neurologischen Ausfällen wie Lähmungen, Kopfschmerzen und epileptischen Anfällen. In zirka einem Prozent der Fälle führt die Erkrankung zum Tod. Zur Vorbeugung einer FSME- Erkrankung gibt es eine Impfung, eine kausale Behandlung ist bei Auftreten der Erkrankung nicht mehr möglich.

Borreliose (“Wanderröte”, Lyme-Erkrankung)

Die Borreliose ist eine Erkrankung, die durch ein Bakterium, das im Darm der Zecke lebt, verursacht wird. Die Erkrankung ist rund 1100-mal häufiger als FSME. Bei der Borreliose fehlen jedoch genaue Zahlen, da keine Meldepflicht besteht und viele Erkrankungen unentdeckt bleiben. Nach Untersuchungen sind rund ein Drittel aller Zecken in Deutschland Träger dieses Bakteriums.

1. Stadium: Die Wanderröte

Die erste Phase ist die sogenannte Wanderröte, in der zweiten Phase wird das Gehirn und das Rückenmark befallen und im dritten Stadium die Gelenke. Im ersten Stadium treten unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Fieber und ein typischer roter Hautausschlag, der als Kreis beginnt, immer größer wird und in der Mitte abblasst, daher der Name “Wanderröte”.

2. und 3. Stadium

Im zweiten und dritten Stadium, das erst Wochen oder Monate nach dem ersten Stadium auftreten können, treten Sensibilitätsstörungen, quälende Schmerzen, Lähmungen und Gelenksbeschwerden auf.
Gegen die Borreliose gibt es keine Impfung, sie kann aber bei korrekter und frühzeitiger Diagnose mit Antibiotika behandelt werden.

Worauf sollte man achten, um nicht von Zecken gestochen zu werden?

Insektenschutzmittel, sogenannte Repellentien und lange Hosen und Socken können verhindern, dass sich Zecken anhaften und Blut saugen. FSME und Borreliose werden nicht am Anfang des Saugaktes übertragen, weshalb ein schnelles Entfernen der Zecke sinnvoll ist. Beim Entfernen einer Zecke darauf achten, dass sie nicht gequetscht wird, ansonsten wird der Inhalt der Zecke in die Blutbahn gespritzt und die Infektionswahrscheinlichkeit steigt.

Kleinkinder besonders gefährdet

Zecken sollten nicht mit “Uhu”, Öl oder anderen Hausmittel behandelt werden, da die Zecke im Todeskampf Krankheitserreger in den Körper des Wirtes injiziert. Auch Hunde- und Katzenbesitzer sind gefährdet, da Hunde und Katzen Zecken ins Haus bringen können. Kleinkinder sind besonders gefährdet, wenn sie im hohen Gras herumkrabbeln. Zecken können auch Tage und wochenlang in der Kleidung und Bettwäsche überleben.

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